Neue Fantasy-Serie bei Amazon: Das Rad der Zeit eifert Herr der Ringe nach, aber hat zu viel Angst vor Dreck

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Das Rad der Zeit startet bei Amazon Prime
19.11.2021 - 08:30 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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Amazon Prime zeigt ab sofort Das Rad der Zeit im Streaming-Programm, doch die durchaus faszinierende Fantasy-Serie muss noch an sich arbeiten, um Herr der Ringe-Niveau zu erreichen.

Mit Das Rad der Zeit startet heute eine neue großangelegte Fantasy-Serie bei Amazon Prime *, bevor nächstes Jahr die heißerwartete Herr der Ringe-Serie kommt. Den Auftakt machen die ersten 3 Episoden, bevor der Rest der 1. Staffel (insgesamt sind es 8 Folgen) dann wöchentlich gezeigt wird.

Basierend auf der 14-teiligen Romanreihe von Robert Jordan hat Das Rad der Zeit sich große Ziele gesteckt: Immerhin handelt die Serie von einer Magierin, einer epische Reise auf der Flucht vor dem Bösen und der Suche nach einem prophezeiten Auserwählten: dem wiedergeborenen Drachen. Der soll die Welt entweder retten ... oder zerstören.

Der Trailer zu Das Rad der Zeit verspricht ein großes Fantasy-Abenteuer

Das Rad der Zeit - S01 Teaser Trailer (Deutsch) HD
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Das Rad der Zeit verfilmt in Staffel 1 (größtenteils) das erste Buch Die Suche nach dem Auge der Welt *. Doch um als der Herr der Ringe-Ersatz herzuhalten, der die Amazon-Serie eindeutig gern wäre, muss sie an einigen Stellen noch an sich arbeiten.

Amazons Das Rad der Zeit will viel, ist aber noch zu "sauber"

Fantasy-Schauwerte bietet die teuer produzierte Serie Das Rad der Zeit von der ersten Minute an. Angenehm ist, dass sie sich um einen ungewohnten Look bemüht, den wir noch nicht in den zahlreichen vergleichbaren Formaten gesehen haben. So sind zum Beispiel die Schwerter kürzer als üblich und eine Ruinenstadt kann in ihrer Architektur schon mal indisch anmuten.

Weniger angenehm fällt auf, dass Das Rad der Zeit die atemberaubenden Drehorte manchmal (leider gut erkennbar) mit CGI-Zusätzen aufmotzt, was die natürlich schroffen Bergreliefs und klar-blauen Seen-Täler der Drehorte in Slowenien, Kroatien und Tschechien wirklich nicht nötig haben.

Das Rad der Zeit: Egwene und Rand vor malerischer Landschaft

Nehmen wir dann noch dazu, dass die computeranimierten Magie-Effekte manchmal überzeugen und in anderen Momenten leider nicht und dass die eigentlich schönen Kostüme häufig zu farbkräftig und unbefleckt ausfallen, ergibt sich dadurch ein noch etwas unstimmiges Gesamtbild.

Die Serie scheint noch auf der Suche nach einem einheitlichen Look zu sein und gerne würden wir mit etwas Dreck werfen, um Rands schneeweißem Mantelkragen oder Moiraines blauem Kleid etwas schmutzige Authentizität zu verleihen.

Zumindest die monströsen "Trollocs" mit ihren unterschiedlichsten (nicht animierten) Tierköpfen sind als Herr der Ringe-Ork-Ersatz herrlich furchteinflößend und auch die teils überraschend explizite Gewaltdarstellung trägt zu etwas mehr (düsterem) Profil der Serie bei.

Das Rad der Zeit macht es uns nicht leicht, seine Welt kennenzulernen und seine Figuren zu mögen

Eine der größten Hürde von Fantasy-Serien mit Romanvorlage ist es, sowohl die Buch-Fans als auch neue Zuschauende unter einen Hut zu bringen. Netflix' Shadow and Bone brauchte ein ganzes Fantasy-Glossar und auch Amazons Das Rad der Zeit verlangt Neulingen viel Aufmerksamkeit bei der Einführung in die fremde Welt ab.

Das Rad der Zeit: Blick auf eine neue Welt

Ein Beispiel: Moiraine lässt unterwegs den Begriff der "Ta'veren" fallen. Das zeigt die Kenntnis des Ursprungsmaterials. Doch können Neueinsteiger auf Anhieb verstehen, dass es sich dabei um die Lebensfäden besonderer Menschen handelt? Denn das titelgebende Rad der Zeit bezieht sich auf einen (metaphorischen) Webstuhl, der wiederkehrende Zeitalter erschafft und an dessen Mustern manche mehr Anteil haben als andere. Ein solches Konzept ist allein mit einem Wort und ohne Vorkenntnisse aber schwer zu vermitteln.

Außerdem bleibt die Besonderheit der Charaktere in den ersten drei Folgen zunächst mehr oder weniger eine Behauptung. Sofort einen Bezug zu den Hauptfiguren herzustellen fällt schwer: Rosamund Pike (Gone Girl, Stolz und Vorurteil) bringt als größter Star der Serie schon immer eine ihr eigene Kühle mit, die sie als Moiraine auf Distanz hält. Roman-Hauptfigur Rand (Josha Stradowski) schmollt zu viel, Schmied Perrin (Marcus Rutherford) wird sehr stark über seinen (neu dazuerfundenen) Verlust definiert und Mat (Barney Harris), der eigentlich der Scherzbold der Truppe sein sollte, hat kaum Gelegenheit, diese verspielte Facette seines Charakters zu entfalten, bevor es mit ihm schon wieder in eine andere Richtung geht.

Das Rad der Zeit: Die Besetzung der Hauptfiguren

Es kann Methode haben, uns die Figuren nur langsam ans Herz wachsen zu lassen, aber besser wäre es wohl gewesen, sie umgekehrt erst zu mögen und dann ihre ambivalenten Facetten zu entdecken. Lediglich Egwene (Madeleine Madden) macht überzeugend ihr eigenes Ding und Moiraines Ritter ("Behüter") Lan (Daniel Henney) verbreitet von Anfang an ein paar sympathische Aragon-Vibes.

Es steckt (zu) viel Herr der Ringe in Das Rad der Zeit

Womit wir dann zu guter Letzt auch bei der größten Stärke und zugleich der größten Herausforderung von Das Rad der Zeit angekommen sind: Denn die Amazon Serie hat durchaus das Zeug, Herr der Ringe-Fans mit ihrer Welt und Geschichte punktgenau anzusprechen ... wenn sie dabei nicht Gefahr liefe, die Herr der Ringe-Anklänge überzustrapazieren. Natürlich sind die Tolkien-Bezüge in den Büchern von Robert Jordan ebenfalls vorhanden, doch sie in einem Neuseeland so sehr ähnelnden Ambiente ausagiert zu sehen, ist eben doch noch einmal etwas anderes.

Die Parallelen beginnen bei übergreifenden Story-Elementen wie dem großen Bösewicht, der lange nur durch seine düsteren Handlanger sichtbar wird, die zwar Myrddraal heißen, aber stark an Ringgeister erinnern, und reichen bis zur Reisegemeinschaft aus (7 statt 9) Gefährten.

Sie finden sich außerdem in Herr der Ringe-Szenen-Déjà-vus wieder, wenn beispielsweise die knappe Flucht vor den Schergen des Bösen auf einer Fähre endet oder nach der Verwundung mit einer giftigen Waffe eine Figur im Wald vor sich hinfiebert. Spätestens, wenn Moiraine am Ende von Folge 1 ihre Interpretation eines Galadriel-Intros ("Die Welt ist im Wandel") zum Besten gibt, wird es etwas zu offensichtlich.

Das Rad der Zeit: Rand & Egwene

Nach drei Folgen von Das Rad der Zeit ist der Funke noch nicht vollständig übergesprungen, obwohl die Anlagen zu einer spannenden Fantasy-Serie da sind. Eindringliche Momente, wie eine Fledermaus, die aus dem eigenen Rachen gezogen wird, oder ein gelungener Übergang von einer Blutlache in rote Baumwipfel zeigen das.

Wir können deshalb hoffen, dass der Rest der 1. Staffel noch (samt mehr Dreck und stärkeren Charakterprofilen) nachlegen kann, indem sie an ihre schon vorhandenen Stärken anknüpft. Spätestens in der bereits bestellten 2. Staffel sollte Das Rad der Zeit sich dann aber als selbstbewusstere, eigenständige Serie zeigen, die den Herrn der Ringe-Vergleich links liegen lässt.

Die Serie Das Rad der Zeit umfasst 8 Episoden, die ab dem 19. November 2021 nach einem ersten 3er Block wöchentlich bei Amazon Prime ausgestrahlt werden. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten die ersten 3 Folgen.

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Aus der Perspektive eines Fans und eines Neulings nehmen wir die Amazon- und Netflix-Serien unter die Lupe: Wie funktioniert Das Rad der Zeit mit der Buchvorlage im Hinterkopf und kann sich Cowboy Bebop an der Anime-Vorlage messen? Und wie viel Dreck gehört in ein glaubhaftes Fantasy-Setting bzw. Raumschiff?

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