Reboot oder Prequel? So wirbelt Bumblebee die Transformers-Chronik auf

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© Paramount Pictures
Bumblebee
23.12.2018 - 09:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Bumblebee kann sich nicht entscheiden. Soll er das Transformers-Universum ganz neu erfinden oder doch nur eine Vorgeschichte erzählen? Das führt zu Fehlern in der Timeline.

Leichte Spoiler zu Bumblebee: Wenn wir es nicht besser wüssten, könnten wir denken, vor Bumblebee hätte es nie irgendwelche Transformers-Filme gegeben. Das stimmt natürlich nicht. Die Spektakel von Michael Bay, die zwischen 2007 und 2017 entstanden, sind kaum zu übersehen oder zu überhören und sie haben sich ihren Platz in der Geschichte großer Blockbuster-Reihen verdient. Offiziell ist Bumblebee ein Prequel, erzählt also die Vorgeschichte der Transformers, insbesondere Bumblebees. Wir erfahren, warum der gelbe Roboter nicht sprechen kann und warum er Bumblebee heißt.

Über weite Strecken seines gemütlichen Treibens wirkt Bumblebee aber wie ein lupenreiner Reboot. Bumblebee will mit dem alten, rostigen Transformers-Schrott (Lieb gemeint) eigentlich nichts zu tun haben.

Fangen wir mit der Geschichte von Charlie Watson an. Die innige Bindung, die Bumblebee und Optimus Prime in Transformers zu Shia LaBeoufs Sam Witwicky aufbauen, wirkt nach Bumblebee etwas schal. Sam ist viel unwichtiger als gedacht. Charlie Watson (Hailee Steinfeld) war Bumblebees erste große Liebe. Charlie Watson stellte die diplomatische Beziehung zwischen der modernen Erdgesellschaft und den Autobots her, die Autobots fanden schon 1987 auf der Erde ein neues Zuhause.

Bumblebee

Und 20 Jahre später soll das alles nochmal passieren? Irgendwas stimmt da nicht. Kurz gesagt: Die Geschichten von Bumblebee (2018) und Transformers (2007) ähneln sich viel zu sehr, um aufeinander aufzubauen und im gleichen Universum zu existieren. Da stellt sich die Frage:

Ist Bumblebee ein Reboot der Transformers-Filme?

Im Dunstkreis von Bumblebee ist immer wieder von einem Neustart oder einem Soft-Reboot, einem sanften Reboot die Rede, der nach den zunehmend sperrigen und weniger profitablen Bay-Ambossen auch nötig war. Die vorwiegend positiv gestimmten Kritiker beschreiben damit vor allem eine stilistische Neuausrichtung. Und nicht die Negierung sämtlicher etablierter Transformers-Versatzstücke.

Gegen den Begriff Reboot wird Bumblebee auch von den Machern verteidigt. Durch die Blume deutete Produzent Lorenzo di Bonaventura zwar schon an, dass es keine weiteren Transformers-Filme der Art geben wird, wie wir sie von 2007 bis 2017 erlebten. Die Michael Bay-Ära ist vorbei. Gegen einen totalen Neustart sperrt er sich aber.

Reboot, ich habe das Wort immer gehasst. [...] Wir machen einen weiteren Transformers-Film und er wird anders sein als die Filme, die wir zuvor gemacht haben.

Bumblebee gibt die Richtung für die kommenden Transformers-Filme vor

Der nächste Transformers-Film wird definitiv auf die neue Blaupause Bumblebee abgestimmt. Die Transformers-Macher haben sich von einem großen Irrglauben verabschiedet und damit auch ein Stück Betriebsblindheit abgelegt. Die Erkenntnis: Es gibt noch einen anderen als den Ressourcen-fressenden und damit immer auch von Risiken belasteten Michael Bay-Weg.

Wir haben etwas gelernt mit diesem Film über den Ton, den die nächsten großen Transformers-Filme haben werden. Wir werden es natürlich nicht kopieren [...]. Aber wir haben bei den Umsetzungen mehr Freiheit, als wir ursprünglich dachten. (Quelle)

In Bumblebee treten alte Transformers-Figuren auf

Agent Seymour Simmons in Transformers

Bei allen Unterschieden, ganz verabschieden will sich Bumblebee von der alten Transformers-Ära auch nicht. Regisseur Travis Knight zauberte gegenüber Yahoo  etwa ohne Not ein Easter Egg hervor, das Bumblebee fest an Transformers 1 bis 5 zurrt. "Wir sehen zum Beispiel einen jungen Agent Seymour Simmons, der in den Transformers-Filmen von John Turturro gespielt wird."

Ein Agent, der John Turturro auch nur entfernt ähnlich sieht, ist mir in Bumblebee allerdings nicht aufgefallen, obwohl ich sogar darauf geachtet habe - denn ein Cameo lag in der Tat nahe.

In den Drehbüchern steht die Rolle auch nicht, gibt Knight zu. Warum also "erfindet" der Regisseur nachträglich einen Cameo? Es gebe Dinge in Bumblebee, erklärt Knight, da ergebe es Sinn, auf die alten Transformers-Filme zu verweisen, die 20 Jahre später stattfinden. "Ich dachte, wenn wir einen jungen Agenten sehen, sollte es ein junger John Turturro sein."

Der Bumblebee-Spagat führt zu Unstimmigkeiten in der Geschichte

Allerdings passt die Existenz von Agent Simmons in Bumblebee nicht zu einem weiteren Verweis auf die Transformers-Filme. Simmons leitet zwanzig Jahre nach Bumblebee die Abteilung Sektor 7, die sich mit den Transformers-Vorfällen auf der Erde rumschlägt. Auch in Bumblebee gerät Sektor 7 mit dem von John Cena gespielten Agenten zwischen die Fronten des Autobot-Decepticon-Konflikts.

Seltsam dabei: Als die Sektor 7-Truppe um John Cena auf zwei eiskalte Decepticon-Entsandte trifft, reagieren die Soldaten, als wären sie noch nie einem Riesenroboter begegnet. Wie Digital Spy  bemerkte, passt das überhaupt nicht zu der Geschichte aus Transformers (2007).

Eine kurze Timeline der Decepticon-Geschichte auf der Erde:

  • Im Jahr 1897 entdeckt Sams Vorfahre Archibald Witwicky einen Riesenroboter.
  • Schon 1930 hievt die Organisation Sektor 7 den bösen Megatron aus der Arktis.
  • Das amerikanische Militär wird daraufhin mit seiner intelligenten Technologie ausgerüstet.
  • In Bumblebee treffen 1987 wieder Agenten von Sektor 7 auf Decepticons.

Tatsächlich finden diese einschneidenden Begegnungen der 3. Art in Bumblebee keine Erwähnung. Sicher, womöglich ist nicht jeder Sektor 7-Agent mit der Decepticon-Geschichte vertraut. Dennoch wird in Bumblebee die Geschichte des Militärs mit Decepticon-Technologie offensichtlich neu erzählt - nur eben mit einem jungen Agent Simmons, einem jungen John Turturro. Sektor 7 arbeitet später mit den bösen Robotern zusammen, lässt sie Satelliten nutzen, will von ihnen lernen - wie schon in Transformers 1.

Warum riskiert Bumblebee diese unnötigen Wiederholungen und Widersprüche?

Decepticons in Bumblebee

Bumblebee muss zwei verschiedene Zielgruppen bedienen

Auch darauf hat Regisseur Knight gegenüber Digital Spy eine Antwort. "Wir wollten das Publikum nicht mit zu viel Mythologie vergraulen". Der Kompromiss zwischen Transformers-Mythologie und Neustart ist gewollt. "Ich wollte, dass jeder in diesen Film gehen und ihn verstehen kann, ihn mögen und genießen kann. Ich wollte keine Vertrautheit mit dem Franchise voraussetzen."

Einerseits.

Andererseits sollten auch jahrelange Transformers-Fans irgendwie mit Bumblebee bedient werden. "Das war immer ein Drahtseilakt. Reißen wir zu viel raus, was die Fans des Franchise lieben? Es war wichtig, [...] dass wir die Fans respektieren."

Wir müssen Bumblebee also als Hybrid verstehen. Das Studio Paramount riskiert nach der schwachen, aber auch nicht katastrophalen Performance von Transformers 5: The Last Knight noch keinen harten Schnitt. Noch interessieren sich genug Leute für die Transformers-Geschichten, die unter Bay allerdings zu teuer wurden.

Die Transformers-Filme öffnen sich nun einem neuen, jüngeren Publikum, werden familienfreundlicher und günstiger. Gleichzeitig sollen die alten, immer noch zahlreichen Kern-Fans der Reihe nicht verprellt werden. Bumblebee will sich ganz bewusst nicht entscheiden, was er sein will: Reboot oder eben doch Prequel. Wohin das Pendel ausschlägt und ob Transformers 6 doch noch kommt, darüber wird der Erfolg von Bumblebee entscheiden.

Wollt ihr die alten Transformers-Filme vergessen?

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