Schauspieler, die wir uns im Kino zurückwünschen

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Meint es gut mit den Menschen.

Szene 1, Dschungelsoundeffekte, die tief liegende Kamera schleicht sich aus Sicht eines Tieres durchs Gestrüpp, dann lenkt sie den Blick auf die Wall Street – und wir HÖREN die nachhallende Stimme von Gene Hackman. So steht es geschrieben am Anfang des Drehbuchs zu The Wolf of Wall Street, das eine akustische Rückkehr jenes großen Schauspielers aus der Blütezeit New Hollywoods ankündigt, der sich trotz bester Gesundheit vor zehn Jahren in den Ruhestand verabschiedete. Doch der Wunsch von Autor Terence Winter musste unerfüllt bleiben: Gene Hackmans Stimme ist im Film nicht zu hören, alle mutmaßlichen Versuche von Martin Scorsese, ihn zumindest für ein hörenswertes Comeback zu gewinnen, sind offenbar gescheitert. Muss nun etwa tatsächlich, nachdem Hackman 2004 über fehlende Angebote klagte und 2008 endgültig das Ende seiner Schauspielkarriere bekannt gab, ausgerechnet Willkommen in Mooseport als dessen Abschlusswerk gesehen werden? Eine Provinzklamotte mit Ray Romano? Das kann es doch einfach noch nicht gewesen sein.

Natürlich erinnert der alles andere als ehrwürdige Abtritt – bei vollstem Respekt für die freie Entscheidung, seine Karriere selbst zu beenden, bevor genau dies vielleicht andere für einen tun – an die letzte Rolle einer weiteren Schauspiellegende, die sich vorzeitig aus dem Geschäft verabschiedete. Vom Aufhören, wenn’s am schönsten ist, konnte bei Sean Connery jedenfalls genauso wenig die Rede sein. Dessen finale Performance in Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen ist, da gibt es nun wirklich nichts zu beschönigen, ein unangemessener, geradezu obszöner Karriereabschluss (sollte es denn wirklich einer sein). Auch das ist wiederum über zehn Jahre her, obschon Connery zwischenzeitlich, anders als Hackman in The Wolf of Wall Street, zumindest seine Stimme zur Verfügung stellte. Und obwohl dessen damaliges Klagelied über das sinkende Niveau des Kinos weiterhin Gültigkeit besitzt, muss es bitte jemandem gelingen, die beiden mit einem passenden Projekt, einem rätlichen Drehbuch, einem fähigen Filmemacher auf die Kinoleinwand zurückzuholen.


Der Blick auf die Filmgeschichte offenbart eine hohe Zahl früh beendeter Schauspielkarrieren aus ganz unterschiedlichen Gründen. Grace Kelly etwa, die es durch lediglich 11 Kinofilme zur unsterblichen Legende brachte, nahm nach ihrer Heirat mit Fürst Rainier III. von Monaco 1956 nie wieder eine Rolle an (und bescherte Alfred Hitchcock damit ein lebenslanges Trauma). Louise Brooks, einer der größten Stummfilmstars des Kinos, konnte ihre US-Karriere nach diversen europäischen Erfolgen gegen Studiowiderstände nicht fortsetzen und zog sich 1938 endgültig aus dem Filmgeschäft zurück – bis zu ihrem Tod vergingen 47 Jahre, in denen sie kein einziges Mal vor der Kamera stand. Dennoch mag die Filmgeschichte auch Hoffnung geben. James Cagney, Hollywoods unglaublicher Tausendsassa und Star zeitloser Gangster-, Komödien- und Musicalklassiker, konnte 1981 nach 20 (!) Jahren Schauspielabstinenz für die Hauptrolle in Ragtime gewonnen werden. Ein Abschied für sich, das Kino und die Fans. Theoretisch also bliebe schon noch Zeit, um Sean Connery und Gene Hackman einen fulminanten oder auch ganz leisen letzten Auftritt zu schenken.

Aber es gibt selbstverständlich noch viele weitere Schauspielerinnen und Schauspieler, die das Kino schmerzlich vermisst. Seit jeher zählen Altersdiskriminierung insbesondere von Frauen sowie der Ruf nach familiären und mütterlichen Pflichten zu den wesentlichen Gründen vorzeitig versiegter Filmkarrieren in Hollywood. Endlos würde sich eine Liste jener Schauspielerinnen ausnehmen, die nicht Meryl Streep heißen und ab dem 50. Lebensjahr (meist noch früher) um Angebote ringen müssen. "Für ältere Frauen ist es fast unmöglich, gute Rollen zu bekommen", beklagte sich Sally Field jüngst über den Chauvinismus des Filmgeschäfts. In der Vergangenheit drohte weiblichen Filmstars dann entweder eine B-Movie-Karriere im glorreichen Psycho-biddy-Business, der Abstieg in TV-Niederungen oder neue Karrierezweige: Als Joan Crawford, die Mutter aller Filmdiven, in Hollywood nicht mehr gefragt schien, richtete sie sich nicht nur wie ihre langjährige Rivalin Bette Davis im Schlock-Horror, sondern auch im Aufsichtsrat von Pepsi (!) ein. Ruhestand war beiden ein Fremdwort, sie arbeiteten bis zum letzten Lebenstag, immer auf der Suche nach ein bisschen Restglanz, ein bisschen ehrwürdiger Grandezza.

Greta Garbo wiederum zog aus ihrem ersten Kassenflop die harte Konsequenz, sich im Alter von 43 Jahren für immer aus dem Kino zu verabschieden. Doris Day glaubte, mit 46 nicht mehr dem "Zeitgeist" zu entsprechen und tat es ihr gleich. Kim Novak, heute 80 Jahre alt, war 1991 das letzte Mal auf der Leinwand zu sehen. Sie resümierte öffentlich, nicht gemacht zu sein für ein "Hollywoodleben". Auch Goldie Hawn, die Beruf und Karriere augenscheinlich bestens vereinbaren konnte (und deren Kinder längst erwachsen sind), ist dem Kino im Jahre 2002 vollständig abhanden gekommen. Bridget Fonda hing ihre Filmkarriere nach der Hochzeit mit Komponist Danny Elfman 2003 offenbar zugunsten häuslicher Verpflichtungen – Selbstbestimmung schön und gut – mit gerade einmal 38 gleich komplett an den Nagel. Phoebe Cates, fast der gleiche Jahrgang wie Bridget Fonda, verließ das Filmgeschäft Ende der 1980er-Jahre mit der Geburt ihrer Kinder und kehrte nur ein einziges Mal, ebenfalls mit 38 im Jahre 2001, kurz auf die Leinwand zurück. Seither ist sie zwar auf hinteren Sitzplätzen von Oscarverleihungen, nicht aber im Kino zu sehen.

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