Zombie-Horror mit Twist: Den bisher ekelhaftesten Film des Jahres kann man nur lieben oder hassen

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© Lisa Ritaine
Final Cut
18.05.2022 - 15:00 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Final Cut vereint absurde Horrorelemente mit der Liebe zu schlechten Filmen. Der Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Cannes hat allerdings ein großes Problem, das nichts mit Zombies zu tun hat.

Woran denkt ihr, wenn ihr an die Filmfestspiele von Cannes denkt? Hochintellektuelle Arthouse-Filme? Die größten Filmstars der Welt, die bei strahlendem Sonnenschein über den roten Teppich flanieren? Oder einen so furchtbar schlechten Zombie-Film, der selbst Trash-Fans entsetzen dürfte?

Überraschung, alle drei Antworten sind richtig. Denn 2022 eröffnete die Horrorkomödie Final Cut die Filmfestspiele und spaltete direkt am ersten Abend Publikum und Kritiker:innen. Dabei versteckt sich unter Unmengen an Kunstblut und Körperflüssigkeiten einer der schon jetzt witzigsten (und ekelhaftesten) Filme des Jahres.

Final Cut beginnt als schlechtester Horrorfilm aller Zeiten

In den ersten rund 30 Minuten werden wir Zeuge einer filmischen Katastrophe. Wir befinden uns am Set eines Trash-Films, dessen letzte Szene einfach nicht nach den Wünschen des cholerischen Regisseurs (Romain Duris) läuft. Als Teile der Crew sich nach und nach in Zombies verwandeln, bleibt den beiden Hauptdarsteller:innen (Finnegan Oldfield und Matilda Anna Ingrid Lutz) und der Maskenfrau (Bérénice Bejo) nur eine Wahl: Sie müssen sich mit einer Axt durch ihre ehemaligen Kollegen metzeln.

Die Handlung des Kurzfilms wirkt schlecht improvisiert, die Special Effects mit Litern an Kunstblut und Erbrochenem wie aus einem Sketch, der sich über Slasher-Filme lustig macht. Die Dialoge scheinen von hirntoten Zombies geschrieben und warum tragen die offenkundig nicht japanischen Figuren alle japanische Namen? Nach einer halben Stunde laufen die Credits. Im Kinosaal herrscht irritiertes Schweigen. Doch Final Cut ist noch nicht vorbei.

Der Eröffnungsfilm in Cannes vereint blutiges Trash-Gemetzel mit einem ungewöhnlichen Story-Twist

Denn eigentlich geht es in der Horrorkomödie um die Entstehung des furchtbaren Films, mit dem sie beginnt. Denn der soll im Auftrag einer japanischen Produzentin live und in einem einzigen langen Take auf einer Internet-Plattform gestreamt werden – umgesetzt vom erfolglosen Regisseur Rémi (auch Roman Duris). Das bedeutet: exakt einstudierte Abläufe und ein hochprofessionelles Team, das konzentriert an einem Strang zieht. Stattdessen reiht sich beim Dreh eine unterhaltsame Katastrophe an die nächste.

In Final Cut sehen wir, wie eine Filmcrew eine Filmcrew dabei filmt, wie sie einen Film dreht

Am Schluss wissen wir, warum die furchtbaren Anfangsszenen so furchtbar sind, wie sie sind. Weswegen manche Schreie so absurd lange dauern, warum Dialoge nirgendwo hinführen und welche der literweise verteilten Körperflüssigkeiten (Blut! Kotze! Durchfall!) echt waren. Final Cut ist ein blutverschmiertes Puzzle, das erst ganz am Schluss Sinn ergibt – und genau deswegen wahnsinnig unterhaltsam, sehenswert und nicht zuletzt wirklich ekelhaft. Wenn auch nicht für alle.

Die Zombie-Horrorkomödie hat trotz allem Witz ein großes Problem

Die ungewöhnliche Idee von Final Cut stammt nämlich nicht vom oscarprämierten Filmemacher Michel Hazanavicius selbst, sondern aus dem japanischen Kultfilm One Cut of the Dead. Das französische Remake orientiert sich fast eins zu eins am Original. Soll heißen: Die anfängliche Verwirrung und der Story-Twist, die Final Cut erst so originell und besonders machen, funktionieren nur für die Zuschauenden, die die Vorlage nicht kennen. Oder zumindest nicht erst kürzlich gesehen haben. Vielleicht schwanken die Kritiken zu Final Cut deswegen zwischen "nervig" und "hochgradig unterhaltsam".

Dem bekanntermaßen kritischen Cannes-Publikum schien der Film trotzdem zu gefallen. Laut Variety  wurde Final Cut ganze fünf Minuten lang beklatscht. Das französische Publikum kann sich bereits von der Qualität des Films überzeugen. Ob und wann Final Cut in deutschen Kinos laufen wird, ist noch nicht bekannt.

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Werdet ihr euch Final Cut angucken, sobald er in Deutschland verfügbar ist?

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