Sexskandalfilme im Wandel der Zeit - Teil 4

Striptease und frühreife Teenies in den 90ern

Basic Instinct
© STUDIOCANAL
Basic Instinct

Beim Gedanken an die 90er schleicht sich häufig das Gefühl ein, dass diese Dekade gar nicht allzu weit von unserer Gegenwart entfernt ist. Zumindest geht das wohl denen unter euch so, die das Jahrzehnt bewusst miterlebt haben. Neben dem Fall der Mauer und dem Wiederannähern von Ost und West waren die 90er jedoch auch von technischen Innovationen geprägt. Wer erinnert sich nicht gern an sein erstes Mobiltelefon, den Diskman als revolutionäre Weiterentwicklung des Walkmans und an den kurzweiligen Hype um Tamagotchi-Eier? Auch den rauschenden Pfeifton, den damals das Modem bei der Einwahl ins WWW von sich gab, behalten 90er-Kids bis heute in liebevoller Erinnerung. Die Lust am Technoiden setzte sich weiter auf musikalischer Ebene fort und sorgte über das ganze Jahrzehnt hinweg für einen hohen Zulauf an begeisterten Ravern bei der Loveparade. Währenddessen läutete der Tod von Kurt Cobain das Ende des Grunge ein, Schafe wurden geklont und Präsident Bill Clinton vergnügte sich im Weißen Haus mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky, was anschließend zu einem gigantischen Polit- und Medienskandal aufgeblasen wurde.

Verzerrte Bilder von Jugend und Weiblichkeit
In Sachen Sexskandale sparte auch die Filmwelt der 90er nicht an provokativen Themen, die in der Öffentlichkeit für Entrüstung sorgten. 1992 brachte Paul Verhoeven seinen Erotikthriller Basic Instinct in die Kinos und setzte Sharon Stone als mordenden Maneater in Szene, die einen Polizeibeamten für ihre perfiden Zwecke verführt und manipuliert. Der Film sorgte besonders bei Feministinnen für einen empörten Aufschrei, da Basic Instinct angeblich weibliche Sexualität als die Quelle allen Übels darstellte. Dass dagegen Michael Douglas in der Rolle des Polizisten ein männliches Dusseltier spielte, das seinen elementarsten Instinkten vollkommen ausgeliefert ist, schien derweil niemanden besonders zu stören.

Als verstörender Albtraum vieler Eltern bleibt derweil Kids (1995) von Larry Clark in Erinnerung, dessen Co-Autor Harmony Korine sich übrigens den kürzlich erschienen Spring Breakers als Regiearbeit auf die Fahne schreiben kann. Kids erzählt das Leben einer Gruppe Heranwachsender in New York, das von Drogenexzessen und Kriminalität aus Gleichgültigkeit geprägt ist. Eine besondere Rolle spielt hierbei der Teenager Telly, der jungfräulichen Mädchen reihenweise die Unschuld raubt, obwohl er unwissentlich mit HIV infiziert ist. Als besonders umstritten gilt die Darstellung von Minderjährigen beim Sex, auch wenn die betreffenden Schauspieler zum Zeitpunkt des Drehs bereits volljährig waren.

Entblätterung auf der Leinwand
1995 war auch das Jahr, in dem sich Paul Verhoeven mit seinem Film Showgirls zurückmeldete: Die Tänzerin Nomi Malone (Elizabeth Berkley) trampt auf der Suche nach Ruhm und Erfolg nach Las Vegas und wird Darstellerin in einer Stripshow. Um ihren Traum zu verwirklichen und der Star der allabendlichen Fleischbeschau zu werden, verstrickt sie sich in einen bitterbösen Konkurrenzkampf mit ihrer Kollegin Cristal, bis sie schließlich von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt wird. Während Showgirls bei seinem Erscheinen nur mäßige Kritiken erntete, gilt er mittlerweile als Kultfilm. Andrew Bergmans Striptease, der sich einer ähnlichen Thematik verschrieben hatte, gilt allerdings bis heute als Flop und wurde schon nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1996 mit sechs Goldenen Himbeeren ausgezeichnet. Eine ehemalige FBI-Mitarbeiterin (Demi Moore), die sich mit Strippen für die anstehende Sorgerechtsklage um ihre Tochter ein finanzielles Polster anlegen will, klingt auch alles andere als überzeugend. Dass Demi Moore vor den Dreharbeiten offensichtlich in Sachen Körbchengröße ordentlich nachgeholfen hatte, konnte über den mangelhaften Plot leider auch nicht hinwegtäuschen.

Dass Sex im Showbiz ein kompromissloses und gefährliches Spiel sein kann, zeigte ein Jahr später auch Boogie Nights von Paul Thomas Anderson. In Anlehnung an den ehemaligen Pornodarsteller John Holmes, der zeitlebens mit einem überdimensionalen Gemächt gesegnet oder verflucht war (wie man’s nimmt) und in den 80ern schließlich an AIDS starb, bestieg Mark Wahlberg in der Rolle von Dirk Diggler die Karriereleiter der 70er-Jahre-Pornoindustrie. Die letzte Einstellung des Films zeigt sogar für einen kurzen Moment die sagenumwobene Hosenschlange, allerdings ist davon auszugehen, dass diese nicht Mark Wahlbergs tatsächlicher Ausstattung jenseits der Gürtellinie entspricht.

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