Chambers auf Netflix: Der größte Horror ist die unendliche Langeweile

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Moviepilot Team
wieselmax Max Wieseler
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Mag die großen Gefühle und schreibt daher am liebsten über Horror. Bekennt sich zu seiner Seriensucht.

Spätestens seit dem Gruselmeisterwerk Spuk in Hill House hat sich Netflix als ideale Anlaufstelle für Horrorfans bewiesen. Nach der historischen Zombieschlacht in Kingdom und dem kontroversen Black Summer startet Netflix mit Chambers den nächsten Ausflug in Horrorgefilde. Leider hat Netflix dabei den größten Fehler begangen: Chambers ist sterbenslangweilig und völlig sinnbefreit.

Tranplantations-Horror auf Netflix: Ein guter Anfang

Mit Horror-Veteranen wie Ti West (The House of the Devil) und Alfonso Gomez-Rejon (Warte, bis es dunkel wird) als Regisseure und Genrestars wie Uma Thurman, Tony Goldwyn und Lili Taylor vor der Kamera hat Chambers eigentlich die besten Grundvoraussetzungen, das nächste Horror-Highlight zu werden. Auch das Setting ist unverbraucht und vielversprechend.

Die junge Navajo Sasha (Sivan Alyra Rose) aus den ärmlichen Verhältnissen des Reservats erhält ein Herztransplantat und bekommt daraufhin von den Eltern ihrer toten Spenderin Zutritt in die Welt des reichen, weißen Amerikas. Hinter der Fassade schlummern jedoch dunkle Geheimnisse und die Besitzerin von Sashas neuem Herz ist noch nicht fertig mit dieser Welt. Klingt doch eigentlich ganz interessant, oder?

Chambers und der Netflix' Etikettenschwindel

Wer den verstörenden Trailer zu Chambers gesehen hat, erwartet ein Highschool-Mystery à la Elite oder Tote Mädchen lügen nicht garniert mit Albtraum-Visionen im Stile von Hereditary. Nach nur einer Folge folgt dann die Ernüchterung: Chambers ist noch zäher als ein A24-Film und der Horror quasi nicht existent. Und dass, obwohl Netflix die Serie als Horror kennzeichnet.

Gerade in den ersten Episoden scheint es, als würden die Macher auf Teufel komm raus - pun intended - die Geschichte eines 90-Minüters auf 10 Episoden strecken wollen. Die typische Netflix-Krankheit eben. Die Handlung kommt nur sehr schwer in die Gänge und wird von unnötigen Nebenplots aufgehalten. Auch wenn die Geschichte in den letzten drei Folgen endlich spannend wird, war für mich der Geduldsfaden schon längst gerissen.

Auf Netflix gibt es Cringe statt Horror

Wer bei Chambers eine Horrorserie erwartet, wird bitter enttäuscht - da hilft auch mindestens eine Gore-Szene pro Folge nicht. Die spärlich eingesetzten Horrorszenen kommen teils völlig unvermittelt und haben kaum Einfluss auf das anschließende Geschehen der Folge. Dabei zeigt besonders ein Horror-Drogentrip in Folge 8, was hier möglich gewesen wäre.

Gut platzierte Horror-Spitzen wären gar nicht das Problem, wenn die restliche Handlung nicht so unsäglich langweilig wäre und den Zuschauer für dumm verkauft. Als Zuschauer sind wir den Wendungen der Serie immer ein, zwei Folgen voraus, bis diese tatsächlich eintreffen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Mysterium, das ungeschickt um die Figuren, allen voran Uma Thurmans Figur und ihre zerrüttete Familie, gesponnen wird. Sie werden oft so kryptisch dargestellt, dass sie mehr uninteressant als enigmatisch wirken. So verweilt Thurmans Nancy Lefevre in einer ewig währenden Trauerphase voller Tränen und nostalgischer Blicke. Vermutlich trauert sie um das verschenkte Potenzial der Serie.

Chambers weiß nicht, was es sein will

In der 1. Hälfte versucht Chambers, ein übernatürliches Murder-Mystery zu erzählen, während Sasha langsam von einer dunklen Präsenz übernommen wird - quasi eine Horrorversion von Tote Mädchen lügen nicht. In der 2. Phase der Staffel verrennt sich Chambers aber immer stärker in wahnwitzigen Twists, die teilweise vorangegangene Szenen komplett unlogisch erscheinen lassen.

Mit dem Einzug einer unheimlichen New Age-Sekte will sich das Gefühl nicht mehr abschütteln lassen, dass die Macher Horror-Zitate über ihre eigene Serienidentität stellen. So verkommt die Serien schnell von einem geerdeten Trauerdrama zu einem pulpigen Fantasy-Trip und dreisten Hereditary-Abklatsch.

Zum Abschluss noch ein Dialog-Beispiel, das den Cringe-Faktor von Chambers bestens zusammenfasst:

Ich hab mir reine Haut gewünscht, aber stattdessen hab ich einen Dämon bekommen.

Die 1. Staffel von Chambers umfasst 10 Episoden, die am 26.04.2019 bei Netflix veröffentlicht wurden. Als Grundlage für diesen Seriencheck diente die komplette 1. Staffel.

Werdet ihr Chambers auf Netflix schauen?

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