NeonFox und der halbe Abschied

01.10.2016 - 09:00 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
WALL-E
Disney/Pixar
WALL-E
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"End? No, the journey doesn't end here."

"Die drei Monate sind schon wieder rum!"

Schon?

In den Tagen vor dem Ende meines Praktikums in der Redaktion von moviepilot wurde ich immer wieder auf die Schnelllebigkeit des Praktikums angesprochen. Für mich allerdings war die Zeit gefühlt keineswegs ein kurzer Augenblick. Im Gegenteil: Es scheint mir eine enorme Spanne zwischen Beginn und Anfang zu liegen, was sicher an den reichen Erfahrungen liegt, die ich im Zuge meiner Arbeit machte.

Danksagungen sind ja gerade für Außenstehende in der Regel eine pathetische und unangenehme Sache, dennoch sei an dieser Stelle all jenen Dank gewidmet, die mir die Zeit in der Redaktion - und außerhalb - zu einer sehr schönen gemacht haben. Als erstes sei Chefredakteurin Ines genannt, die mir mit ihrer Zusage überhaupt erst ermöglichte, mich an den moviepilot-Schreibtisch zu setzen. Zudem möchte ich auch dem erfahrenen Redaktionsteam meine Verbundenheit gegenüber äußern, die mir das Gefühl gaben, von vornherein ein Teil dessen zu sein und kein Praktikant ohne Stimme. Danke also an Jenny, Andrea und Christoph!

Das soll es dann aber auch erstmal an Dank gewesen sein, da all dies ansonsten zu sehr nach einem Abschied auf ewig klingen würde. Dabei bleibe ich moviepilot in den kommenden Monaten als freier Autor erhalten und so ganz empfinde ich das Verlassen der Bürohallen daher nicht als Abschied, auch wenn ich die - in der Regel - ruhige und lockere Atmosphäre, das Klicken der Tastaturen und Mausbuttons, die zwischenzeitlichen Gespräche über Film und Serie sowie die zuweilen absurden Tiefen des täglichen Nachrichtengeschäfts missen werde.

It's been kind of 'mazing

Eine (Sonder-)Erwähnung verdient mein Praktikantenkollege Hardy, mit dem ich tatsächlich den Großteil meiner Zeit bei moviepilot verbrachte und ihn in konspirativ-verruchter Kulisse eines Hinterhof-Open-Air-Kinos endlich für Nicolas Winding Refns Only God Forgives begeistern konnte (zugegeben, das hat der Film selbst geschafft, aber ich drängte auf sein Erscheinen), nur um uns einige Tage darüber einig zu sein, dass wir an Drive mehr auszusetzen haben, als einigen lieb sein dürfte und wir uns mit der gemeinsamen "Ernüchterung" nach Sichtung von Andrei Tarkowskis Stalker endgültig den Zorn diverser selbsternannter Cineasten auf uns ziehen. Nicht nur wegen solcher Momente wurde aus einem Kollegen ein Freund.

Only God Forgives

Einigkeit wird es wohl nur in einem Punkt nicht mehr geben. Bei Richard Linklaters sogenanntem Coming-of-Age-Film Everybody Wants Some!! trifft Hardys Euphorie auf mein wiederholtes Kopfschütteln. Interessanterweise sah ich jüngst erst Andrea Arnolds American Honey, den ich dagegen als wunderhaftes, entfesseltes Porträt eines (Jugend-)Gefühls empfinde - bin auf deine Meinung gespannt, Hardy!

It's no hard cut

Da ich eben schon von Filmen sprach und sie ohnehin der liebste Gesprächsanlass für mich sind, erinnere ich mich gerne an weitere Momente mit meinen Kollegen. Wie ich etwa beim Abschiedsumtrunk von Sebastian den von mir überaus geschätzten Alejandro González Iñárritu (Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit, The Revenant) verteidigte und ich im Rahmen dessen geradezu denunziert (ja, Matthias, denunziert) wurde. Oder in Jenny jemanden kennenlernte, die ebenso wie ich eine gewisse Nähe zum Werke Jean-Luc Godards und François Truffauts pflegt. Und dass ich in der Zwischenzeit, zunächst irgendwie ungewollt und dann doch die Rolle an- und einnehmend, selbstausrufend in der Redaktion zum Transformers- und Michael Bay-Kenner avancierte. Dafür möchte ich noch einmal Christoph auf ein Podest stellen (ob du magst oder nicht), der mich mit entsprechend zu schreibenden Nachrichten stets mit einem Lächeln für das Franchise seltsam "begeisterte".

Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Und so bleibt eine ereignis- und filmreiche Zeit, die nicht einfach mit einem hard cut aufgelöst und vergessen sein wird, sondern der fließende Übergang in die freie Autorenschaft, sicherlich ohne eine Bruchlandung eines mit Dank und vielen Erfahrungen reicher gewordenen, zurückblickenden moviepiloten.

Alexander

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