Gruselig oder grausig?

Gute deutsche Horrorfilme sind ein Mythos

Allein auf weiter Flur: Der deutsche Zombiefilm Rammbock
© EastWest Distribution
Allein auf weiter Flur: Der deutsche Zombiefilm Rammbock

Die deutsche Filmlandschaft ist nicht gerade bekannt für ein vorzeigbares Horrorgenre. In historischer Hinsicht und im Amateurbereich werden wir hierzulande zwar fündig, aber wenn es um fachmännische Hausmannskost in Sachen Horror geht, herrscht seit jeher gähnende Leere in der Bundesrepublik. Anlässlich des heutigen Kinostarts von Rammbock lohnt ein Blick auf den deutschen Horrorfilm.

Viele von Euch werden sicherlich eine geringschätzige Meinung vom deutschen Horrorfilm haben – und das nicht einmal zu Unrecht. Blicken wir aber einmal in der Filmgeschichte zurück, dann entdecken wir einige Meilensteine, die das Genre nachhaltig geprägt haben. Was wäre beispielsweise das Monstergenre ohne den Meilenstein Der Golem von Paul Wegener und Carl Boese? Auch der Urvater aller Vampire, die klassische Romanfigur Dracula, erfuhr ihren ersten Auftritt in dem deutschen Stummfilmklassiker Nosferatu, eine Symphonie des Grauens von F.W. Murnau, der nicht nur als historisches Dokument gesehen werden darf, sondern bis heute von seiner Wirkung nichts (oder nur wenig) eingebüßt hat. In dieser Reihe darf natürlich auch Robert Wiene nicht fehlen, der mit Das Cabinet des Dr. Caligari ein expressionistisches Meisterwerk schuf, das vielen Filmemacher (wie Terry Gilliam) auch heute noch als Vorbild dient.

Nachdem der Däne Carl Theodor Dreyer mit seinem in Deutschland produzierten Film Vampyr – Der Traum des Allan Grey für einen weiteren Meilenstein des Horrorgenre sorgte, gingen den Filmemachern hierzulande anscheinend die Ideen aus, denn seitdem liegt der deutsche Horrorfilm bis auf wenige Ausnahmen weitgehend brach. Klägliche Versuche wechselten sich ab mit grausigen Projekten, der Horrorfilm fand nur noch in miesen B-Movies statt. Titel wie Der Fluch der grünen Augen, Im Schloss der blutigen Begierde oder Magdalena – Vom Teufel besessen beherrschten die deutsche Horrorlandschaft. Für einen Lichtblick sorgte erst wieder Werner Herzog, der sich ironischerweise dem Klassiker schlechthin annahm und mit Klaus Kinski als Nosferatu – Phantom der Nacht eine gefeierte Hommage hinlegte. In diese Zeit fallen auch die achtbaren Versuche von Helmut Käutner mit Mulligans Rückkehr und Dominik Graf mit Das zweite Gesicht, die ebenso wie Ulli Lommel s schwuler Vampir-Massenmörder-Film Die Zärtlichkeit der Wölfe die Kritiker auf durchaus originelle Weise überzeugen konnten.

Seither suchen wir im deutschen Horrorfilm vergeblich nach Originalität, Meilensteine des Genre finden sich nicht mehr. Zum Jahrhundertwechsel sorgte eine neue Welle von deutscher Genrekost in den Kinos für Abwechslung. Mit den Krankenhaus-Schockern Anatomie und Anatomie 2, dem Werwolf-Thriller Sieben Monde sowie den Serienkiller-Variationen Antikörper und Tattoo bekam das deutsche Publikum zwar ungewöhnliche Geschichten aus dem eigenen Land serviert, aber einen fiesen Beigeschmack hatten die Filme alle, bedienten sie sich doch offensichtlich allesamt bei zuvor erfolgreichen Genre-Vorbildern aus den USA. In eine ähnliche Richtung schlägt die Slasherwelle, die nach dem Erfolg von Scream – Schrei! auch hierzulande aufgegriffen wurde und vor allem in der TV-Landschaft ihren Niederschlag fand. Unter diese Sparte fallen Filme wie Swimming Pool – Der Tod feiert mit, Flashback – Mörderische Ferien, School’s out I – Schrei, denn ich werde dich töten oder Slasher, von denen keiner mit originellen Inszenierungen oder besonderen Überraschungen aufwarten konnte.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Für willkommene Abwechslungen sorgten unter anderem sowohl Christoph Gampl mit seinem Latino-Splatter-Erotik-Trash-Movie Antrage – Der Ameisenmann, der auf dem Fantasy Filmfest hervorragend aufgenommen wurde, als auch Andreas Marschall mit seinem Spielfilmdebüt Tears of Kali, der von der Kritik zwar mit gemischten Reaktionen bedacht wurde, aber allgemein als gelungene und originelle Reminiszenz auf die Klassiker des Horror- und Splatterkinos gesehen wird. Natürlich ist die deutsche Filmlandschaft auch abseits von Festivals, Film und Fernsehen für seine Horrorszene berüchtigt. (Ehemalige) Amateurfilmer wie Olaf Ittenbach und Jörg Buttgereit haben mit ihren Gore- und Splatterorgien bereits eine große Fangemeinde um sich versammeln können.

Ab heute könnt ihr euch dann überzeugen, ob Rammbock es schafft, den deutschen Zombiefilm auch in den Kinos populär zu machen. Die ersten Kritikerstimmen lassen zumindest hoffen. Wo ihr den Film sehen könnt, erfahrt ihr wie immer in unserem Kinoprogramm.

Was haltet ihr vom deutschen Horrorgenre und wie seht ihr seine Zukunft? Habt ihr bestimmte Lieblingsfilme, oder zieht ihr die internationale Konkurrenz vor?

Alles, was das schwarze Horrorherz begehrt, gibt es in unserem Horror-Club – exklusiv bei moviepilot!

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