Star Wars-Star in erschütterndem Thriller: Hier wird Rassismus zum Horrorfilm

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John Boyega in Detroit
27.09.2020 - 20:45 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Heute strahlt Arte Detroit als Free-TV-Premiere aus. Der aufwühlende Thriller über Polizeigewalt und institutionellen Rassismus hat drei Jahre nach seinem Erscheinen nichts an aktueller Wucht verloren.

Mit den realen Bildern des grausamen Todes von George Floyd im Kopf hat Detroit nur noch weiter an Bedeutung zugenommen. Knapp drei Jahre nach seinem Erscheinen strahlt Arte den harten Thriller von Kathryn Bigelow als deutsche Free-TV-Premiere aus. Danach könnt ihr den Film ansonsten in der Arte-Mediathek schauen.

In ihrem Film vermischt die Regisseurin die wahren Hintergründe der Unruhen in Detroit von 1967 mit fiktiven Elementen, um ebenso furios wie erschütternd von Polizeigewalt und institutionellem Rassismus sowie dem Zusammenhang zwischen beidem zu erzählen.

In Detroit wird ein Stück Zeitgeschichte zum gnadenlosen Thriller

In Kathryn Bigelows Detroit der 60er-Jahre eskalieren in der titelgebenden Stadt die brodelnden Konflikte zwischen dem afroamerikanischen Teil der Bevölkerung und der Polizei. In der Realität führten die Ereignissen zu gewalttätigen Aufständen, die im Juli 1967 begannen und erst vier Tage später nach massiven Zerstörungen, vielen Verletzten und über 40 Toten endeten.

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Detroit - Trailer (Deutsch) HD
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Mit den Mitteln des Kinos formt Kathryn Bigelow aus dem realen Stück Zeitgeschichte zunächst drastische Momentaufnahmen, die durch die unruhigen Handkamerabilder dokumentarisch wirken. Aus den wütenden oder panischen Gesichtern inmitten von Polizisten, die in Panzern durch Stadtviertel streifen, schält sich langsam eine Gruppe zentraler Figuren heraus, denen die Regisseurin bei den brutalen Straßenschlachten in Detroit folgt.

Unter ihnen ist auch der von John Boyega gespielte Security-Wachmann Melvin Dismukes. Seine Figur verdeutlicht den Ansatz der Regisseurin, die realen Aspekte ihrer Geschichte mit fiktiven Facetten anzureichern, um bestimmte Standpunkte und Sichtweisen unmissverständlich zu vermitteln.

Die Figur des Stars aus der neuen Star Wars-Trilogie verkörpert in Detroit ein Gefühl der Machtlosigkeit, die einen gutmütigen, hilfsbereiten Kontrast zu den brutalen Ereignissen bieten soll. Seinen Höhepunkt erreicht der Film aber in der Mitte, wenn Kathryn Bigelow ihre Rassismus-Thematik plötzlich in einen unangenehmen Horrorfilm verwandelt.

Will Poulter in Detroit

Will Poulter wird in Detroit zum Teufel in Menschengestalt

Der zentrale Teil von Detroit spielt sich im Algier Motel ab, das von drei weißen Polizisten gestürmt wird, weil sie hier ebenfalls einen Scharfschützen mitsamt Tatwaffe unter den Aufständen vermuten. Durch die kammerspielartige Reduktion entladen sich auf engem Raum Unterdrückung, Demütigung, Misshandlung, Folter und Mord von mehreren afroamerikanischen Menschen.

Gerade die furchterregende Schauspielleistung von Will Poulter als sadistischer Polizist Philip Krauss, den die Regisseurin für die Handlung erfunden hat, wird man nach dem Film nicht mehr so leicht vergessen. Wer den Darsteller nur aus kinderfreundlicheren Produktionen wie Die Chroniken von Narnia 3 oder Maze Runner kennt, wird von seiner Darstellung dieses Teufels in Menschengestalt extrem vor den Kopf gestoßen.

Als wütender Aufschrei ist Detroit am Ende ein Werk, das den Finger mit nachhallender Wut in eine offene Wunde drückt. Durch offensive Zurschaustellung, bitteres Anklagen und explizites Aufzeigen erschütternder Missstände erinnert Kathryn Bigelow an etwas, das gerade in Anbetracht aktueller gesellschaftlicher Zustände nicht in Vergessenheit geraten darf.

Habt ihr Detroit schon gesehen oder wollt ihr den Film noch schauen?

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