Wer die Matrix-Fortsetzungen mit Keanu Reeves hasst, hat die Sci-Fi-Trilogie nicht verstanden

Matrix - Trailer (Deutsch)
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Der erste Matrix-Teil gilt gemeinhin als einer der besten Sci-Fi-Filme aller ZeitenAbspielen
© Warner Bros.
Der erste Matrix-Teil gilt gemeinhin als einer der besten Sci-Fi-Filme aller Zeiten
16.11.2021 - 10:45 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Die Fans der legendären Sci-Fi-Reihe mit Keanu Reeves sind sich größtenteils einig: Matrix Reloaded und Matrix Revolutions kommen nicht im Ansatz an das Original heran. Doch damit beweisen sie vor allem eines: Sie haben die Matrix-Trilogie nicht verstanden.

Vor 22 Jahren veränderte Matrix für immer, wie wir über unsere wahrgenommene Realität denken. Zwei Jahrzehnte später stellt sich immer noch die Frage: Was, wenn wir wirklich in einer von Maschinen geschaffenen Simulation leben? Matrix ist Sci-Fi- und Filmgeschichte, mit der es Keanu Reeves (Neo) Carrie-Anne Moss (Trinity) und bodenlange schwarze Ledermäntel zu Weltruhm brachten.

Mit Matrix Resurrections steht jetzt Teil 4 in den Startlöchern und könnte das Franchise nach unerträglich langer Pause wiederbeleben. Ein guter Zeitpunkt, um einen der größten Irrtümer der Filmgeschichte ein für allemal aus dem Weg zu räumen: Der erste Matrix-Film ist für die Erzählung um den Auserwählten Neo der schwächste Teil der Reihe. Die umstrittenen Fortsetzungen Matrix Reloaded und Matrix Revolutions beweisen, dass die Sci-Fi-Trilogie erst nach dem legendären ersten Teil ihre wahre Stärke gefunden hat. Und ich erkläre euch jetzt warum.

Mit Matrix Reloaded begann in den Augen vieler Fans der Abstieg der Sci-Fi-Reihe

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Warum hassen so viele Leute Matrix Reloaded und Matrix Revolutions?

Nicht falsch verstehen: Ich bin ein großer Fan des ersten Matrix-Films. Der erste Teil ist nicht nur einer meiner Lieblingsfilme, sondern gleichzeitig einer der besten Filme aller Zeiten. Agent Smith (Hugo Weaving) ist ein wunderbarer Widersacher, der mit seinen fiesen Monologen zum Nachdenken anregt. Die knallharte Action ist in ihren Tricks und Ideen auch im 21. Jahrhundert noch frisch und gleichzeitig zeitlos.

Die Geschichte rund um Neo, Trinity und Morpheus (Laurence Fishburne) ist so großartig erzählt, dass ich auch heute noch Gänsehaut im großen Finale bekomme. Neos Heldenreise ist mit dem ersten Teil aber noch nicht abgeschlossen. Das hatte ich damals nur noch nicht verstanden.

Matrix Reloaded und insbesondere Matrix Revolutions ließen mich deshalb wütend aus dem Kinosaal stürmen. Das war das Ende der Matrix-Trilogie? Neo opfert sich, erst in der Matrix gegen Smith und dann außerhalb für das Fortbestehen der Maschinen? Was ist aus dem triumphalen Ende des ersten Filmes geworden? Das soll es also gewesen sein? Wo ist der Triumph der Menschen? Sollte Neo nicht die gesamte Menschheit aus den Fängen der Maschinen befreien?

Es ist kein angemessen dramatischer Matrix-Kampf, wenn er nicht im Regen passiert

Es hat viele Jahre und einige Auseinandersetzungen mit den Filmen gebraucht, bis ich die eigentlichen Absichten der beiden Autorinnen und Regisseurinnen (Lana Wachowski und Lilly Wachowski) erkannt habe. Und seitdem verstehe ich, warum die beiden Matrix-Fortsetzungen nicht nur wichtiger, sondern auch mutiger sind als der legendäre Start der Sci-Fi-Reihe.

Matrix Reloaded und Matrix Revolutions zeigen, dass es gar nicht Neos Aufgabe ist, die Matrix zu zerstören

Anders als bei vielen anderen Fortsetzungen ging es den Wachowskis nie um ein "nochmal, aber mit mehr Budget" oder ein "höher, schneller, weiter" bei den beiden Fortsetzungen. Stattdessen vertiefen sie die Motive des ersten Filmes und lassen uns Neos Heldenreise selbst durchlaufen. Wir erfahren, dass die Ereignisse des ersten Filmes, der vermeintliche Befreiungsschlag aus den Fängen der Maschinen, in Wirklichkeit nur ein weitere Kontrollinstanz eben jener Autorität ist.

Matrix Revolutions ist bis heute missverstanden

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Neo steht auch als Auserwählter immer noch unter der Kontrolle und dem Einfluss der Maschinen. Genau darum geht es in dem sperrigen Monolog des Architekten am Ende von Matrix Reloaded. Nichts ist gewonnen, solange Neo als Auserwählter durch die Matrix fliegt und Agent Smith unkontrolliert diese Welt zerstört. Neo ist also kein Befreier, sondern Teil des Systems.

Das haut uns als Publikum erstmal ein dickes Brett vor dem Kopf. Macht das die Ereignisse des ersten Filmes kaputt? Hat uns der erste Matrix-Film belogen? Wem oder was können wir denn überhaupt noch glauben? Was ist denn nun (im Rahmen dieser Filmwelt) noch real und was nicht? Die Antworten auf diese Fragen sind glücklicherweise alle egal. Denn Matrix Revolutions will nicht zurückschauen, sondern als großes Finale die Erzählung des Auserwählten zu Ende bringen.

Die Wachowski-Schwestern hätten es sich mit den Matrix-Fortsetzungen einfach machen können – stattdessen haben sie etwas außergewöhnliches geschaffen

Nachdem wir die Ereignisse von Matrix Reloaded verstanden und verdaut haben, bleibt nun also die Frage, wie sich der Konflikt zwischen den Menschen und den Maschinen lösen lässt. Bis hierhin dachte ich auch noch, dass es mit einem klassischen Filmfinale geschafft sein könnte. Ihr wisst schon: Den Schurken auf dem brennenden Trümmerhaufen vermöbeln. Sein Love-Interest befreien und in den Sonnenuntergang reiten. Die Welt retten. Aber ganz so einfach machen es uns die Wachowskis auch hier nicht.

Auch das bisherige Bildmaterial zu Matrix 4 beweist Mut: Neo hat jetzt einen Bart

Neo erkennt im Laufe von Reloaded und Revolutions, dass ein simpler Sieg über die Maschinen kein Ausweg sein kann. Eine Welt komplett ohne Maschinen ist weder denkbar, noch wünschenswert. Es geht also gar nicht um Gut gegen Böse, um uns gegen die. Der eigentliche Konflikt der Matrix-Trilogie ist ein völlig anderer.

Erst in den Fortsetzungen erkennt Neo, dass das Böse in Matrix nicht die Maschinen sind

Die umstrittenen Matrix-Sequels machen klar, dass Menschen und Maschinen in den Trümmern der echten Welt voneinander abhängig sind. Sie leben in einer Art Symbiose. Das wahre Böse ist die Instanz, die dieses fragile System zerstört: Agent Smith. Er ist zwar als Teil der Maschinenwelt gestartet, hat sich durch die Ereignisse aus dem ersten Film aber komplett ihrer Kontrolle entzogen. Indem er sich unkontrolliert klont, tötet er all die Menschen, die noch als schlafende Batterien in der Matrix angeschlossen sind. Damit gefährdet er nicht nur Menschenleben, sondern auch das Fortbestehen der Maschinenwelt, die keine Energiequelle mehr hat.

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Matrix 4: Alles über die Reihe und die kommende Fortsetzung
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Menschen und Maschinen haben also das gleiche Problem. Das erkennt Neo. Deshalb schlägt er den Maschinen einen Kompromiss vor. Erst jetzt und hier, im großen Aufeinandertreffen im Herzen der Maschinenstadt wird Neo seiner Bestimmung als Auserwählter gerecht. Er will nicht einfach nur gewinnen. Er will Frieden. Und der lässt sich nur auf einem Weg erreichen: Neo muss aufgeben.

Neo und Smith sind zwei Seiten derselben Gleichung, wie uns das Orakel in Matrix Revolutions erklärt. Smith ist Neos Gegenteil. Solange eine Seite existiert, gibt es auch die andere Seite. Neo kann den Kampf niemals gewinnen, solange er ihn kämpft. Stattdessen muss er aufgeben. Erst den Kampf gegen Smith und dann sich selbst. Das unterscheidet Neos Geschichte von der klassischen Heldenreise. Das macht Neo zu einem ungewöhnlichen Helden. Und das macht die Matrix-Fortsetzungen zu unkonventionellen, mutigen Filmen, die die Besonderheit der Trilogie überhaupt erst deutlich machen.

Hoffentlich traut sich Matrix Resurrections trotz dem negativen Feedback zu den letzten beiden Filmen, ähnlich mutig zu sein.

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