Mehr Penis für mehr Gleichberechtigung

Max Riemelt  und sein Penis in Sense 8
© Netflix
Max Riemelt  und sein Penis in Sense 8

Nein, das ist keine Clickbait-Überschrift.

Es geht wirklich um Penisse. Nackte Penisse. Echte Penisse. Im Film. Full frontal. Klar wollt ihr so einen Artikel lesen, denn wie oft kommen nackte Männer schon im Mainstream-Film vor? Nicht so oft. Und im direkten, quantitativen Vergleich mit weiblicher Nacktheit fast nie.

Aber lasst es euch nicht von mir sagen. Lasst es euch von Kevin Bacon sagen:


Aber wie komme ich jetzt auf die Formel: Mehr Penis = mehr Gleichberechtigung? Das ist ein wenig komplizierter, als dieser wunderbare, polemische Satz vermuten lässt. Fangen wir also ganz vorn an. Beim Penis.

Der Penis und warum er nicht fehlen sollte

Es ist ja nicht so, als wären Männer im Film nicht oder fast nie nackt. Sie sind es. Aber fast immer handelt es sich hier nur um den Oberkörper. Ab der Hüfte bleibt man entweder bedeckt oder wird abgeschnitten. Maximal den Hintern bekommt man zu sehen, meistens von hinten. Penisse - und ich spreche hier von nicht erigierten, schlicht existierenden Gliedern - finden kaum statt. Und wenn sie es tun, dann ist das gleich ein Grund für Aufregung, und in manchen Fällen ein bisschen Hysterie. Ich erinnere nur an Michael Fassbenders entspannt vor sich hinschwingenden Penis in Shame, bei dem alle Medien ausgerastet sind und den Film faktisch nur darauf herunterbrachen, dass sein Penis frontal zu sehen sei. Die Horde an nackten Frauen im gleichen Film, die sogar nackt vor einem riesigen Fenster von hinten genommen werden ... meh, egal. Haben wir schon tausend Mal gesehen.

Gleiches geschah in Gone Girl - Das perfekte Opfer. Rosamund Pike ist nackt und blutverschmiert. Aber Ben Afflecks Pimmel ist ganz kurz von der Seite zu sehen. Und alle so "OMG!!!".

Das ist wirklich ein OMG-Moment. Denn sie hat gerade eiskalt jemanden umgebracht und die beiden stehen sich nackt und ohne Lügen und zweite Gesichter gegenüber und sagen sich eiskalt die Wahrheit ins Gesicht. Aber ja, okay, da ist ein Penis. Es gibt offensichtlich einen Bedarf für mehr nackte Männer im Film, die in ihrer Gänze gezeigt werden.

Und warum auch nicht erwachsene Menschen aller Art (hier schließe ich alle Gender, Körpertypen etc. ein) nackt zeigen, Genitalien inklusive? Das sind die Fakten, es gibt da nichts zu verstecken, zu vertuschen, zu zensieren. Die einzige relevante Frage ist doch, in welchem Kontext Nacktheit gezeigt wird. Aber dazu gleich mehr.

Die MPAA (Motion Picture Association of America) und ihr Rating System sehen das aber anders. Vor jedem Film bewerten sie dessen Inhalt und verweisen auf Besonderheiten wie Gewalt, Sex und auch Nackheit (nudity). Interessanterweise führten sie vor 5 Jahren in dieser Kategorie, die bis dato nur in Nackheit und sexuelle explizite Nackheit unterschied die Kategorie "male nudity" ein. Weibliche Nackheit ist nur Nacktheit, aber männliche ist so ein Ding, dass sie eine eigene Kategorie braucht. Und wer ist Schuld daran? Borat. Oder genauer: diese Szene:


Sacha Baron Cohens berühmt-berüchtigte Wrestling-Szene ist nicht nur ein großer Moment in Sachen Körperkomik, sondern hatte auch das Rating-System unterlaufen. Der Film hatte zwar ein R-Rating (niemand unter 17 Jahren und ohne die Begleitung eines Erwachsenen), doch womit das geschockte amerikanische Publikum nicht rechnete, waren zwei nackte, kämpfende Männer, die dabei, ohne je explizit zu werden, mit bestimmten Posen, die sie "versehentlich" einnehmen ein homosexuelles Innuendo schaffen. Und genau hier ist der Unterschied. Deswegen bekommen Männer eine eigene Kategorie: um vor potentiell homosexuellem Inhalt zu warnen, denn bei Gott, es gibt nichts Schlimmeres. Wären das zwei Frauen gewesen, die hier wrestlen, wäre das sehr wahrscheinlich niemandem so sehr aufgestoßen, im Gegenteil, man würde diese Szene jetzt garantiert auf Porno-Seiten, die sich auf Filmszenen mit nackten Schauspielerinnen spezialisiert haben, zu sehen bekommen. Auch wenn hier nur implizit mit Sexualität gespielt würde.

Das ist vollkommen homophob und sexistisch Männern gegenüber, deren reine Körperlichkeit mit dem neuen Rating als etwas Besonderes (im negativen Sinne) gebrandmarkt wird. Es ist nämlich nicht Nacktheit an sich, wo man aufpassen muss. Nein, es ist ....

.... männliche Nacktheit!!!!! (mehr Ausrufezeichen, ich brauche mehr Ausrufezeichen).

Und ich brauche eine zweite Seite. Folgt mir.

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