Herz für Klassiker

Ich, Kuck mal, wer da spricht & die frühen 1990er

Kuck mal, wer da spricht
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Kuck mal, wer da spricht
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Zugegeben, als die Komödie 1989 heraus kam, war ich nur wenige Wochen alt. Allerdings habe ich große Geschwister, da wurde natürlich der ein oder andere Film auf Videokassette gekauft und immer und immer wieder geguckt. Wir Kinder vom Dorf haben natürlich auch draußen gespielt, aber wenn wir einmal einen Film so wirklich toll fanden, wollten wir ihn jahrelang immer und immer wieder sehen. So wuchs die kleine Kerstin quasi mit John Travolta und Kirstie Alley in Kuck mal, wer da spricht auf - und bekam gleichzeitig auch eine Mini-Aufklärungsstunde.

Schuld daran ist die Anfangssequenz, in der ich die winzigen Spermien zu einem Beach Boys-Song auf ihren Weg zur Ei-Zelle begleite. Der Zuschauer darf sogar in den Genuss der Kommentare der Spermien kommen. Die Befruchtung glückt. Buchhalterin Mollie (Alley) wird schwanger. Dumm nur, dass sie und ihre Affäre Albert (George Segal) es gar nicht auf Nachwuchs angelegt haben. Die New Yorkerin entscheidet sich, das Kind zu behalten und erzählt allen, dass sie sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen hat. Doch dann erwischt Mollie Albert mit einer anderen in flagranti, der Schock löst sogar die Wehen aus. Taxifahrer James (Travolta) fährt sie ins Krankenhaus, und die irre Liebeskomödie nimmt ihren Lauf...

Warum ich Kuck mal, wer da spricht mein Herz schenke:

Kuck mal, wer da spricht hat einen Twist: Da die Spermien bereits sprachen, hat natürlich auch Baby Mikey eine Stimme. Die Sprecher hätten nicht besser gewählt werden können: Im englischen Original leiht Bruce Willis - ja, der aus Stirb langsam! - dem Kind seine Stimme. In Deutschland durfte Quasselstrippe Thomas Gottschalk die Baby-Gedanken vertonen. Man muss wohl kein Einstein sein, um sich vorzustellen, wie ich und meine Geschwister, sich beömmelt haben. Auch deshalb wird mir die Stimme Gottschalks trotz einiger schlimmer Shows und Fehlgriffe (Supertalent-Jury, seriously?) wohl nie auf die Nerven gehen. Als ich dann langsam älter wurde, habe ich das englische Original gesehen, welches den Film noch einmal auf eine ganz andere Ebene katapultiert. Wenn es falsch ist, die Stimme von Bruce Willis zu lieben, dann möchte ich nie Recht haben.

Warum auch andere Kuck mal, wer da spricht lieben werden:

Wer nicht glauben kann, dass John Travolta wirklich als Objekt der Begierde in einem Film funktionieren kann, sollte unbedingt Kuck mal, wer da spricht gucken. Die Chemie zwischen Kirstie Alley und John Travolta stimmt einfach. Ganz langsam nähert sich Taxifahrer James an Mollie an - immer noch im Glauben, dass sie eine künstliche Befruchtung hinter sich hat. Erst ist er Chauffeur, dann Baby-Sitter und Vertrauter und schließlich sprühen auch die Funken zwischen den beiden. Love is in the damn air!


Ein weiterer Pluspunkt dieses Films ist außerdem die Figur Mollie. Die New Yorkerin ist stolz auf ihren Beruf als Buchhalterin und möchte sich nicht von einem Mann abhängig machen. In der Affäre mit Albert verliert sie sich kurzzeitig. Dass sein Charakter alles andere als herzlich ist, zeigen Kommentare wie "Nimm bloß nicht zu viel zu". Seine Sicht auf Frauen ("Ich hoffe, er hat dein süßes Gesicht und meinen Sinn für Geschäfte") ist mehr als grenzwertig. Die Geburt ihres Kindes öffnet Mollie die Augen. Die Sorgen und Ängste ("Was denken wohl die anderen über mich?"), die Mollie hinter ihrer harten Schale hat, sind universal und lassen sich wohl auf fast jeden Zuschauer übertragen. Am Ende siegt die Liebe und nicht das Geld. Ab und an ist dieser Gedanke doch mal ganz schön.

Warum Kuck mal, wer da spricht die Jahrzehnte überdauern wird:

Die Musik, die Kleidung, die alte Technologie, ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Auf dem Soundtrack finden sich Evergreens wie "Walking on Sunshine" von Katrina & The Waves und "Stayin' Alive" von den Bee Gees. Bei jedem erneuten Schauen findet ihr außerdem neue lustige 1980er Jahre Fashion-Fauxpas. Da sind Schulterpolster noch das kleinste Problem...


Was noch zählt: Der Film hat eine ganz bestimmte Generation von Kindern in den 1990er Jahren geprägt und wird deshalb immer den gewissen Nostalgie-Faktor haben. Außerdem gibt es keinen anderen Film, in dem Kinder so herrlich ungeniert sprechen können, außer natürlich in Kuck' mal, wer da spricht 2. Eines ist sicher: Den Streifen zeige ich irgendwann auch mal meinen eigenen Kindern. Dank der Aufklärungsstunde durch Regisseurin Amy Heckerling weiß ich ja, wie die zu Stande kommen...

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