Exklusiv-Interview

Prince of Persia Regisseur Mike Newell hat Pech im Spiel

Mike Newell
© Walt Disney Pictures
Mike Newell

Am Rande der Comic- und Film-Convention Wondercon, die vom 2. bis zum 4. April in San Francisco stattfand, unterhielt sich Kollege Batzman mit Mike Newell. Der 68-jährige Regisseur, der den meisten durch Vier Hochzeiten und ein Todesfall bekannt wurde, hat erst spät zum großen Eventkino gefunden. Mit Harry Potter und der Feuerkelch hat er zum ersten Mal erfolgreich großes Effektkino dirigiert, jetzt schickt er Jake Gyllenhaal mit Prince of Persia: Der Sand der Zeit in ein actionreiches Abenteuer. Im Gespräch verrät er, was ihn an einer Game-Verfilmung reizt, was der Film erzählerisch zu bieten hat und wie gut er sich selbst als Zocker macht.

moviepilot: Wie kommen Sie mit den ganzen Geeks und Nerds hier zurecht?
Mike Newell: Bis jetzt sind sie noch nicht als Geeks und Nerds rübergekommen. Die Fragen waren wirklich gut – echt unglaublich. Ich hatte noch keinen „Ich-kann-Ihnen-darauf-nicht-antworten-Moment.“ Sie werden noch zu Geeks und Nerds, das weiß ich.

moviepilot: Heutzutage ist Geek ja auch ein echtes Kompliment für jemanden.
Mike Newell: Ja, mein Sohn ist ein absoluter Geek. Da haben Sie Recht.

moviepilot: Hat ihr Sohn denn die Games gespielt?
Mike Newell: Ja, aber nicht soviel. Die neuere Version erschien erst vor kurzem und die alte Fassung ist irgendwie vom Markt verschwunden. Aber er ist ein toller Zocker.

moviepilot: Also sind Sie sich der großen Anhängerschaft des Spiels bewusst?
Mike Newell: Wir sind uns dessen bewusst und haben die ganze Sache sehr ernst genommen.

moviepilot: Haben Sie auch den Dreh des Spielens herausbekommen und kapiert, warum es soviel Spaß macht?
Mike Newell: Ich hab’s probiert, aber es war hoffnungslos. Es gab eine Sache, die ich packen wollte – wenn Dastan über die Wände rennt und in die drehenden Klingen gerät, wenn er fällt. Ich kam an diesen Klingen einfach nicht vorbei. Ich spiele schon auf dem einfachsten Level. Aber ob ich ein Spieler bin, ich denke nein.

moviepilot: Hatten Sie Bedenken, ein Videogame zu verfilmen? Denn die meisten sind ja nicht so gelungen.
Mike Newell: Oh ja, das sagen die meisten. Aber ich habe des überhaupt nicht als Druck empfunden. Ich hatte die ganze Zeit diese Keanu Reeves Filme im Hinterkopf. Zwei davon wurden von Brüdern gedreht und es gibt da eine Menge Zeit und Weltenverschiebungen.

moviepilot: Die Matrix -Filme …
Mike Newell: Ja, genau. Ich weiß, dass die sie nicht auf Games basieren, aber ich hatte diese Vorstellung, dass ich eine vollkommen neue Welt erschaffen musste.

moviepilot: Wie sind Sie an den Film herangegangen? Moderne Spiele drehen sich ja nicht mehr nur um Highscores, sind aber dennoch eine ganz eigene Erfahrung. Ist es schwer, das ganze emotional für den Zuschauer zu gestalten?
Mike Newell: Zu Beginn des Projekts war Jordan Mechner dabei, der das Game erfand und die erste Drehbuchfassung schrieb. Wir arbeiteten sehr eng zusammen und ich verehre ihn total. Ich fand heraus, dass Jordan Mechner ein absoluter Recherche-Freak ist. Er las all diese ganzen Gedichte und Texte wie Geschichten aus 1001 Nacht und konnte dir die Schauplätze auf der Landkarte zeigen. Das hat mich dazu inspiriert, das ganze als echte historische Realität des 6. Jahrhunderts zu betrachten. Als ich mit der Arbeit zum Film begann, habe ich mir zuerst eine große Karte des Mittleren Ostens gekauft. So konnte ich sagen, hier liegen das Königreich und die Außenbezirke. Da die Berge im Osten am Rande Pakistans und weiter weg liegt ein Reich der Rätsel und Mythen, ob wahr oder nicht.

moviepilot: War es schwer einen Film zu machen, der im Mittleren Osten spielt? Weil sich Muslime als falsch dargestellt empfinden könnten?
Mike Newell: Natürlich, wir wollten das auch nie so rüberbringen. In unserer Welt wollten wir nicht den Einfluss der Muslime zeigen, auch wenn sie tatsächlich direkt nach dem Untergang der Perser kamen. Wir waren in dieser Beziehung sehr vorsichtig. Es ging uns nicht darum, muslimische Empfindlichkeiten zu stören.

moviepilot: Gab es Vorbehalte der Macher hinsichtlich der Besetzung? Jake Gyllenhaal ist Amerikaner…
Mike Newell: Nein, weder für mich noch für Jerry Bruckheimer. Ich durfte casten, wen ich wollte. Schauspielerinnen aus der Türkei, Indien, Ägypten, Israel, Iran. Wir waren da sehr offen. Am Ende lief es auf dieses Mädchen (Gemma Arterton) heraus, dass ich einfach in der Rolle liebte. Wir hatten junge Männer aus ganz Europa und England beim Vorsprechen, aber ich hatte schon zu Anfang diesen besonderen Typen (Jake Gyllenhaal) im Auge. Ich dachte er wäre perfekt dafür. Er war ein toller Schauspieler und zeigte viel Sinn für Humor.

moviepilot: Er ist also nicht nur ein netter Körper..
Mike Newell: Nein, Jake Gyllenhaal ist ein richtiger Schauspieler. Ich wusste gar nicht, dass er so körperlich ist. Er hat sich wirklich den Arsch aufgerissen, frag seinen Trainer. Jeder der Kämpfe musste wie im Ballet choreographiert werden. Nur ein Millimeter daneben und jemand wäre enthauptet worden. Er hat dafür wirklich hart trainiert.

Ab dem 20. Mai läuft Prince of Persia: Der Sand der Zeit endlich in den deutschen Kinos. Dort könnt ihr selber feststellen, ob Jerry Bruckheimer und Disney ein ähnlicher Coup wie mit Fluch der Karibik gelungen ist. Checkt einfach unser Kinoprogramm.

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