Gratis-Alternative zu Netflix, Amazon und Co.: Wir testen Popcorntimes

Popcorntimes will die Konkurrenz u. a. mit Abraham Lincoln vs. Zombies aufmischen.
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Popcorntimes will die Konkurrenz u. a. mit Abraham Lincoln vs. Zombies aufmischen.
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Volontär bei Moviepilot, der langsam eine kleine Superheldenmüdigkeit empfindet, japanisches Kino viel zu toll findet und sich zu Serien manchmal zwingen muss, dafür aber jede freie Sekunde mit Filmen verbringt.

Der Streaming-Goldrausch ist noch lange nicht vorüber, ganz im Gegenteil: Der Markt wächst und wächst. Das nächste Großereignis der am 24. März stattfindende Start von Disney+, das gegen Netflix, Amazon Prime, Sky und Konsorten auf dem deutschen Markt zu Felde ziehen wird.

Doch auch im Kleinen tut sich viel. So ist nun der deutsche Streamingservice Popcorntimes.tv an den Start gegangen. Das Versprechen: Zum Start gut 1000 Filme von 1910 bis heute. Und das dank Werbefinanzierung zum absoluten Nulltarif. Aktuell richtet sich das Angebot an Deutschland, Österreich und die Schweiz, doch Expansionspläne werden schon geschmiedet.

Die Auswahl bei Popcorntimes: Kein Netflix oder Amazon

Das Wichtigste zuerst: Was genau lässt sich auf Popcorntimes sehen? Rasch fällt auf, dass der Fokus klar auf Frühwerken der Filmgeschichte liegt. Der Grund liegt auf der Hand: Die sind zumeist rechtefrei.

Entsprechend gibt es eine passable Auswahl an Stummfilmklassikern von Buster Keaton über Charlie Chaplin bis hin zu Ben Turpin. Wer Streifen wie Der große Eisenbahnraub, Tumbleweeds, den Ur-Jurassic Park Die verlorene Welt oder etwa Douglas Fairbanks ersten Tonfilm Der Mann mit der eisernen Maske noch nachholen will, kriegt die betagten Schwarz-Weiß-Hits hier mit nur einem Klick zum Laufen.

Nach oben hin dünnt sich die Auswahl aber merklich aus: Ein paar moderate Klassiker aus den 40ern, eine Handvoll Western aus den 60ern, ein bisschen Alfred Hitchcock, sympathische B-Science-Fiction wie Notlandung im Weltraum, etwas Jackie Chan sowie einige verschrobenere Filme aus den 80ern und 90ern. Ein paar Hochkaräter sind bei alledem dabei.

Wenn es dann in die 2000er geht, finden sich nur noch ein wenige Produktionen, überwiegend aus den hinteren Qualitäts- und Bekanntheits-Rängen. Positiv kann aber vermerkt werden, dass viele der Filme auf anderen kostenpflichtigen Streamingportalen nicht verfügbar sind.

Qualität und Bedienung von Popcorntimes

Ein Service-Manko fällt direkt ins Auge: Es gibt keine Suchfunktion. Zur Verfügung stehen nur die Kategorien "Top Filme", "Neu im Programm" und "Genres". Hier lässt die Benutzerfreundlichkeit leider arg zu wünschen übrig.

Wer auf "Spannende Action-Filme" klickt, dem wird eine bunte Mischung angeboten, aber kaum etwas, das mit dem Action-Label assoziierbar ist. Zudem fällt das Angebot bei zum Beispiel "Comedy" sehr ähnlich aus - hier wird gefühlt sogar mehr Action gelistet als bei "Action" selbst. Andere Genres wie "Bollywood" führen dann wiederum nur einen einzigen Film und wer unter "Sport" stöbert, stößt gar auf eine höchst irritierende Auswahl.

Ein weiterer Dämpfer: Die Filme liegen ausschließlich in der deutschen Synchronfassung vor. Wer Wert auf Originalton legt, ist bei Popcorntimes definitiv an der falschen Adresse. Auch sind einige Angaben schlicht nicht korrekt: Diverse Filme über (aber nicht mit) Bruce Lee werden etwa fälschlicherweise dem Jahr 1976 zugeordnet, obwohl sie jüngeren Datums sind.

(K)eine Fundgrube für Stummfilmfreunde

Popcorntimes betitelt sich selbst als "Filmarchiv, welches Filmproduzenten und Filmverleihern bei der Digitalisierung, Monetarisierung und Erhaltung von älteren Filmwerken unterstützt."

Angesichts dessen verwundert es jedoch, dass ein Stummfilmklassiker wie etwa 20.000 Meilen unter dem Meer nur in einer nachsynchronisierten und geschnittenen Fassung vorliegt. Darüber hinaus ist die Auswahl auch in Sachen Stummfilm weit entfernt davon, wirklich groß zu sein und enthält bisher auch noch nichts, was als schwer erhältlich einzustufen ist.

Grundsätzlich kommt das Portal bis dato noch lange nicht auf die versprochenen 1000 Filme und Dokumentationen - oder sie sind im konfusen Kategoriensystem der Seite so gut versteckt, dass man sie schlichtweg nicht aufspüren kann.

Unser Fazit zum kostenlosen Streamingdienst Popcorntimes

Bisher ist Popcorntimes noch eine zwiespältige Angelegenheit. Wer einfach mal schauen möchte, welche Stummfilmklassiker dort einer Sichtung harren, kann problemlos einen Blick riskieren, wenn auch die Auswahl nicht unbedingt imponiert. Auch sonst gibt's ein paar spannende Titel, obschon das Meiste dann doch von der Restrampe der Filmgeschichte entnommen wurde. Der Seite gereicht aber zum Vorteil, dass sie sich allein durch Werbeeinnahmen finanziert, aber davon abgesehen wird, die Filme durch Werbevideos zu zerstückeln. Der Filmgenuss geschieht unterbrechungsfrei.

Die Zeit wird zeigen, ob sich Popcorntimes mausern wird, die Seite vernünftig optimiert und das Angebot regelmäßig aufstockt, um dem eigenen Anspruch schließlich gerecht zu werden. Bisher haben andere Gratis-Konkurrenten wie netzkino.de aber die Nase vorn und es gibt kaum Gründe für einen regelmäßigen Besuch der Seite.

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Wollt ihr Popcorntimes zum Stöbern einen Besuch abstatten?

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