TV-Kritik

RTLs Humor-Massaker: C.I.S. - Chaoten im Sondereinsatz

Auf Witz komm raus - Chaoten im Sondereinsatz
© RTL/Sony
Auf Witz komm raus - Chaoten im Sondereinsatz

-“Der Täter hat gestanden?”
-“Warum haben Sie ihm denn keinen Stuhl angeboten!”
-“Ich hab schon wieder einen sitzen…”

oder

-“Sicherheit geht vor!”
-“Kommissar Sicherheit, Sie gehen vor!”

Nicht komisch? Wer sich bei obigem Uralt-Kalauer nicht vor Lachen in Krämpfen windet, hatte beim gestrigen RTL-Film C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz wahrscheinlich genauso viel Spaß gehabt wie bei einer Magenspiegelung mit einem Gartenschlauch. Sasha gab den tappsigen Gerichtsmediziner, der sich auf die Suche nach dem (Brüller) 24h-Killer machte. Unterstützt wurde er dabei von Martina Hill, Dieter Thomas Heck und allem, was RTL ansonsten noch gerade in Reichweite rumstehen hatte. Von Tine Wittler, über Schuldenberater Peter Zwegat (der eine der besseren schauspielerischen Leistungen des Films ablieferte), Richter Alexander Holt, Angelika Kallwass, Restauranttester Rach, Ingrid van Bergen, Kai Ebel sowie die Stuntpuppen von Cobra 11.

Foto-Show: Die Bilder zu C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz

Viel hilft viel war die Devise des Films, der sichtlich großen Vorbildern wie Der Schuh des Manitu oder den noch legendäreren ZAZ-Komödien wie Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug nachzueifern suchte. Doch auch wenn er ein paar der besseren Gags dort einfach dreist klaute, waren Timing in Wort und Bild leider nicht mal im selben Universum wie obige Filme. Ein Fehler, den die unlustige Parodie-Reihe von Pro7 auch schon begangen hatte, als sie humoristische Totgeburten wie ProSieben FunnyMovie: Dörte’s Dancing in die Wohnzimmer sendete.

Angriff aus der Witzekiste

Das Hauptproblem ist hier wieder einmal der Glaube, man könne irgendwelche Kaspernasen einen Kalauer nach dem anderen runterrasseln lassen und irgendwann würde der Zuschauer schon aus Verzweiflung lachen. Statt gezielter Pointen kam ein Kugelhagel mittelmässiger Witze von Darstellern, die ihre Rollen nicht im Ansatz ernst nahmen. Was genau der Fehler war, denn Komik entsteht in guten Parodie-Filmen (oder Spoof-Movies, wie die Amerikaner sagen) immer durch die Ernsthaftigkeit, mit der alberne Situationen und Dialoge serviert werden. Die Filme des ZAZ-Gespanns und selbst spätere Nachzügler wie Hot Shots! – Die Mutter aller Filme oder Scary Movie servierten ihre Pointen trocken und ohne Augenzwinkern. Leslie Nielsen funktionierte früher, weil er als “Straight Man” bekannt war. Also als ernsthafte Respektsperson, der dem Publikum nicht durchtelegrafieren musste “Das ist jetzt lustig gemeint”. Parodien werden witziger, je ernster sie die Vorlage nehmen. Das wissen US-Filme wie Die nackte Kanone, das weiß auch Jon Stewart von der Daily Show.

Hierzulande braucht das Publikum aber anscheinend immer einen Anlacher, damit es weiß, dass es jetzt lachen darf. So wie der US-Titel Airplane! damals zu Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug verunstaltet wurde, damit auch dem Dümmsten klar war, dass es um eine Komödie ging, so muss auch bei deutscher Comedy immer “angelacht” werden. Darum ist die Heute-Show so spaßig wie Fußfäule, darum ist auch der lustig untertitelte C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz halb so komisch wie ein Obduktionsbericht einer Wasserleiche.

Parodie ohne Ziel und Verstand

Dabei ist wider Erwarten Sasha nicht mal so schlecht als Hauptdarsteller – zumindest nicht wesentlich schlimmer als der Rest der Truppe, die allesamt grimassieren und augenrollen wie Ingolf Lück, wenn er seinen Kamillentee nicht getrunken hat. Das eigentliche Zielformat CSI: Den Tätern auf der Spur, an dem es sicherlich genug zu parodieren gäbe, wird dabei nicht ernst genug genommen, als dass wirklich eine treffliche Satire herauskäme. Zu wenig werden die Klischees und Schwachpunkte herausgearbeitet. Selbst die Freitag-Nacht-News-Sketche C.S.I. – Wanne-Eickel oder die Switch Reloaded-Parodien waren da wesentlich origineller und zielgenauer als dieses Debakel.

Abgesehen von C.S.I.-typischen Zoomfahrten, die Details hervorheben, fiel den Autoren hier leider wenig ein. Lieber klatschte man Gastauftritt an Gastauftritt, ließ Tine Wittler die Pathologie neu dekorieren und dehnte abgedroschene Sex-Witzchen auf endlose Minuten aus. Der Aufwand dieser sicherlich nicht ganz billigen Sony-Produktion war dabei stellenweise beträchtlich und stand in keinem Verhältnis zur Qualität des Drehbuchs und dem Talent des Regisseurs, der schon zuvor bei Bernd das Brot und der Pro7 Märchenstunde besseres abgeliefert hatten.

Dass die Auflösung, in der sich der schon zu Beginn als Hitler veralberte Polizeichef als Mörder entpuppte, auch eher beiläufig abgehandelt wurde, passte zu diesem Vehikel, in dem sich viele Leute verheizen ließen, die eigentlich besser sein könnten.

Jedes Volk hat die Comedy, die es verdient. Vielleicht dürfen wir uns im Land, in dem Mario Barth und Ottos Zwergenfilme die Kinos füllen, nicht wundern, wenn die Produzenten denken, sie könnten dem Publikum einfach alles vorsetzen.

Sie haben ja recht.

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