Peinliche Marvel-Enttäuschung: Das Outing der ersten queeren Hauptfigur im MCU ist eine Farce

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Loki
15.08.2021 - 11:00 UhrVor 11 Monaten aktualisiert
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Lokis Outing in der gleichnamigen Marvel-Serie ist auf den ersten Blick ein Riesending, doch bei näherer Betrachtung offenbart sich die peinliche Prüderie Disneys einmal mehr.
    Loki ist bisexuell und das gehört seit seinem Outing in der erfolgreichen Marvel-Serie Loki zum Kanon des Marvel Cinematic Universe. Die Umsetzung davon enttäuscht leider enorm und darf Disney und dem MCU auf keinen Fall zugute gehalten werden.

    Die Sachlage: Wichtige Marvel-Figur outet sich in kaum wahrnehmbarer Szene

    Immer wieder übernehmen Disney und Marvel Studios LGBTQ+ Figuren aus den Comics in ihre enorm erfolgreichen Filme und Serien. Doch die queere Seite sparen sie dabei komplett aus. Damit betreiben sie seit vielen Jahren aktiv sogenanntes "Straightwashing". Sie verkaufen - im wahrsten Sinne des Wortes - queere als Heterofiguren.

    Avengers: Endgame

    Die neuste und auch erfolgreichste Realserie des Marvel Cinematic Universe, Loki von Disneys Streaming-Dienst Disney+, bricht mit der LGBTQ+ verleugnenden Tradition. Mit Loki darf ein wichtiger und einer der beliebtesten MCU-Charaktere erstmals getreu seiner Comicvorlage darüber reden, dass er in der Vergangenheit Liebschaften mit Frauen und Männern hatte.

    Es ist jedoch ein äußerst kurzer Dialog in der 3. Folge der 1. Staffel zwischen Loki und seiner alternativen Version Sylvie, den müde oder unaufmerksame Zuschauer:innen auch verpasst haben könnten. Denn in der weiteren 1. Staffel spielt es keine Rolle mehr. Im Gegenteil: Eine Hetero-Liebesgeschichte zwischen Loki und Sylvie folgt.

    Loki und Sylvie

    Aber der Moment ist da, die sexuelle Orientierung ist jetzt Kanon und wird nicht mehr weggehen. Und hier liegt der Hund begraben, warum es gleichermaßen Freude und enormen Frust auslöst.

    Auf den ersten Blick ist Lokis Outing im MCU ein Riesending

    Es ist der Showrunnerin und Regisseurin dieser Folge, Kate Herron, zu verdanken, dass Lokis Bisexualität im MCU überhaupt Kanon werden konnte. Für Herron, selbst bisexuell, war es ein großes Anliegen, diesen Anfangspunkt zu setzen:

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    Von dem Moment an, als ich der Loki-Serie beigetreten bin, war es für mich wichtig und mein Ziel, Loki offiziell als bisexuell anzuerkennen. Es ist ein Teil von ihm und es ist auch ein Teil von mir. Ich weiß, es ist ein kleiner Schritt, aber mein Herz springt, dass es jetzt Kanon ist.

    Wie viel Überredungskunst nötig war und Kompromisse sie mit Disney alleine für die winzige Szene eingehen musste, will sie allerdings nicht verraten. Entertainment Online  hakte nach, ob wir auch eine queere Liebesgeschichte erzählt bekommen werden, oder ob es in der Serie nun dabei bleibt. Und wie zu erwarten bleibt es leider dabei:

    In unserer Geschichte behandeln wir seine Bisexualität auf diese Weise. Aber ich hoffe, dass das den Weg ebnet, noch weiter erforscht werden zu können.

    Alle, die Lokis Outing feiern und daraus Kraft für ihre eigenen Identität oder einfach nur Freude ziehen, unterstütze ich zu Hundert Prozent. Im ersten Moment war auch meine Freude riesengroß.

    Loki

    Diese Zugeständnisse – vor allem wenn sie von so einer dominierenden Marke wie dem MCU kommen – können für unter- oder misrepräsentierte Menschen langfristig mehr Akzeptanz und Sicherheit in der Gesellschaft bedeuten. Auf einer persönlichen Ebene können Repräsentation mehr Selbstvertrauen und weniger Ängste folgen.

    Doch Lokis Queerness bleibt in einem größeren Kontext leider genau das: ein äußerst kleines Zugeständnis eines äußerst mächtigen Konzerns. Gerade im Vergleich zu den Sprüngen, die andere Serien und Filme bei queerer Repräsentation machen, bleibt das MCU peinlich auf der Strecke.

    Ein kleiner Schritt für Disney, eine peinliche Farce für die LGBTQ+ Community

    Für Disney-Verhältnisse ist das Outing ein winziger Schritt in die richtige Richtung. Der Haken: Disney und Marvel Studios sind keinesfalls der Maßstab, an dem wir Fortschrittlichkeit messen dürfen und nur weil sie in die richtige Richtung gehen, befinden sie sich noch lange nicht im grünen Bereich.

    Das weißt auch der queere Serien-Pionier Russell T. Davies, bekannt als Schöpfer von Queer as Folk und seinem jüngsten Serienerfolg It's a Sin. Er prangerte das Outing von Loki kürzlich bei einem virtuellen Pride Month-Panel der Universität in Swansea an und findet klare Worte. Pink News  zitiert:

    Loki macht eine kurze Anspielung, dass er bisexuell ist und alle so 'Oh mein Gott, es ist eine pansexuelle Serie'. Es ist ein Wort, er hat 'Prinz' gesagt und wir sollen uns bei Disney bedanken und Disney feiern. Es ist ein lächerliches, feiges und schwaches Zugeständnis (...) an die Geschichten, die wirklich erzählt werden sollten.

    Disneys Mutlosigkeit im Angesicht der LGBTQ+ feindlichen und konservativen Absatzmärkte – allen voran China – ist ungebrochen. Denn während es auf dem Streaming-Dienst Disney+ vereinzelt durchaus schöne queere Inhalte wie Love, Victor und Willkommen im Haus der Eulen gibt, gelten für Disneys Blockbuster-Welten wie das MCU andere Gesetze. Dort regiert weiterhin die konservative Ideologie.

    Loki

    Mit peinlich kleinen Zugeständnissen im MCU spielt Disney auch weiterhin Homo-, Bi- und Transphoben in die Karten und bestärken zudem vermeintliche Liberale, die LGBTQ+ zwar zumindest anerkennen, damit im Mainstream aber nicht konfrontiert werden wollen.

    Zu der Bi-Enttäuschung gesellt sich in Loki übrigens auch ein kaum merklicher Fingerzeig in Richtung Lokis Genderfluidität. Doch auch darüber wurde nach viel Neugierde aus der LGBTQ+ Community in der Serie kein Wort mehr verloren. Ganz davon abgesehen, dass sich in der Serie unter den Dutzenden gezeigten Loki-Varianten nur eine einzige Frau befindet (und ein einziger Alligator).

    Heteronormativer hätte die Marvel-Serie einen bisexuellen und genderfluiden Helden kaum umsetzen können.

    Der Moviepilot-Podcast zu Bisexualität in Serien: Vorbilder & leidige Klischees

    In dieser Podcast-Folge von Streamgestöber diskutiere ich mit der bisexuellen Autorin Nadine Primo über Biphobie in Serien und unserem Alltag sowie bisexuellen Figuren, die uns geprägt haben:

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    Eine große Empfehlung gibt es im Podcast für die Serien Working Moms, Willkommen im Haus der Eulen, Girls und Sex Education.

    Wie habt ihr Lokis Outing wahrgenommen?

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