Tom Hardy im Porträt: Die Nuancen der Physis

Tom Hardy in Legend
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Tom Hardy hat sein facettenreiches Spiel schon in einigen Filmen, in so mancher Fernsehserie und auf der Bühne zur Schau gestellt. Ab dem 7. Januar wird er das nächste Mal auf der Leinwand zu sehen sein. In Legend spielt er die beiden Brüder Ronnie und Reggie Kray, die in den 60er Jahren die Londoner Unterwelt dominierten. Die Darstellung zweier verschiedener Charaktere in einem Film dürften für jeden Schauspieler eine Herausforderung darstellen. Dass der Brite zwischen verschiedenen Rollen changieren kann, hat er aber bereits bewiesen.

Die Wut, das Bizarre und die gerade Linie

Was vielleicht zuerst in den Sinn kommt, wenn wir an Tom Hardys Rollen denken, ist seine Intensität gepaart mit einer einschüchternden Physis, die eine ganz eigene Präsenz schaffen. Die bewegt sich zwischen bedrohlicher Bestimmtheit, und einer gewissen beruhigenden Sensibilität, kann aber im nächsten Moment aufbrechen, um die Verletzlichkeit der jeweiligen Figur zu offenbaren. Ein Beleg ist seine Rolle als MMA-Kämpfer Tommy Riordan in Warrior. Dort machte er auf den ersten Blick den Eindruck eines blindwütigen Wilden, der jeden seiner Gegner binnen Sekunden zusammenfaltet. Über den Verlauf der Handlung und die Entwicklung des Charakters zeigte sich, dass sich dahinter ein enttäuschter Sohn und ein im Stich gelassener Bruder verbergen. Zwei Züge, die Tom Hardy gleichermaßen prägnant verkörperte, was dem Charakter im Finale eine geradezu kathartische Wandlung bescherte.

In Nicolas Winding Refns surrealistisch angehauchtem Porträt Bronson des gleichnamigen berüchtigten Gefängnisinsassen aus England vermengte Hardy die muskulöse Statur mit einer Form absurd süffisanten Humors, die das Phänomen des Gefangenen Charles Bronson einfangen sollten. Der wurde schon als junger Erwachsener wegen eines Überfalls inhaftiert und hat sich seitdem vorwiegend mit Entführungen, Geiselnahmen und Schlägereien mit Mithäftlingen und Wachpersonal in Gefängnissen die Zeit vertrieben. Tom Hardy machte den Charakter aber nicht greifbar, sondern suhlte sich regelrecht in der Groteske der unergründlichen Geschichte dieses Mannes. Mit Erfolg.

Eine relativ geradlinige Rolle spielte er in Christopher Nolans Abschluss seiner Batman-Reihe The Dark Knight Rises. Als Bane verkörperte er eine der wenigen Figuren der Reihe, die dem dunklen Ritter in puncto schierer Kampfkraft noch überragen. Im Comic wie im Film ist er es, der Batman im wahrsten Sinne des Wortes bricht. Unabhängig von der Frage, ob die Figur die Fußstapfen von Heath Ledgers Joker jemals hätte ausfüllen können oder ob es eine zufriedenstellende Entscheidung war, ihm diese monströse Maske zu verpassen, spielte Tom Hardy die Rolle des gerissenen Schlägers mit einem unheimlichen Charisma. Das konnten auch ein exaltierter Akzent und ein Stimmenverzerrer nicht vollends brechen.

Stoischer Ausdruck und andere Qualitäten

Allerdings beherrscht der Schauspieler auch die Kunst der stoischen Miene, wie er vor Kurzem in Mad Max: Fury Road unter Beweis stellte. Zwischen knatternden Motoren, fliegendem Staub, einer Menge explodierender Karosserien und an der Seite der strahlenden Charlize Theron als Imperator Furiosa beschränkte sich seine Version von Max Rockatansky eher auf grimmige Blicke, das wilde Fuchteln mit Feuerwaffen und ein anerkennendes Nicken mit einem gehobenen Daumen. Ein wenig gesprächiger, aber mindestens genauso übelgelaunt verkörperte Tom Hardy Forrest Bondurant. Einen von drei Brüdern und Betreiber einer Schwarzbrennerei irgendwo im Hinterland des Virginias der 30er Jahre in Lawless - Die Gesetzlosen. Bondurant dürfte recht wenig gemein haben, mit den Kray-Brüdern, die Tom Hardy in Legend spielt. Nichts von der Eleganz, des aufgesetzt-kultivierten Habitus' und des Großstadt-Flairs, in dem sich Verbrecher sonst so gern sonnen. Forrest Bondurant ist ein roher, aber unbeirrbar treuer Hinterwäldler, der sich weder von Konkurrenten, noch von Regierungsbeamten einschüchtern lässt.

Auf der anderen Seite muss Tom Hardy aber auch zugestanden werden, dass sein Schauspiel nicht allein durch Muskelmasse und physische Präsenz gestützt wird. Im Gegenteil, denn er begann seine Karriere als schmächtige Randfigur in der Mini-Serie Band of Brothers und Ridley Scotts Black Hawk Down. Neben zwischenzeitlichen Gastspielen beim Theater konnte er danach auch durch nuanciertes Spiel und Eloquenz überzeugen. Spielte er in RocknRolla noch den gewitzten Handsome Bob, war es in Dame König As Spion der einigermaßen hilflose Agent und Frauenheld Ricki Tarr. In Inception schlüpfte er dagegen in die Rolle des schlagfertigen und vielseitigen Fälschers Eames.

Ein ganzen Film alleine zu tragen, fiel ihm auch nicht schwer. Für No Turning Back schwang sich Tom Hardy vor nicht allzu langer hinter das Lenkrad eines Wagens und fuhr 90 Minuten über nächtliche Straßen von Birmingham nach London, während seine Welt um ihn herum zusammenstürzte. Dabei beantwortete er lediglich Telefongespräche und gestaltete so ein spannendes Kammerspiel quasi im Alleingang. Es scheint alles nur eine Frage der Einstellung zu sein. So klang es zumindest in einem Interview mit der britischen Ausgabe des Esquire im letzten Jahr:

Es gibt zwei Arten von Schauspiel: Überzeugend und nicht überzeugend. Die Leute beschreiben mich als intensiv. Weil ich mich darum schere. Ich bin absolut schrecklich, weil ich mich schere. Weiß ich, was ich tue? Nein. Habe ich die besten Absichten? Ja. Bringt mich das in die Hölle? Manchmal.

Wohin ihn das in Legend bringt, werden wir im kommenden Jahr sehen. Wenn Tom Hardy wieder auf der Leinwand zu sehen ist.

Welche ist eure liebste Rolle von Tom Hardy? Freut ihr euch, ihn in Legend gleich im Doppelpack zu sehen?

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