Hellboy - Warum das Reboot zum Scheitern verurteilt war

Hellboy - Call of Darkness
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Moviepilot Team
MrDepad Patrick Reinbott
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Kann mit dem DCEU so einiges anfangen, aber noch mehr mit David Lynch. Meist im Kino oder beim Essen anzutreffen.

Über das Startwochenende hat Hellboy - Call of Darkness in den USA lediglich 12 Millionen Dollar eingespielt. In Deutschland lockte der Film am ersten Wochenende auch nur 54.000 Menschen ins Kino. Für das rund 50 Millionen Dollar teure Reboot von Neil Marshall ein enttäuschendes Ergebnis, durch das die Comic-Verfilmung schon jetzt als potenzieller -Mega-Flop gilt.

Eine Überraschung ist diese Entwicklung jedoch nicht. Mehrere Aspekte sprachen schon vor der Veröffentlichung des Films dafür, dass der Film ein Flop mit Ansage wird. Wir gehen für euch näher auf die einzelnen Aspekte des Scheiterns von Hellboy ein.

  • Die Fan-Lieblinge sind für das Hellboy-Reboot nicht zurückgekehrt.
  • Das Marketing für Hellboy war schlecht durchdacht.
  • Die Kritiken zum Film sind überwiegend vernichtend.
  • Die Produktionsgeschichte enthüllt ein großes Chaos hinter den Kulissen.

Guillermo del Toro und Ron Perlman sind beim Hellboy-Reboot nicht an Bord

Bereits 2004 und 2008 brachte Guillermo del Toro mit Hellboy und Hellboy II - Die goldene Armee zwei Comic-Verfilmungen rund um den teufelsähnlichen Dämon mit den abgeschliffenen Hörnern ins Kino. Von Zuschauern und Kritikern wurden die beiden Filme mit Ron Perlman in der Titelrolle sehr gut angenommen. Das gemeinsame Einspielergebnis von Hellboy und Hellboy II ist mit 260 Millionen Dollar nicht berauschend, aber zufriedenstellend.

Viel wichtiger ist aber die Reputation, die sich del Toro und Perlman mit den Filmen erarbeitet haben. Während der mexikanische Regisseur seine gewohnte Vorliebe für makabere Wesen mit viel Hingabe zu den Details der Comic-Vorlagen verknüpfte, passte Perlman in die Hauptrolle wie die Faust aufs Auge. Zusammen wuchsen Guillermo del Toro und Ron Perlman schnell zu dem Team zusammen, das von Fans bis heute als erstes mit den Hellboy-Verfilmungen in Verbindung gebracht wird.

Lange Zeit sah es so aus, als würde del Toro selbst einen 3. Teil inszenieren. Auch Perlman sprach sich immer wieder deutlich dafür aus, dass er zurückkehren wolle. Nach mehrfachem Hin und Her erklärte der Regisseur die Fortsetzung Anfang 2017 allerdings offiziell für tot. Wenige Monate später wurde dann verkündet, dass Neil Marshall der neue Regisseur für Teil 3 zusammen mit David Harbour als neuer Hellboy-Darsteller werden würde. Angekündigt wurde der Film von Hellboy-Schöpfer Mike Mignola als hartes R-Rated-Reboot.

Sonderlich in Begeisterung versetzte diese Ankündigung aber niemanden. Manche waren gespannt, ob das Reboot wieder stärker an Mignolas Comic-Wurzeln anknüpfen würde. Ein Großteil der Reaktionen beklagte dagegen umgehend den Verlust von Guillermo del Toro und Ron Perlman. Der neue Hellboy hatte damit von vornherein einen schwierigen Stand, dem die Beteiligten erst einmal etwas entgegensetzen mussten.

Das Marketing zu Hellboy schwankt zwischen planlos und nicht existent

Das Marketing zu Hellboy fiel eher spärlich aus. Als im November 2018 ein eher unspektakuläres neues Bild mit Hauptdarsteller David Harbour veröffentlicht wurde, betonte Neil Marshall im dazugehörigen Empire-Interview noch einmal die höhere Altersfreigabe des Reboots. Ihm sei es vor allem wichtig gewesen, dass ihm für ein R-Rating keine Handschellen angelegt wurden.

Mitte Dezember wurde dann der erste Trailer zu Hellboy veröffentlicht, der Fans frustrierte. Von den vielen Versprechen eines düsteren, blutigen Reboots waren im Trailer nur Ansätze zu erahnen. Stattdessen überraschte der auffällige Anteil an Humor, durch den dem Film von vielen Seiten eine erzwungene Nähe zu familienfreundlicheren Filmen wie etwa aus dem MCU vorgeworfen wurde.

Im März 2019 landete dann ein zweiter Hellboy-Trailer im Netz, der wiederum wie eine eilige Kurskorrektur wirkte. Der Humor war in den gezeigten Szenen spürbar reduziert, während das neue Bewegtbildmaterial stellenweise einem regelrechten Blutbad entsprach. Das vermehrte Zeigen besonders brutaler Szenen wirkte hierbei bereits wie ein verzweifelter Reflex, um den planlos vermarkteten Hellboy noch irgendwie an ein, milde ausgedrückt, skeptisches Publikum bringen zu können.

Die ersten Kritiken zum Hellboy-Reboot fielen vernichtend aus

Nachdem die schwache Promo-Phase zu Hellboy die Meinungen der Zuschauer bereits massiv spaltete, ließen die veröffentlichten Kritiken am Tag des deutschen Kinostarts endgültig sämtliche Alarmglocken läuten. Erste Meinungen warfen dem Film miserable CGI-Effekte, schlechte Dialoge, tumb abgespulte Gewalt und ein komplettes Fehlen des menschlichen Kerns von Mike Mignolas Comics vor.

Aktuell hat Hellboy bei Rotten Tomatoes einen sehr niedrigen Score von nur 15 Prozent. Die Moviepilot-Community hat den Film mit einer Durchschnittswertung von 5,4 bisher ebenfalls sehr mäßig beurteilt. Für die Mehrheit steht jedoch auch hier fest, dass bei dem Reboot offensichtlich irgendwas sehr falsch gelaufen sein muss. Ein Eindruck, der vergangene Woche durch einen neuen Bericht Klarheit erhielt.

Die Produktion des Hellboy-Reboots war ein einziges Chaos

Ein exklusiver Bericht von The Wrap enthüllte vor Kurzem, dass die Dreharbeiten zu Hellboy nach und nach im Chaos versunken sind. Begonnen haben sollen die Probleme, als die Produzenten Neil Marshalls Stamm-Kameramann Sam McCurdy feuerten. Als Grund nannten Quellen, dass er schlichtweg das gefilmt haben soll, was Marshall von ihm verlangte.

Die Produzenten wollten damit offenbar ein Zeichen setzen, dass nicht Marshall, sondern sie das Sagen über die Produktion hätten. Ein Anwalt von einem der Produzenten legte gegen diese Darstellung bereits Einspruch ein, während Marshall selbst jeglichen Kommentar zur Situation verweigerte. Die Dynamik zwischen dem Regisseur und anderen Beteiligten am Set sollen laut Aussagen mehrerer Zeugen jedoch maßgeblich dazu geführt haben, dass die Dreharbeiten in ein Chaos ausarteten.

So soll Hauptdarsteller David Harbour beispielsweise mehrfach das Set verlassen haben, da ihm die Anweisungen von Marshall missfielen. Die Situation soll dazu geführt haben, dass Harbour und sein Co-Star Ian McShane einzelne Szenen des Drehbuchs am Set selbst umgeschrieben haben. Auch hier wehrte sich der Anwalt gegen die angebrachten Vorwürfe, die wiederholte Streitvorfälle am Set beschreiben. Bei einem davon haben sich Marshall und Produzent Lloyd Levin angeblich gar um die Symmetrie eines Baumes gestritten.

Als der Regisseur schließlich seine erste Schnittfassung von Hellboy beim Studio einreichte, sollen die Produzenten endgültig das Steuer übernommen haben. Ohne das Recht auf einen Final Cut wurde die letztendliche Kinofassung des Reboots vollständig ohne die Anwesenheit von Marshall angefertigt. Ein Umstand, der dem Film in beinahe jeder Szene aufgrund von sprunghaften Übergängen und abrupten Wechseln in der Tonart anzusehen ist.

So dürfte es auch niemanden verwundern, dass Neil Marshall während der gesamten Presse-Tour zu Hellboy mit Abwesenheit glänzte. Das Reboot ist schlussendlich ein missglücktes Werk geworden, das schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Herausgekommen ist eine bizarr zusammengeflickte Frankenstein-Kreation, die an ähnlich missratene Studio-Auswüchse wie zuletzt Suicide Squad oder Justice League erinnert. Hellboy ist ein Film, der die meiste Zeit über gegen seinen eigenen unausstehlichen Zwillingsbruder in Form eines ganz anderen Films kämpfen muss und dabei den Kürzeren zieht.

Was sagt ihr zu den Faktoren des Scheiterns des Hellboy-Reboots?

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