Sexploitation Cinema - Teil 4

Soledad Miranda - Die schönste aller Gitanas

Sie tötete in Ekstase
© CMV Laservision
Sie tötete in Ekstase

In einer Zeit der sexuellen Liberalisierung, in der Männer zum Mond aufsteigen und die Säume der Frauen sie dorthin begleiten, befinden sich Jesús Franco und Soledad Miranda auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Zusammen drehten sie stilprägende Genreklassiker, doch der Herr, der sie schuf, beschenkte sie leider nur mit einem kurzen Leben.

Soledad Miranda wurde 1943 in Sevilla als erstes von sechs Kindern portugiesischer Einwanderer geboren. Sie war die Nichte der spanischen Schauspielerin und Tänzerin Paquita Rico und wollte ebenso wie sie mit Tanz und Musik berühmt werden. Als andalusisches, temperamentvolles Zigeunermädchen aus Triana debütierte sie im Alter von acht Jahren als Flamenco-Tänzerin und Sängerin auf einem Jahrmarkt in Sevilla. Fortwährend trat sie in Theatern auf und tourte mit einer Flamencogruppe durch den Süden Spaniens. Mit 16 Jahren zog sie nach Madrid, um ihren Traum Schauspielerin zu werden, einen Schritt näher zu kommen.

Eigentlich geboren als Soledad Rendon Bueno, entschied sich für einen Künstlernamen. Aus einem Hut, der mit kleinen Zetteln verschiedener Namen beschriftet war, zog sie per Zufall den Namen Miranda. Ihr Filmdebüt gab sie 1960 in dem Musicalfilm La Bella Mimi. Zu dieser Zeit lebte sie mit einigen Gypsies in dem Haus von Mikaela Woods, welches unter anderem Jess Franco häufig besuchte. Dort traf er auch zum ersten Mal auf seine Soledad. Von ihrer betäubenden Schönheit und märchenhaften Erscheinung in Trance versetzt, besetzte er die junge Zigeunerin in seinem Musicalfilm La Reina del Tabarin.

Die Entdeckung von Soledad Miranda durch Jess Franco ist das sexuelle Äquivalent zu Karl Vollmöller und Marlene Dietrich, wobei Franco zusätzlich die Rolle des Regisseurs Josef von Sternberg übernimmt. Er schafft es, ihre erotische Hingabe und Schönheit auf die Leinwand zu projizieren und so den eigentlichen Plot zur Nebensache zu machen. Jess Franco, der von der katholischen Kirche zum gefährlichsten Regisseur der Welt ernannt wurde, drehte zusammen mit Soledad Miranda sechs Filme. Nachdem sie 1960 zum ersten Mal mit Jess Franco zusammen gearbeitet hat, dauert es neun Jahre, bis ihre eigentliche Zusammenarbeit beginnt. Zwischen 1960 und 1969 etablierte sich Soledad Miranda als Schauspielerin in spanischen TV-Produktionen und drehte in dieser Zeit mehr als 20 Filme – darunter Spagetti-Western, Komödien, Dramen und Horrorfilme. Neben der Schauspielerei war sie auch als spanische Popsängerin aktiv und veröffentlichte zwei Platten mit jeweils vier Songs. Zwischenzeitlich zog sie sich aus der Schauspielerei zurück, heiratete einen portugiesischen Rennfahrer und bekam einen Sohn.

Erst nach knapp einer Dekade wird Soledad von Jess Franco wiederentdeckt und besetzt. 1969 spielt sie mit den diabolischen Schwergewichten Klaus Kinski und Christopher Lee sowie der bezirzenden wienerischen Bergblüte Maria Rohm zusammen in Nachts, wenn Dracula erwacht. Doch leider hat sie in Count Dracula, ebenso wie in ihrem nächsten Jess Franco Film Die nackten Augen der Nacht nur einen sehr kleinen Auftritt mit wenig Spielzeit. In ihren vorherigen spanischen Filmen spielte sie stets die zerbrechliche und unschuldige Heroine. Jess Franco erkannte ihre elegante, sinnliche Seite und erotisierte ihr komplettes Image und wurde zur mysteriösen Ikone in seinen Werken.

Aufgrund der erotisch-sexuellen Darstellungen in seinen Filmen änderte sie erneut ihren Namen von Soledad Miranda zu Susann Korda. Aus Angst vor den möglichen Reaktionen ihrer Familie durch das Mitwirken an Sexfilmen, zudem klang Susann Korda internationaler. Der Name stammt von Jess Franco und ist eine Anlehnung an den Produzenten Alexander Korda und der Autorin Jacqueline Susann. Nach diesen zwei kurzen Auftritten castete Franco schließlich seine Soledad als Hauptdarstellerin in Eugenie de Sade. Als literarische Grundlage dient Marquis de Sade’s Werk, Philosophie im Boudoire. Die Verführung des unschuldigen Mädchens zum Bösen erfolgt durch systematische Korrumpierung durch einen perversen Stiefvater und wirkt wie ein delirierender Traum vom Regisseur Franco selbst. Soledad dominiert und bereichert diesen Film, indem sie mit ihren unergründlichen Augen und angezogenen Knien, sich selbst streichelnd auf der Couch sitzt und ihrem Stiefvater lauscht, während sie sich zu einer kindlich-koketten Mörderin entwickelt. Der Score, den Bruno Nicolai beisteuerte, verleiht dem Film zusätzlich seine mysteriöse Schönheit.

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