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Nennt mich einfach Dude

Top 7 der sympathischen Filmversager

19.05.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Paul Rudd als Ned in My Idiot Brother
© Weinstein Co.
Paul Rudd als Ned in My Idiot Brother
Our Idiot Brother kam in nächster Woche in die deutschen Kinos. Inspiriert von Paul Rudd als idiotischer Bruder haben wir uns Gedanken über die sympathischsten Filmversager gemacht. Zeit für eine Top 7.

Our Idiot Brother startet diese Woche in den deutschen Kinos. Im der Komödie treibt Ned alias Paul Rudd seine Schwestern zur Weißglut. Dabei ist er einfach nur ein netter Typ. So nett, dass er einem gestressten Polizisten Gras verkauft – und dafür in den Knast wandert. Als er wieder raus kommt, wird der arme Biobauer auch noch von seiner Freundin verlassen und muss bei seinen vielbeschäftigten Schwestern wohnen. Dabei will er doch einfach nur seinen geliebten Hund Willie Nelson zurück und ein ruhiges Leben führen. Mit seiner lockeren und vor allem ehrlichen Art passt er einfach nicht in das schnelllebige New York und so gerät er unbeabsichtigt von einer Verlegenheit in die nächste.

Ned ist ein Charakter wie wir ihn in Filmen mögen. Die liebevollen Versager sind fester Bestandteil der Filmgeschichte und es ist immer wieder eine Freude, ihren Fehltritte beizuwohnen. Inspiriert von Our Idiot Brother versuchen wir uns an einer Top 7 der sympathischsten Filmversager. Wir sammeln Typen, vor deren Erschaffung der liebe Gott mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, Typen, die irgendwie nichts auf die Reihe kriegen, Typen, die an keinem Fettnäpfchen unbeschadet vorübergehen, Typen, denen die eigene Verpeilung immer wieder im Weg steht, Typen, die eher Lebenskünstler als Künstler sind.

7. Marcel Marx – Der Bohémien
Aki Kaurismäki hat seine Figur Marcel Marx, gespielt von André Wilms, so lieb gewonnen, dass er sie gleich zweimal als Protagonist in einem seiner Filme besetzt: In Das Leben der Boheme und Le Havre. Marcel Marx ist ein mittelmäßiger Autor, der sich selbstverständlich für genial hält. In jungen Jahren versucht er sich in Paris, wo sein Roman, der eher die epische Länge eines Manifests erreicht, von niemandem verlegt wird. So hangelt er sich von einem Glas Wein zum nächsten, immer auf der Flucht vor seinen zahlreichen Gläubigern. Seine späteren Jahre verbringt er in Le Havre – als Schuhputzer in einer Zeit der Billigturnschuhe. Kein Wunder, dass sich in seinem Leben außer dem Wohnsitz nicht viel geändert hat.

6. Kai – Der Kiffer
Kai alias Pink alias Moritz Bleibtreu aus Lammbock – Alles in Handarbeit ist ein sympathischer Kerl. Sein Anspruch an das Leben ist gering: eine gute Tüte, Playstation zocken, Tarantino-Filme schauen und mit Kumpels über Mehmet Scholl philosophieren – das reicht ihm vollkommen aus, um glücklich zu sein. Finanziell geht es ihm gut. Von seiner als Pizzeria getarnten Zentrale aus, betreibt er einen florierenden Grashandel. Probleme bleiben einem so verpeilten Typen wie Kai natürlich nicht aus. Aber letztendlich ist er smart genug, um mit Blattläusen auf seiner Hanfplantage und eingeschleusten Zivilpolizisten fertig zu werden. Und wenn er nicht gestorben ist, dann sitzt er noch heute stoned auf seiner Couch im beschaulichen Würzburg.

5. Napoleon Dynamite – Der Nerd
Napoleon Dynamite, gespielt von Jon Heder, ist bei weitem nicht so cool wie sein Name. Er lebt mit seiner Quad-begeisterten Großmutter und seinem großen Bruder Kip, der seine Zeit mit ‘Babes’ aus dem Internet verbringt, in Preston, Idaho. Mit oldschooliger Brille, Löckchen und unreiner Haut ist der arme Teenager das exakte Gegenteil von attraktiv. Immerhin, Napoleon ist ein ambitionierter Tänzer und sorgt mit seiner Choreo zu Jamiroquai für Begeisterungsstürme. Im Laufe des Film schafft er es sogar, bei einem Mädchen zu landen und zeigt allen Möchte-Gern-Machos da draußen, wie ein Mädchen angemacht wird. ‘I see you drinking one percent [fat milk]. Is it because you think you’re fat? ‘Cause you’re not.’

4. Steve Zissou – Der Meeresforscher
In einer Sammlung der sympathischen Versager darf Bill Murray nicht fehlen. Die Wahl trifft auf seine Rolle als Steve Zissou in Die Tiefseetaucher von Wes Anderson. Steve Zissou ist ein Jacques Cousteau für Arme, doch immerhin: Zumindest war er mal erfolgreich. Doch seine Unterwasserdokumentationen wurden immer schlechter – hauptsächlich, weil er sich darauf verlegt hat, die Szenen zu stellen und unsinnige neue Tierarten zu erfinden. Kein Wunder, dass die Fördergelder irgendwann ausblieben. Dann tut Steve Zissou eben das, was jeder an seiner Stelle tun würde: sich dem Alkohol und dem Sarkasmus hingeben.

3. Brenner – Der Detektiv
Simon Brenner, gespielt von Josef Hader in den österreichischen Komödien Komm, süßer Tod, Silentium und Der Knochenmann, ist ein Herumtreiber. Seinen Job bei der Polizei hat er verloren, weil er mit der Frau seines Vorgesetzten geschlafen hat. Nicht so schlimm, der Job war sowieso zu stressig und nun schlägt er sich als Krankenwagenfahrer, Kaufhausdetektiv oder Geldeintreiber zwischen Wien, Graz und Salzburg durch. Brenner ist allgemein desinteressiert, zynisch, mygränegeplagt und somit herrlich sympathisch. Seine einzigen Freuden sind ein Glas Whiskey, ein guter Joint und die Musik von Jimi Hendrix. Seinen Charakter hat sein einziger Kumpel Berti passend beschrieben: ‘Du hast nur zwei emotionale Ebenen: Entweder du schreist herum oder dir ist alles Wurscht.’

2. Randy ‘The Ram’ Robinson – Der Wrestler
Mickey Rourke spielt unseren zweiten Sieger in The Wrestler von Darren Aronofsky. In den Achtzigern ein gefeierter Wrestler, hat Robin Ramzinski a.k.a Randy ‘The Ram’ Robinson, den Absprung aus dieser wenig zukunftsträchtigen Profession verpasst. Er lebt in einem Trailerpark, sein einziger Freund ist ein kleiner Junge, mit dem er Nintendo spielt und irgendwie hat er immer noch nicht kapiert, dass Karriere und Leben in Saus und Braus lange vorbei sind. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich auf schlecht besuchten Wrestlingevents in Schulturnhallen, obwohl sein Körper auf Grund seines früheren Steroidmissbrauchs eigentlich nicht mehr mitspielt. Randy enttäuscht regelmäßig die Menschen, die ihm nahe stehen und doch ist es unmöglich, dem sympathischen Lausbub im Körper eines gealterten Muskelprotzes böse zu sein.

1. Jeffrey Lebowski – Der Dude
Auch wenn der Dude, gespielt von Jeff Bridges in The Big Lebowski von den Coen-Brüder, kein besonders ehrgeiziger Mensch ist – in dieser Top 7 hängt er seine Konkurrenten mit Leichtigkeit ab. Er ist einfach der Prototyp des sympathischen Versagers. Am liebsten verbringt er seine Zeit White Russian schlürfend auf seinem heiß geliebten Teppich (der das Zimmer erst gemütlich gemacht hat) liegend oder beim Bowling mit seinen Kumpels. Arbeiten ist nicht sein Ding und auch wenn er Aufregungen in seinem Leben nicht mag, so erträgt er doch alle Störungen mit stoischer Ruhe. Noch dazu ist der Dude ein Trendsetter – er hat Einkaufen in Latschen und Bademantel wieder cool gemacht.

Welchen sympathischen Versager verehrt ihr?

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