Fluch der Karibik erfindet sich neu: Werft Jack Sparrow über Bord

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© Disney/Warner Bros.
Margot Robbie und Johnny Depp
01.07.2020 - 08:00 UhrVor 10 Tagen aktualisiert
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Wenn sich das Fluch der Karibik-Franchise neu erfinden will, dann ist jetzt die perfekte Gelegenheit. Eine Zukunft ist auch ohne Johnny Depps Captain Jack Sparrow möglich.

Am Freitag erreichte uns die Nachricht, dass sich ein neuer Fluch der Karibik-Film mit Margot Robbie bei Disney in der Entwicklung befindet. Von Johnny Depps Beteiligung als Captain Jack Sparrow war dabei jedoch keine die Rede. Es ist bereits das zweite Projekt dieser Art, das dem Franchise in den kommenden Jahren einen Neuanstrich verpassen könnte. Jetzt ist genau der richtige Moment dafür.

Disneys Fluch der Karibik schwächelt an den Kinokassen

Mit Fluch der Karibik kam 2003 der erste Film ins Kino. Bis dato folgten vier Fortsetzungen, mit denen Disney insgesamt über 4,5 Milliarden US-Dollar an den Kinokassen erwirtschaftet hat. Zuletzt strauchelte die Reihe, Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache spielte rund 200 Millionen US-Dollar weniger als die vorherigen Fortsetzungen ein, die sich allesamt um die Milliarden-Marke positionierten.

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Von einem Flop ist das natürlich noch weit entfernt, gerade in Anbetracht des Produktionsbudgets von 230 Millionen US-Dollar und den finanziellen Erwartungen, die mit dem Franchise einhergehen, aber fraglos eine Enttäuschung. Offenbar funktioniert das Erfolgsrezept nicht mehr ganz so gut wie vor ein paar Jahren noch. Im Endeffekt dürfte diese Erkenntnis allerdings niemanden überraschen.

Unabhängig der genauen Gründe wird jede große Filmreihe in Hollywood irgendwann mit einer gewissen Müdigkeit seitens des Publikums konfrontiert. Das seit über zehn Jahren extrem gut laufende Marvel Cinematic Universe bestätigt als Ausnahme die Regel. Ansonsten haben wir in den vergangenen Jahren sehr oft erlebt, wie populäre Marken in ein neues Gewand gehüllt wurden, um die Zielgruppe zu erweitern.

Fluch der Karibik hat die Kurskorrektur verpasst

Eines der erfolgreichsten Beispiele wäre die Fast & Furious-Reihe, die im Zuge des fünften Teils einer Generalüberholung unterzogen wurde und sich gleich in mehrerlei Hinsicht neu ausrichtete. Inzwischen gehört Dom Torettos Familie zu den wertvollsten Marken, die neben den Minions im Katalog von Universal schlummern und hat dank der Beteiligung von Dwayne Johnson sogar ein ganzes Spin-off zum Vorschein gebracht.

Fluch der Karibik hat den Punkt der Kurskorrektur allerdings gleich zwei Mal verpasst, obwohl mit dem Abschluss der ursprünglichen Trilogie die perfekte Chance gegeben war. Sowohl Teil 4 als auch Teil 5 scheiterten daran, einen adäquaten Ersatz für tragende Figuren wie Elizabeth Swann und Will Turner zu etablieren, während mehr als deutlich wurde, dass Jack Sparrow als alleiniger Protagonist nur bedingt taugt.

Johnny Depp in Fluch der Karibik: Salazars Rache

Auch die Rückkehr von Orlando Bloom fühlte sich mehr wie eine notdürftige Entscheidung an, um des Gefühl der alten Filme heraufzubeschwören. Schlussendlich hätte Fluch der Karibik hier aber schon längst den Kurs Richtung Zukunft setzen sollen, anstelle sich noch tiefer in einer aufgesetzten Hintergrundgeschichte von Jack Sparrow zu verlieren, die weit von den schönen dramaturgischen Bögen der Trilogie entfernt war.

Jack Sparrow als schleppender Ballast der Reihe

Trotz all der vergnüglichen Unberechenbarkeit, die Jack Sparrow mit sich bringt: Zuletzt trat der torkelnde Kapitän weder als verblüffendes Genie noch als unverschämter Glückspilz in Erscheinung, sondern schlicht als Ballast, der die Fluch der Karibik-Reihe in die Tiefe zieht. Ein harter Schnitt ist hier besser als das erneute Zeitspiel, denn selbst wenn Johnny Depp noch einmal zurückkehrt, geht das Spiel danach von vorne los.

Die am Ende des fünften Teils angedeutete Reunion von Elizabeth, Will und Jack bietet zwar definitiv seine Reize, immerhin schlich sich mit Davy Jones auch der beste Bösewicht der Reihe in einem schauerlichen Moment in die letzten Sekunden des Films. Aktuell deutet allerdings nichts darauf hin, dass Disney diesen Pfad weiterhin verfolgt. Vielmehr stehen die Zeichen auf Soft-Reboot - und das muss nichts Schlechtes sein.

Margot Robbie in Legend of Tarzan

Talentierte Autoren für die Neuausrichtung sind gefunden: Christina Hodson, die den Margot Robbie-Film schreibt, hat im Rahmen von Bumblebee bereits eindrucksvoll bewiesen, wie man den ausufernden Krawallorgien der Transformers-Filme eine deutlich kleinere, aber nicht weniger mitreißende Geschichte entgegensetzt, die selbst verschlissene Autoteile plötzlich so aufregend wie nie erscheinen lässt.

Die Fluch der Karibik-Zukunft sieht vielversprechend aus

Das zweite Fluch der Karibik-Projekt wird derweil von Franchise-Veteran Ted Elliott und Craig Mazin entwickelt, der sich nach diversen Scary Movie- und Hangover-Geschichten mit Chernobyl als Schöpfer einer der größten Serien des letzten Jahres hervorgetan hat und aktuell für HBO an einer Adaption des Videospiels The Last of Us arbeitet. Ob Johnny Depp dabei ist? Dazu existiert bisher keine konkrete Ansage.

Am Ende des Tages ist Fluch der Karibik aber so viel mehr als Johnny Depp, der durchaus als Gesicht des Franchise gewertet werden kann, allerdings auch erst mit den Kinofilmen dazugestoßen ist. Als Marke reicht Fluch der Karibik weit in die Disney-Geschichte zurück. Ursprung ist die Pirates of the Caribbean-Attraktion, die 1967 in Disneyland eröffnet wurde, ehe sie in weitere Freizeitparks des Unternehmens expandierte.

Karen Gillan in Jumanji: The Next Level

Erst in den frühen 1990er Jahren wurde an einer Verfilmung des Stoffs gearbeitet, ehe die Reihe unter der Regie von Gore Verbinski in den 2000ern auf der großen Leinwand ihre Segel setzte. In der Attraktion verstecken sich aber noch einige Figuren, die bisher nie in den Filmen vorkamen, zum Beispiel Red the Redhead, bei der es kürzliche Gerüchte gab, dass sie in einem kommenden Film von Karen Gillan gespielt werden könnte.

Fluch der Karibik ist viel mehr als Jack Sparrow

Abseits davon sind die Sieben Weltmeere reich an Dingen, für deren Entdeckung es Jack Sparrow nicht braucht: Da wären etwa die herrlich übertriebenen Actionszenen, die wahrlich den Geist einer Achterbahnfahrt einfangen, während die Musik eine mindestens genauso aufregende Geschichte erzählt. Dazu kommen abenteuerlichen Schauplätze, unheimliche Fantasy-Kreaturen und eine Schatzsuche inklusive Verrat und Betrug.

Klar, ohne die richtigen Figuren fallen all diese Elemente sehr schnell auseinander, Jack Sparrow konnte sie in jüngerer Vergangenheit aber auch nur bedingt zusammenhalten, während neue Gesichter aufgrund der Formelhaftigkeit ihrer Charaktere in die Ecke gedrängt wurden. Das größte Abenteuer, das die Fluch der Karibik-Reihe in Zukunft zu erzählen hat, ist somit die Suche nach neuen Helden. Margot Robbie und Christina Hodson sind ein vielversprechender Anfang.

Wie wünscht ihr euch in Zukunft von der Fluch der Karibik-Reihe?

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