Porträt

Justin Lin - Fast & Furious auf dem Weg nach oben

Justin Lin am Set von Finishing the Game
© Trailing Johnson Productions
Justin Lin am Set von Finishing the Game

Morgen startet Fast & Furious Five in den deutschen Kinos und das dem so ist, liegt zu einem nicht geringen Teil an einem Mann namens Justin Lin. Der mag euch vielleicht nicht sofort ein Begriff sein. Justin Lin ist kein Regisseur, der mit seinem Können prahlt. Aber er ist ein kompetenter Filmemacher, gerade wenn es um die Inszenierung von Actionszenen geht und genau die zählen beim in Autos verliebten Franchise mit Paul Walker und Vin Diesel. Justin Lin übernahm in The Fast and the Furious: Tokyo Drift die Regie der Reihe und hat seitdem alle weiteren Filme inszeniert. Doch der Mann, der so gerne Autos in einander rasen lässt, hat weitaus mehr zu bieten.

Ein Indie-Regisseur mit Agenda
Seine Karriere begann Justin Lin, anders als viele Kollegen, die derzeit im Actiongenre unterwegs sind, nicht mit Musikvideos. Stattdessen genoss der in Tapei geborene Lin eine klassische Ausbildung an der UCLA Film School. Mit seinen ersten Regie-Arbeiten gab Justin Lin das Thema vor, welches seine weitere Laufbahn bestimmen sollte: den Kampf gegen die Stereotypen von Asiaten in Hollywood-Produktionen. Sein Solo-Debüt Better Luck Tomorrow erzählt von fünf High School-Schülern, die das Klischee der ehrgeizigen Asiaten vollends zu erfüllen scheinen. Doch genau diese Annahme erweist sich im Verlauf des beim Sundance Filmfestival gezeigten Films als falsch. Denn die drei sind von ihrem Leben gelangweilt und bringen durch Verbrechen ein bisschen Spannung in den Alltag, was fatale Folgen hat.

Better Luck Tomorrow wurde von den Kritikern gefeiert und Justin Lin verwandelte sich in die Speerspitze der asiatisch-amerikanischen Community in den USA, wenn es um Film geht. Denn asiatische Figuren sind in Hollywood-Filmen seit Jahrzehnten von extrem einseitiger Natur. Da ist die verführerische Frau, die den Mann aus dem Westen mit Hilfe ihrer Exotik um den Finger wickelt oder eben die Streberin. Asiatische Männer kommen nicht viel besser weg. So werden sie häufig als extrem nerdig porträtiert, wenn sie denn nicht asexuelle Martial Arts-Kämpfer sind. So wurde das geplante Ende von Romeo Must Die, in dem Jet Li seine Leinwandpartnerin Aaliyah küssen sollte, nach Testscreenings geändert. Was am Ende bleibt ist eine züchtige Umarmung. In Hauptrollen, die nichts mit Martial Arts zu tun haben, kommen asiatische Männer in Hollywood-Filmen so gut wie gar nicht vor. Erst seit ein paar Jahren gibt es mit Ausnahmen wie John Cho ein klein wenig Hoffnung auf eine Trendwende.

Retter eines Franchises
Justin Lin wartet nicht darauf, dass Hollywood etwas tut. Nach seinem Erfolg mit Better Luck Tomorrow drehte er den auf DVD zum Hit mutierenden Annapolis – Kampf um Anerkennung und dann kam The Fast and the Furious: Tokyo Drift. In dem spielt Sung Kang eine der Hauptrollen. Dessen Figur heißt Han Lue. Warum ich darauf verweise? Weil Sung Kang in Better Luck Tomorrow dieselbe Figur gespielt hat. Han Lue, der coole, extrem maskuline Drifting-Experte, ist der Beweis dafür, dass Justin Lin die Agenda vom Beginn seiner Karriere nicht vergessen hat. Vielleicht kommt der neue Fast & Furious Five deswegen als ein Multikulti-Heist-Movie daher, in dem der asiatische Raser sogar eine der heißen Ladies des Franchises abschleppen darf. Für Leute, die auf die Stereotypisierung von Asiaten nicht achten, mag das nichts besonderes sein. Seid ihr aber erst einmal gegenüber dem Thema sensibilisiert, erscheint die Figur des Han Lue wie ein Quantensprung, der nach hundert Jahren Filmgeschichte eigentlich nicht mehr nötig sein sollte.

Doch zurück zu den wichtigen Dingen: die Action. Justin Lin mag kein geborener Actionfilm-Regisseur sein, auch wenn er mit Finishing The Game eine Hommage an Bruce Lee, den Helden der asiatisch-amerikanischen Community, gedreht hat. Aber mittlerweile ist er ein richtig guter geworden. Drohten in The Fast and the Furious: Tokyo Drift noch die flachen Figuren und endlosen Drifting-Szenen mit Langeweile beantwortet zu werden, hat sich Justin Lin seitdem deutlich gesteigert. Sein neuester Streich Fast & Furious Five bietet Actionsequenzen, die alles toppen, was die Serie bisher zu bieten hat. Kein Wunder, dass Lin für die Regie von Highlander und Terminator 5: Genisys gehandelt wird. Eine Franchise hat er mit Tokyo Drift immerhin schon gerettet. Schließlich fuhr er den dritten Teil ohne große Stars über die Ziellinie, um eben jene beim vierten wieder mit an Bord zu haben.

Es bleibt abzuwarten, wie sich Justin Lins Karriere in Zukunft entwickeln wird. Mit großen Budgets kennt er sich nach seinen Indie-Anfängen aus. Einen eigenen Stil abseits der geradezu altmodisch übersichtlich wirkenden Actionszenen hat er in seinen Blockbustern jedoch nicht entwickelt. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Justin Lin Herzensprojekte mit noch größeren Franchises kombinieren wird oder ob Hollywood ihn endgültig verschlingt. Vorerst sollten wir uns freuen, dass da einer am Werk ist, der sein Handwerk versteht, ohne seine Ideale auf der Strecke gelassen zu haben.

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei moviepilot.de, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.
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