Berlinale 2020: Rogue One-Star Riz Ahmed zerbricht als Rap-Musiker

Riz Ahmed mit Mogul Mowgli
© Mughal Mowgli Ltd, BBC
Riz Ahmed mit Mogul Mowgli
23.02.2020 - 11:30 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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In Rogue One: A Star Wars Story half Riz Ahmed beim Diebstahl der Pläne für den Todesstern. Auf der Berlinale 2020 zeigt sich der britische Schauspieler von seiner verletzlichen Seite.

Riz Ahmed hatte in den letzten Jahren einen ziemlich guten Lauf. Wenngleich er nie zum Leading Man durchgebrochen ist, finden sich einige namhafte Produktionen in seiner Filmographie wieder, allen voran Rogue One: A Star Wars Story, in dem er einen imperialen Überläufer verkörperte, der schlussendlich der Rebellen-Allianz dabei half, die Pläne für den Todesstern zu stehlen.

Nightcrawler, Jason Bourne und Venom: Die beeindruckendste Leistung lieferte Riz Ahmed bisher in der HBO-Serie The Night Of: Die Wahrheit einer Nacht ab, in der er sich gegen jeglichen Zweifel behaupten musste, nicht der Mörder einer jungen Frau zu sein. Eine komplexe Rolle, die er britische Schauspieler mit Leib und Seele verkörperte. Mit seinem Berlinale-Film Mogul Mowgli schließt er nun an diese herausragende Arbeit an.

Die wichtigsten Fakten zu Mogul Mowgli mit Riaz Ahmed

  • Bei Mogul Mowgli handelt es sich um das Spielfilmdebüt von Bassam Tariq, der bisher hauptsächlich Kurzfilme und Dokumentationen gedreht hat.
  • Gemeinsam mit Riz Ahmed hat er auch das Drehbuch zu Mogul Mowgli geschrieben, der im Rahmen der Berlinale seine Weltpremiere feiert.
  • Riz Ahmed, der im Film einen Rapper spielt, konnte unter seinem Pseudonym Riz MC bereits selbst einige Erfahrungen im Musikgeschäft sammeln.

Riz Ahmed ist folglich sehr involviert in die Produktion. Als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent investiert er seine ganze Schaffenskraft, um sich der Figur des britisch-pakistanischen Rappers Zed anzunähern. Dieser befindet sich zu Beginn der Handlung an einem spannenden Punkt in seiner Karriere, nämlich seiner ersten internationalen Tournee, die ihm die Tore der Musikindustrie öffnen soll.

Mogul Mowgli

Lange Zeit hat Zed auf diesen Moment gewartet. Der Beginn von Mogul Mowgli fühlt sich nur allzu vertraut an, wenn der junge Musiker von den Möglichkeiten schwärmt, die er sich von seinem neusten und bisher größtem Gig erhofft. Sehr früh signalisiert der Film aber eine andere Richtung: Hier geht es weniger um das Erlebnis einer Tournee als die Auseinandersetzung mit einer Figur, die in einen Konflikt mit sich selbst gerät.

Mogul Mowgli - Wenn die große Karriere an einem vorbeizieht

Zed, der mit einer unglaublichen Energie im Scheinwerferlicht eingeführt wird, erleidet eine Autoimmunerkrankung und wird daraufhin komplett außer Gefecht gesetzt. Wo er eben noch über die Bühne rannte, bleibt die Bewegung plötzlich komplett aus. Nur unter größer Anstrengung kann Zed seine Glieder bewegen und findet sich daraufhin in den Gängen eines Krankenhauses wieder. Nicht einmal die Familie vermag ihm Trost zu spenden.

Es fällt ihm sehr schwer, seine Situation zu akzeptieren: Immer wieder fragt Zed, wann er das Krankenhaus verlassen kann, obwohl sein Zustand nur schlechter wird. War der große Durchbruch eben noch zum Greifen nahe, kann Zed jetzt nicht einmal seinen Arm danach auszustrecken. Aufwühlend ist jedoch nicht nur der schwindende Kontakt zu seinem Körper, sondern auch die Entfremdung von seiner Familie.

Bassam Tariq fängt dieses Leid in eindringlichen Bildern ein, vor allem dann, wenn sich Zed in Halluzinationen verliert, die nicht zuletzt Geister seiner Vergangenheit zurückbringen. Selbst im Kreis vertrauter Menschen wird er von einer beklemmenden Einsamkeit verfolgt, ehe nach und nach der ungeklärte Konflikt mit seinem Vater, der einst aus seiner Heimat fliehen musste, die Überhand gewinnt.

Mogul Mowgli

Ein junger Mann, der hin- und hergerissen ist zwischen den Werten seiner Familie und der Welt, die er entdecken will: Mogul Mowgli setzt weniger auf diese offensichtlichen Kontraste als die emotionale Zerrissenheit seiner Hauptfigur. Riz Ahmed wühlt sich mit seinem zurückgenommenen Schauspiel eindrucksvoll durch diesen fiebrigen Albtraum, besonders im Hinblick auf Zeds Zerbrechlichkeit und Egoismus - als Sohn immigrierter Eltern, als junger Mann und als ehrgeiziger Künstler.

Riz Ahmed begeistert in einer starken Charakterstudie

Was Mogul Mowgli als Charakterstudie so stark macht, ist, dass wir hier einer Figur beim Auseinanderbrechen zu sehen können - und zwar ohne den Pathos, den solch eine Geschichte oft mit sich bringt. Riz Ahmed fokussiert sich auf intime Momente und befindet sich auf der Suche nach den verletzlichen Seiten seiner Figur, die sich diese in den meisten Fällen nicht einmal selbst eingestehen will. Das ist genauso intensiv wie bewegend.

Den Humor vergisst Bassam Tariq bei der Inszenierung von Zeds Leiden trotzdem nicht. Die Ironie des Schicksals arbeitet der Film vor allem dann heraus, wenn Zed nicht nur seinen Gig, sondern auch seinen neusten Song an einen deutlich untalentierteren Rapper abtreten soll, um größere finanzielle Verluste aufgrund seiner Krankheit zu vermeiden. Das funktioniert deswegen so gut, weil Zed herausgefordert wird und somit nicht im Selbstmitleid versinkt.

Die Aufregung vor einem Bühnenauftritt hat er längst überwunden. Vielmehr fürchtet sich Zed vor der Rückkehr zu seiner Familie, zu seinen Wurzeln, sodass selbst der eigene Körper zum Fremden wird. Erfüllung findet er mit seiner Musik jedoch erst, wenn jemand anders die Worte genauso begeistert mitsingt wie er. Doch der Weg dorthin ist weit, er erfordert Geduld und Versöhnung. Es ist kompliziert. Durch Riz Ahmeds starke Performance werden all diese Gefühle aber greifbar.

In welcher Rolle hat euch Riz Ahmed bisher am besten gefallen?

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