Tatort Kritik

Tatort - Stuttgart wünscht Happy Birthday, Sarah!

Tatort - Happy Birthday, Sarah
© SWR/ARD
Tatort - Happy Birthday, Sarah

Die letzten Krimis aus Stuttgart konnten qualitativ nicht immer überzeugen. Dafür entschädigt der neue Tatort um Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare), der bei der Auflösung des brutalen Mordes an einem Sozialarbeiter einige spannende Finten schlägt. Manch Plotstrang bleibt in Tatort: Happy Birthday, Sarah! dabei unvollendet auf der Strecke. Im Großen und Ganzen haben wir es hier aber mit einem überzeugenden Krimi zu tun, der besonders von der talentierten Jungdarstellerin Ruby O. Fee profitiert.

Lokalkolorit: Ob cool heruntergekommener Jugendclub oder gar nicht so cool verwahrloste Wohngegend, einladende Villa oder anonymes Hightech-Hotel – das verbindende Element dieser im Krimi durchleuchteten Räumlichkeiten ist die titelgebende Sarah und vor allem eines: ihr mp3-Player. Die Stones, Prodigy oder Metallica dröhnen durch ihre Kopfhörer, um sie von Geschrei und Gewalt der Außenwelt abzuschotten. Es liegt im Verlauf des Films an den beiden Kommissaren, trotz der etwas anderen Wall of Sound zu ihr durchzudringen.

Plot: Ein Sozialarbeiter wird tot in der Damentoilette eines Jugendclubs aufgefunden. Kollegen wie Jugendliche geraten ins Fadenkreuz der Ermittler. Dabei konzentrieren sich Lannert und Bootz auf die junge Sarah (Ruby O. Fee), die bei ihrer Schwester und deren gewalttätigem Freund sowie dessen leicht zu beeindruckender Dogge haust. Das wehrhafte Mädchen gibt vor, von dem Sozialarbeiter belästigt worden zu sein. Doch war es wirklich Notwehr, die den Streetworker in der Toilettenschüssel enden ließ?

Unterhaltung: Wasserdicht ist der Fall in Happy Birthday, Sarah! ganz sicher nicht. Im Verlauf des Tatorts werden einige Fährten mit aller Offensichtlichkeit ausgelegt, die dann recht faul vom Tisch gefegt oder einfach nicht mehr erwähnt werden. Es ist schließlich nie ein gutes Zeichen, wenn für ungeheuer wichtig gehaltene Figuren in der Mitte des Films auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Zumindest in einem den Konventionen verschriebenen Krimi und genau das ist Happy Birthday, Sarah! Davon abgesehen bietet der Tatort allerdings kurzweilige Unterhaltung, die nach der ersten halben Stunde etwas an Dynamik verliert, dafür aber das Privatleben des frisch getrennten Bootz sinnig ins Geschehen integriert.

Tiefgang: Clever erweitert Autor Wolfgang Stauch nach den ersten vermeintlichen Enthüllungen in diesem Krimi sein Figurenkabinett, führt uns vom Problemkiez weg zur dekadenten Verschleuderung ererbten Geldes durch den Industriellensohn Schöllhammer (Patrick von Blume), aber auch in die Mittelklasse, hinter deren bürgerlicher Fassade nicht selten Eifersucht und Gewalt lauern. Die bekommt auch Sarah zu spüren, eine von ganz unten, die mit diesen Schichten in Berührung kommt, aber weder den nötigen Halt noch die ersehnte Sicherheit findet. Verkommenheit wartet hier an jeder (gut gepflegten) Ecke.

Mord des Sonntags: Ertrunken in der Toilette. Mehr muss man nicht hinzufügen.

Zitat des Sonntags: “Happy Birthday!”

Die Stuttgarter haben hier einen ihrer besseren Fälle abgeliefert oder was meint ihr?

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei moviepilot.de, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.
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