Mit Joker-Star Joaquin Phoenix: The Immigrant ist ein bewegendes New York-Epos

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The Immigrant
11.05.2020 - 21:45 UhrVor 7 Monaten aktualisiert
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Zuletzt sorgte Joaquin Phoenix als Joker für Aufsehen auf der großen Leinwand. Mit The Immigrant zeigt Arte heute Abend einen seiner besten Filme, der ebenfalls von New York als Kulisse zehrt.

Eigentlich treibt DC-Schurke Joker in Gotham City sein Unwesen, jener legendären Metropole, die wir aus zahlreichen Batman-Comics kennen. Regisseur Todd Phillips hat seinen gleichnamigen Film mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle jedoch überwiegend in New York gedreht, was nicht nur durch die berühmt-berüchtigten Treppen in der Bronx zum Vorschein kommt, die in der Wikipedia inzwischen als Joker Stairs gelistet werden.

Vielmehr will Todd Phillips eine Stimmung heraufbeschwören, die etwa dem grimmigen New York von Martin Scorseses Taxi Driver ähnelt, und das gelingt ihm mitunter verblüffend gut. Joaquin Phoenix bewegt sich allerdings nicht zum ersten Mal in einer eindrucksvollen New York-Kulisse. Gerade seine Zusammenarbeiten mit James Gray entpuppen sich als aufmerksame Studien der Stadt und ihrer Einwohner.

The Immigrant, Joaquin Phoenix und ein glühendes New York

Mit The Immigrant zeigt Arte heute Abend um 20:15 Uhr eine der besten Zusammenarbeiten von Joaquin Phoenix und James Gray. Nachfolgend könnt ihr euch mit dem Trailer einen ersten Eindruck von dem New York-Epos machen, das 2013 im Rahmen des Wettbewerbs der Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte.

Der Trailer zu The Immigrant:

The Immigrant - Trailer (Deutsch) HD
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The Immigrant entführt ins Jahr 1921 und erzählt von der Polin Ewa (Marion Cotillard), die gemeinsam mit ihrer Schwester Magda (Angela Sarafyan) den Schrecken ihrer Vergangenheit hinter sich lassen will. Die Ereignisse des Ersten Weltkriegs hallen in den Köpfen nach, Hoffnung bietet nur die Entdeckung des gelobten Lands. Das Versprechen der Freiheitsstatue im Hafen von New York trifft jedoch schnell auf eine bittere Realität.

The Immigrant und der Preis der neuen Welt

Auf Ellis Island werden Ewa und Magda getrennt. Während ihre Schwester aufgrund einer Lungenkrankheit unter Quarantäne gestellt wird, droht Ewa an einem Verwaltungsapparat zu zerbrechen, der sie in ihrer Mittellosigkeit einfach durch ein Raster fallen und vergessen lässt. Der Fremde Bruno (Joaquin Phoenix) bietet sich als Hilfe und Eintrittskarte in die neue Welt an, doch Amerika fordert einen hohen Preis.

Für Bruno soll Ewa fortan im Bandits' Roost Theater tanzen. Er prostituiert den Menschen, den er soeben mit fadenscheinigen Argumenten in einer Notlage gewissermaßen erworben hat. Es dauert folglich nicht lange, bis The Immigrant, der von James Gray zusammen mit Ric Menello geschrieben wurde, die düsteren Abgründe der Menschen und der Stadt offenbart, in der sie leben bzw. um ihr Überleben kämpfen.

The Immigrant

Gray und Menello hatten vor The Immigrant bereits an dem Drama Two Lovers gearbeitet, das Joaquin Phoenix und Gwyneth Paltrow in der Enge von New Yorks Hinterhöfen als Liebende wie Gefangene zusammenführt. Viele dieser beklemmenden Gefühle finden sich auch in The Immigrant wieder, doch dieses Mal sind es nicht nur die heimlichen, versteckten Orte der Stadt, die eine überwältigende Geschichte erzählen.

Joaquin Phoenix erstrahlt in bräunlich-goldenen Farben

Als großer New York-Film versteht sich The Immigrant: Hier, im Jahr 1921, findet James Gray eine Schnittstelle, um nicht nur die Geschichte einer Stadt, sondern auch die Geschichte Amerikas zu erzählen - mit Ewas tragischem Schicksal als roter Faden. Dieses steht in Variation stellvertretend für viele andere. Trotz der Größe und Weite, die sich dabei auftut, gestaltet sich The Immigrant aber vor allem als intimer, stiller Film.

Getragen wird er von Christopher Spelmans melancholischer Musik und den sagenhaften Bilder von Kameramann Darius Khondji. Stellt euch die bräunlich-goldenen Farben vor, mit denen Francis Ford Coppola in Der Pate 2 die Ankunft des jungen Vito Corleone nach Amerika inszenierte - genauso fühlt sich The Immigrant an. Wie ein archiviertes Foto, das plötzlich zum Leben erwacht und von kleinen, unscheinbaren Bewegungen berichtet.

The Immigrant

James Gray erweckt die Vergangenheit behutsam zum Leben, gerät aber nicht ehrfurchtsvoll in blindes Staunen. Stattdessen begreift er dieses New York der 1920er Jahre als einen glühenden Ort der Möglichkeiten, wo Hoffnungen und Niederlagen Hand in Hand gehen. Viel denkt er über Begrifflichkeiten wie Freiheit, Heimat und Grenzen nach, sodass sich The Immigrant trotz der Verankerung in der Vergangenheit in einen zeitlosen Film verwandelt.

The Immigrant ist James Grays großer Gesellschaftsroman

Generell erweckt es den Anschein, als versteht sich James Gray bei The Immigrant nicht nur als Regisseur, sondern ebenfalls als Autor eines großen Gesellschaftsromans mit langem Atem, der in seinen existenzialistischen Gedanken aufschlussreich wie erschütternd ist. Wenn Ewa die Straßen und Häuser dieses New Yorks entdeckt, streift sie stets den Moment, an dem der Mensch beweisen muss, wer er wirklich ist.

Die Frage des Vertrauens und natürlich auch die Frage von Zugehörigkeit spielen in diesem Zuge eine entscheidende Rolle. Ewa ist eine Fremde unter Fremden, die von Misstrauen und Machthunger getrieben werden, anstelle sich mit dem Gedanken der Vergebung anzunähern. Am Ende bleibt ein Bild, das so reich und tief an Ebenen und Perspektiven ist, dass es problemlos zu den besten gehört, die es in der letzten Dekade im Kino zu sehen gab.

The Immigrant wird heute Abend um 20:15 Uhr auf Arte ausgestrahlt. Bis zum 17. Mai 2020 steht der Film auch in der Arte-Mediathek als Stream zur Verfügung.

Werdet ihr euch The Immigrant mit Joaquin Phoenix auf Arte anschauen?

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