Tom Hardy in Windeln: Nach Marvel-Desaster kommt ein bizarrer Mafia-Fiebertraum

12.05.2020 - 15:45 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Capone - Trailer (English) HD
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© Vertical Entertainment
Tom Hardy in Capone
In Capone spielt Tom Hardy den legendären Gangsterboss Al Capone in dessen letzten Jahren. Die gespaltenen ersten Kritiken lassen das Bild eines faszinierenden Albtraums entstehen.

Als Schauspielstar verlässt sich Tom Hardy immer wieder vor allem auf seine ausdrucksstarke Körperlichkeit. Seine Rollen in Filmen wie Bronson, Warrior, The Dark Knight Rises oder Mad Max: Fury Road sind in der Regel Figuren, die Zuschauern durch ihr wuchtiges Erscheinungsbild in Erinnerung bleiben.

Zu diesen markanten Rollen dürfte sich auch bald die Hauptfigur aus Capone dazugesellen. In dem neuen Film von Chronicle- und Fantastic 4-Regisseur Josh Trank spielt Hardy den legendären Gangster Al Capone. Jetzt sind erste Kritiken zu Capone erschienen, die sehr gespalten ausfallen und trotzdem einen faszinierenden Eindruck von dem Film vermitteln.

Capone wird als abgefahrener Fiebertraum in Filmform beschrieben

Die Handlung von Capone zeichnet den Gangsterboss bereits nach seiner Glanzzeit, als dieser nach einer 11-jährigen Haftstrafe nur noch ein Schatten seiner selbst und dem Tod nahe ist. In seiner Kritik für IndieWire  bezeichnet David Ehrlich den Film als hohlen und doch sehenswerten Versuch der Selbstvernichtung und vergleicht Capone mit Gus Van Sants Last Days:

Josh Tranks Capone ist ein abgestorbenes Gangster-Biopic, das als eines der unversöhnlichsten Selbstporträts des modernen Kinos durchgeht. Es macht für Scarface das, was Gus Van Sants Last Days für Kurt Cobain getan hat: Nicht viel und das bis ins kleinste Detail.
Aber während beide Filme einen düsteren Blick auf das letzte Kapitel des Lebens eines sagenumwobenen Rockstars bieten, hat dieser den Mut, noch viel düsterer zu sein; Wenn Van Sants Film zugedröhnt war, ist Tranks völlig zombifiziert.

Schaut euch hier den Trailer zu Capone mit Tom Hardy an

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Von dem Wahnsinn, den Capone durch diesen Stil entfachen soll, bekommt Chris Evangelista in seiner Kritik für Slash Film  gar nicht genug:

Fakten spielen hier keine Rolle mehr - für Trank ist es in Ordnung, seltsame Szenen außerhalb der Realität zu inszenieren, denn viel von der Erzählung findet nur in Capones verwirrtem Verstand statt. Flutwellen, CGI-Alligatoren und Charaktere, die sich ihre eigenen Augäpfel aus dem Schädel schneiden - wann habt ihr sowas zum letzten Mal in einem Gangsterfilm gesehen?

Richard Roper war von diesem wüsten Ansatz in seiner Kritik für die Chicago Sun-Times  schnell genervt:

Es ist potenziell frisches und einzigartiges Material, das von den ersten Szenen an unter der stumpfen Ausführung leidet. Capone ist ein schädlicher Film über einen schädlichen Mann - eine grausame und groteske Seherfahrung, die uns nichts neues über Capone erzählt, während unsere Nasen in eine abscheuliche Szene nach der anderen gerieben werden.

Tom Hardy ist ein naturgewaltiges Ereignis im Zentrum von Capone

Auch wenn die Meinungen zu Capone gespalten ausfallen, sind sich so ziemlich alle Kritiker einig, dass Tom Hardy in der Hauptrolle ein fast schon unbeschreibliches Erlebnis darstellt - ebenfalls auf positive wie negative Art. Josh Wilding lässt sich für Comic Book Movie  direkt zu einem Superlativ hinreißen:

Im Zentrum von all dem ist Tom Hardy, der eine Karrierebestleistung abliefert, die niemals weniger als faszinierend ist.
Tom Hardy in Capone

In ihrer Entertainment Weekly -Kritik schreibt Leah Greenblatt dagegen von einem Hauptdarsteller, der viel zu dick aufträgt:

Es hilft auch nicht, dass [Tom] Hardy, trotz des gutturalen Knurrens und der Tics, um den Preis des meisten Schauspielers zu wetteifern scheint. So verlockend es auch ist, sich in diese Rolle so richtig reinzubeißen, wirkt es für ihn auch wie eine Falle - und es macht seine besseren, subtileren Momente für die niederen Freuden zunichte, über den Bildschirm zu poltern und ungehalten rumzubrüllen.
Was auch immer Capones Sündenregister sein mag, es ist schwer, viel mehr als Ekel oder Mitleid für dieses verwundete, in Windeln gelegte Tier zu finden, das nur noch ein flackerndes Gefühl dafür hat, wer er einmal war.

Da Josh Trank Al Capone in einer Verfassung zeigt, bei der dieser bereits an schweren Krankheiten wie Syphilis und Demenz litt und wegen seiner Inkontinenz Windeln tragen musste, soll sich Tom Hardys Erscheinungsbild gewaltig von dem des konventionellen Film-Gangsters abheben. In seiner Kritik für The Wrap  beschreibt Steve Pond den Film im Teaser daher nur so:

Ihr habt Al Capone nicht gesehen, bis ihr ihn an einer Karotte kauen seht, während er ein Maschinengewehr bedient und eine runterhängende Windel trägt.

Capone ist für Josh Trank ein wichtiger Film

In seiner bisherigen Karriere als Regisseur markiert Capone für Josh Trank einen wichtigen Punkt. Aufgrund des desaströsen Fantastic 4-Reboots, das von Kritikern und dem Publikum zerrissen wurde und am Box Office  gnadenlos unterging, wurde Trank gewissermaßen aus Hollywood verbannt.

Zuvor galt er dank Chronicle - Wozu bist du fähig?, sein origineller Mix aus Found-Footage, Coming-of-Age- und Superheldenfilm, in der Szene noch als neues Regie-Wunderkind. Bei Fantastic 4 gingen die Meinungen jedoch stark auseinander zwischen Berichten von massiven Studio-Eingriffen bei dem Marvel-Blockbuster und vermehrten Schilderungen von Trank als Person, die sich am Set mehrfach unangemessen verhalten haben soll.

Capone wird jetzt zeigen, ob Trank nochmal eine Art Comeback gelingen kann. Aufgrund der Coronakrise wurde der Kinostart des Films, der bereits vor vier Jahren erstmals unter dem alten Titel Fonzo angekündigt wurde, aber vorerst gestrichen.

In den USA ist Capone seit dem 12. Mai 2020 als VOD erhältlich. Über eine deutsche Veröffentlichung gibt es derzeit keine Infos.

Machen euch die Kritiken zu Capone neugierig auf den Film?

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