Frank Darabont: Eine Karriere zwischen The Walking Dead und Stephen King

The Walking Dead/Frank Darabont/The Green Mile
© AMC/Mick Garris Interviews/Warner Bros.
The Walking Dead/Frank Darabont/The Green Mile
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Kann mit dem DCEU so einiges anfangen, aber noch mehr mit David Lynch. Meist im Kino oder beim Essen anzutreffen.

Als Regisseur hat Frank Darabont in seiner langen Karriere erst eine Handvoll Filme gedreht. Trotzdem ist sein Name aus der Filmgeschichte mittlerweile kaum mehr wegzudenken. Dieser Umstand geht vor allem auf sein wohl berühmtestes Werk als Regisseur und Drehbuchautor zurück. 1994 schuf er mit der Stephen King-Adaption Die Verurteilten einen der, in den Augen vieler Filmfans, besten Filme aller Zeiten. Daneben war Darabont mit The Green Mile für eine weitere King-Verfilmung verantwortlich, die für viele Zuschauer und Fans des Schriftstellers zu den besten überhaupt zählt. Außerdem prägte er die Erfolgsserie The Walking Dead ganz entscheidend als anfänglicher Showrunner und Produzent. Zu seinem heutigen 60. Geburtstag blicken wir auf die größten Errungenschaften von Frank Darabont zurück.

Frank Darabonts großer Durchbruch mit Die Verurteilten

1959 wurde Frank Darabont in einem französischen Flüchtlingslager geboren, als seine ungarischen Eltern nach dem Ungarischen Volksaufstand aus dem Land flüchteten. Schnell zog die ganze Familie nach Amerika, wo Darabont im Alter von 5 Jahren in Los Angeles aufwuchs. Hier strebte er schon als Jugendlicher eine Filmkarriere an. Nachdem er 1977 seinen Abschluss von der Hollywood High School erlangte, übte er seinen ersten Beruf in einem Kino in Hollywood aus, wo er an der Snackbar und als Platzanweiser arbeitete. Auch wenn Darabont nie Regie studierte, schaute er in seiner Zeit als Kinomitarbeiter sehr viele Filme gratis, was für ihn eine Art Ersatz der Filmschule darstellte. Eine Parallele, die sich auch bei großen Regisseuren wie Quentin Tarantino finden lässt, der sich sein massives Filmwissen als Mitarbeiter in einer Videothek aneignete.

Erste Schritte in der Filmindustrie konnte Frank Darabont ab 1981 fassen. Von hier an arbeitete er als Produktionsassistent an verschiedenen Filmen mit. Sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor gab er 1983 mit dem 30-minütigen Kurzfilm Vergiftet, der auf einem Roman von Stephen King basiert. Hierdurch entwickelte Darabont eine Freundschaft zu King, die ihm die Rechte für eine Verfilmung der Novelle Rita Hayworth and Shawshank Redemption des Schriftstellers einbrachte. Entstanden ist daraus Die Verurteilten, der 1994 bei seiner Veröffentlichung an den Kinokassen zunächst floppte. Nachdem dieser jedoch für 7 Oscars nominiert wurde und sich ein Jahr später zum am meisten ausgeliehenen Film entwickelte, wurde Die Verurteilten über die weiteren Jahre der Status eines großen Klassikers zuteil. Auch heute noch besetzt die Geschichte rund um eine Freundschaft zwischen zwei Häftlingen, die schlussendlich jede noch so hohe Gefängnismauer zu überstrahlen vermag, den ersten Platz in den Top 250 der IMDb.

Weitere Stephen King-Verfilmungen von Frank Darabont

Im Anschluss an den nachträglichen Erfolg von Die Verurteilten nahm sich Frank Darabont für sein nächstes Werk als Regisseur und Drehbuchautor erneut einem Roman von Stephen King an. Die Überschneidungen zu Die Verurteilten sind in The Green Mile von 1999 unübersehbar, dessen Handlung ebenfalls in einem Gefängnis angesiedelt ist. Diesmal verlagert Darabont das Geschehen nach der Vorlage von King in den Todestrakt, wo ein muskulöser, afroamerikanischer Riese hingerichtet werden soll, der angeblich zwei kleine Mädchen getötet hat, obwohl er eine sanfte Gutmütigkeit ausstrahlt. Inmitten des unbeschreiblichen Alltags im Todestrakt stellt The Green Mile mithilfe von übernatürlichen Elementen eine Untersuchung von tiefster Menschlichkeit in einem Konflikt zwischen Gut und Böse dar, der in einem emotionalen Finale gipfelt, das die wenigsten kalt ließ.

Weitaus stärker im beklemmenden Horror-Universum von Stephen King verortet ist Frank Darabonts 3. Adaption des Schriftstellers Der Nebel. Für die Geschichte rund um den titelgebenden Nebel, der eine Kleinstadt mit unerklärlichen, tödlichen Wesen als eine Art Strafe Gottes zu terrorisieren scheint, ließ sich Frank Darabont laut eines Interviews mit Scraps from the loft von Danny Boyles 28 Days Later zu einer wackeligen Handkameraführung inspirieren. Entgegen des üblichen Perfektionismus, mit dem der Regisseur seine Einstellungen für vorherige Filme komponierte, verlieh er Der Nebel bewusst eine spontanere Unruhe. Diese Unruhe gipfelt schließlich in einem längst berüchtigt gewordenen, im Vergleich zur Romanvorlage noch niederschmetternderem Ende, das nichts als pessimistisches Grauen hinterlässt.

Frank Darabont als wesentlicher Mitbegründer von The Walking Dead als Serie

Beinahe 10 Jahre ist es mittlerweile her, dass erstmals die Ankündigung im Internet die Runde machte, die Comic-Reihe The Walking Dead von Robert Kirkman würde zu einer TV-Serie adaptiert. Mittlerweile ist The Walking Dead beim US-Sender AMC über bislang 9 Staffeln hinweg zu einer der beliebtesten Serien der Gegenwart geworden. Wesentlich mitbegründet in ihrer anfänglichen Ausrichtung wurde sie dabei von Frank Darabont, der als Showrunner, Autor sowie Regisseur von Folge 1 der ersten Staffel fungierte.

Viele Jahre später hat das Verhältnis zwischen Darabont und The Walking Dead überaus unschöne Ausmaße angenommen. In jüngster Vergangenheit betrafen die Meldungen rund um den Regisseur ausschließlich dessen Ausstieg bei der Serie nach Staffel 1 sowie einen langen Rechtsstreit zwischen Darabont und AMC, der wüste Beschimpfungen in E-Mails sowie Klagen in Millionenhöhe umfasste. Fast wirkt es so, als habe ihm dieser Rechtsstreit als Regisseur und Drehbuchautor wertvolle Kräfte geraubt.

Bis auf die Crime-Serie Mob City, die nach einer Staffel bereits wieder abgesetzt wurde, ist es um Darabont als Filmemacher oder Drehbuchautor in den letzten Jahren still geworden. Auch zukünftige Projekte sind momentan nicht angekündigt. Dabei gäbe es für ihn kaum einen besseren Zeitpunkt als jetzt, wo Stephen King den Mainstream als Horrorautor sowie Vorbild neuer Adaptionen wieder dominiert, um sich erneut zurück auf den Regiestuhl zu begeben. Mit diesem optimistischen Gedanken wünschen wir Frank Darabont zum 60. Geburtstag heute alles Gute.

Wünscht ihr euch auch eine baldige Rückkehr von Frank Darabont?

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