Love, Death & Robots Staffel 3: Eine Folge ist ein Horror-Meisterwerk – den Rest könnt ihr vergessen

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Love, Death & Robots Staffel 3: Schlechte Reise von David Fincher
25.05.2022 - 15:00 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Selbst wer um Netflix' Love, Death & Robots normalerweise einen Bogen macht, sollte in Staffel 3 zumindest eine Episode schauen. Denn diese überstrahlt den Rest als tiefgehender Horror-Trip, der seinesgleichen sucht.

Wenn eine neue Staffel Love, Death & Robots zu Netflix kommt, ist das jedes Mal, als würden wir die Katze im Sack kaufen (oder streamen): Denn unter den animierten Kurzfilmen aus dem Sci-Fi-, Horror- und Fantasy-Genre ist immer mindestens eine Episode, die sich als ärgerlich vergeudete Lebenszeit entpuppt (und seien es auch nur wenige Minuten).

Aber es gibt eben immer auch eine Folge, die aus allen anderen heraussticht und einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Staffel 3 von Love, Death & Robots bildet da keine Ausnahme. Selbst wenn ihr die Netflix-Serie gar nicht schaut, solltet ihr Schlechte Reise (Bad Travelling) unbedingt als spannungsgeladene Survival-Horror-Exkursion mitnehmen.

David Fincher glänzt in der besten Love, Death & Robots-Folge mit abgründigem Hochsee-Horror

In der 3. Staffel Love, Death & Robots hat Meisterregisseur David Fincher (Fight Club, Sieben), der langjähriger Produzent der Serie ist, erstmals auch eine Folge selbst inszeniert. Seine Serienausflüge waren mit den ersten zwei Folgen House of Cards sowie den sieben Episoden von Mindhunter bislang überschaubar. Doch das Warten auf seinen düsteren Animations-Trip hat sich gelohnt.

Love, Death & Robots -S03 Trailer 2 (English) HD
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In Finchers Staffel 3-Beitrag zu Love, Death & Robots entfaltet sich ein packender 20-Minuten-Thriller auf dem Ozean: Ein gewaltiges Krabben-ähnliches Monstrum kommt an Bord eines Haifängers und ermordet den Großteil der Crew, bevor die Überlebenden es im Unterdeck einsperren können. Der Navigator des Schiffs wird hinabgeschickt, um mit der Horrorkreatur zu verhandeln. Das menschenfressende Schalentier verlangt, auf eine nahe Insel gebracht zu werden. Doch kann die Besatzung es zugunsten des eigenen Überlebens auf zahllose Unschuldige entfesseln? Das moralische Dilemma zieht tiefe Gräben zwischen den Matrosen.

Schlechte Reise: Was die Horror-Folge in Staffel 3 über den Rest der Love, Death & Robot-Episoden erhebt

So manchen Love, Death & Robots-Folgen bei Netflix haftet der bittere Beigeschmack an, dass dort ein blutiges Spektakel nur wegen der brutalen Schauwerte veranstaltet wird. Folge 5 von Staffel 3 (Tötet es, Team!) zeigt das mit seinem Cyborg-Bären-Gemetzel auf unschönste Weise. Selbst Jibaro (Folge 9) zieht seine Faszination fast ausschließlich aus dem visuellen Reiz des Kampfes einer Sirene und eines Ritter. Bei Masons Ratten (Folge 7) hingegen wirkt die moralische Umkehr des Ungeziefer-hassenden Bauern am Ende nach dem ganzen Blutbad eher unmotiviert. Schlechte Reise hingegen schafft es, innerhalb kürzester Zeit seine grausig mordende Bedrohung in den Dienst der Erzählung zu stellen.

Love, Death & Robots Staffel 3, Folge 2: Schlechte Reise

Anders als in Folge 1 (Drei Roboter: Rückzugsstrategien) oder Folge 4 (Die Nacht der winzigen Toten) ist es hier keine weltweite Apokalypse, sondern ein Untergang im Kleinen. Gerade der begrenzte Raum des Schiffes macht das Hochsee-Kammerspiel intensiv erfahrbar. Damit hat David Fincher seit Panic Room Erfahrung. Zwischen Meuterei und Los-Entscheidungen zur nächsten Monster-Mahlzeit kommen wir nicht um die Frage herum, wie wir selbst an Bord handeln würden.

Vor einem ähnlichen Dilemma (Selbstschutz vs. Allgemeinheit) stehen auch die Soldaten in Folge 8 von Love, Death and Robots (Begraben im Gewölbe). Der Puls in der Maschine (Folge 3) zeigt eine vergleichbare Reise mit klarem Ziel, aber ungewissem Ausgang. Mit Episode 6 (Schwärmer) hat Schlechte Reise zudem das gruselige Bild fremder Wesen, die durch Menschen(-Leichen) kommunizieren, gemeinsam. Doch anders als in all diesen Staffel 3-Folgen, nimmt uns David Finchers Netflix-Abenteuer nicht den Hoffnungsschimmer, den es braucht, um in all dem Horror dranzubleiben.

Diese 20 Minuten Love, Death & Robot stecken voller Substanz und Spannung

Die ambivalente Hauptfigur des Navigators Torrin (im Englischen gesprochen von Troy Baker) entpuppt sich als gute Wahl, um uns die moralische Zwickmühle zu erschweren. Vom Opfer, der als schwächstes Glied der Kette mit der Riesenkrabbe verhandeln soll, wird er zum Anführer und schließlich zum Täter. Wem obliegt die Entscheidung, zu sagen, wer leben und sterben darf? Und agiert er am Ende wirklich noch zum Wohl der Allgemeinheit? So mancher Story-Twist kommt dabei unerwartet.

David Finchers Love, Death & Robots-Episode: Schlechte Reise

Gefangen im Sog der Geschichte vergessen wir fast, dass alles animiert ist. Doch die Animation ist fantastisch und verleiht der Horror-Vision Glaubwürdigkeit – vom Salzwassertropfen auf nackter Haut bis zum Scherenschlag der Monster-Krabbe.

Wenn die 20 Minuten der 2. Folge Love, Death & Robots vorbei sind, schlägt das eigene Herz so heftig wie nach einem Dauerlauf und es fühlt sich eher so an, als hätten wir ein ganzes Weltmeer der Spannung überquert. So viel Zeit sollte wirklich jeder für einen spektakulären Horror-Ausflug mit Substanz übrighaben.

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Wie hat euch David Finchers Folge Schlechte Reise von Love, Death & Robots gefallen? Habt ihr in Staffel 3 eine andere Lieblings-Episode?

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