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Nicht schön

FSK macht DVDs hässlich: Jugendschutz auf Kosten der Fans

05.03.2009 - 15:17 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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FSK Disclaimer
© montage: moviepilot
FSK Disclaimer
Die neuen FSK-Logos sind unübersehbar… hässlich.

Film-Fans, die in der jüngsten Zeit aktuelle DVD-Veröffentlichungen gekauft haben, wissen es natürlich schon: Die neuen Freigabe-Logos der FSK sind mittlerweile Pflicht und prangen unübersehbar auf dem Cover jeder neuen Scheibe. Unübersehbar, dank des neuen Jugendschutz-Gesetzes, das auch im Hinblick auf Größe und Platzierung der Altersfreigabe harte Vorgaben macht: “Die neuen Zeichen sind auf der Frontseite der Hülle links unten auf einer Fläche von mindestens 1200 mm² (3,46 cm x 3,46 cm) und dem Bildträger auf einer Fläche von mindestens 250 mm² (1,58 cm x 1,58 cm) anzubringen (§ 12 Abs. 2 Satz 2 JuSchG).”

Nachdem schon andere Änderungen für Diskussionen gesorgt haben, ist die Verpflichtung zum Riesensticker nur das sichtbarste Ärgernis für Filmfans. Denn auch wenn jeder für die Altersfreigabe Verständnis hat, dürften sich die wenigsten DVD-Käufer freuen, auf ihrem Lieblingsfilm einen fetten FSK-Kasten wiederzufinden.

DVD-Fans, echte Sammler, machen einen nicht unerheblichen Anteil der DVD-Kundschaft aus und die reagieren besonders empfindlich auf solche Zwangsmaßnahmen. Auch in unserem Forum wird bereits eifrig diskutiert.. Was nützen aufwendige Sammler-Editionen, schön gestaltete Digi-Packs und Tin-Boxen, wenn sie durch einen hässlichen Aufdruck verunstaltet werden. Denn eines schließt das Gesetz aus: Es dürfen keine abziehbaren Aufkleber verwendet werden, der Aufdruck muss auf dem DVD-Cover deutlich sichtbar angebracht werden.

Totschlagargument gegen jede Kritik ist wie so oft der Jugendschutz, ein Vorwand, unter dem sich ja jede Einschränkung irgendwie durchsetzen lässt. Ob Netzzensur oder unzumutbare Age-Checks – mit dem Aufschrei “Denkt denn niemand an die Kinder!” darf jede Form von Bevormundung legitimiert werden. Ernsthaften Protest gäbe es vermutlich erst dann, wenn der Deutschen Lieblingskind, das Auto, mit einer Pflichtlackierung auf der Motorhaube versehen würde: “Kraftfahrzeug kann Menschen totfahren. Jedes Jahr sterben rund 5000 Menschen in Deutschland bei Autounfällen.” Bis dahin dürfen sich die Filmfans weiterhin mit den bekannten Ärgernissen herumplagen. Seien es Beschlagnahmungen von Filmen, zweifelhafte Indizierungen oder eben die wunderbaren neuen FSK-Logos.

Selbst die FSK war nicht wirklich glücklich mit der ihr per Gesetz aufgedrückten Neuregelung, schrieb sie in einer Stellungnahme noch vor Inkrafttreten des Gesetzes:

“Die im Entwurf vorgesehene Vergrößerung der Kennzeichen zur Altersfreigabe auf Bildträgern entbehrt mit Blick auf einen effektiven Jugendschutz sowie auf den Sinn und Zweck der Regelungen der §§ 12 und 14 JuSchG jeglicher Grundlage. Durch die vorgesehene Platzierung des Kennzeichens mit einer Fläche von 1200 Quadratmillimeter (ist gleich 3,5 × 3,5 cm) auf der Frontseite der Hülle unten links würde das Artwork des Covers völlig zerstört werden.

Durch den Neuregelungsvorschlag entsteht der Eindruck, dass nicht mehr die Information über die Altersfreigabe im Focus steht – um eine Abgabe an Kinder und Jugendliche zu vermeiden, für die ein entsprechender Bildträger nicht freigegeben ist -, vielmehr drängt sich geradezu der Vergleich mit den Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln auf. Die Information zur Altersfreigabe auf Bildträgern ist aber keinesfalls mit der unbestrittenen Gesundheitsschädlichkeit von Zigaretten vergleichbar. Eine solche symbolische Gleichbehandlung von Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln und den Alterskennzeichen auf Bildträgern erachten wir mit Blick darauf, dass die Videobranche sich seit 1985 flächendeckend und verantwortungsbewusst dem Prinzip der Freiwilligen Selbstkontrolle und dem entsprechenden Jugendschutz verpflichtet sieht als unbillig und unverhältnismäßig."

Genützt hat der Protest wenig. Die neuen Cover sind verpflichtend. Großzügig wurden zwar Wendecover erlaubt, die bei herkömmlichen DVD-Hüllen eine unverschandelten Cover-Version auf der Rückseite des Einlegers anbieten, doch grade die bei Sammlern beliebten Special Editions, die Pappschieber, Metalboxen oder Individualverpackungen in Sonderformen können so nicht gerettet werden.

Interessant ist der Vergleich zu Zigarettenschachteln, den die FSK ins Feld führt, denn der Vergleich ist brisanter als er auf den ersten Blick erscheint. Gilt es bei den Warnungen auf den Zigarettenpackungen ja nicht nur zu warnen, sondern auch das als gesellschaftlich schädlich erkannte Rauchen als “negativ” zu brandmarken: Dieses Produkt kann tödlich sein. Zugespitzt formuliert liegt die Vermutung nahe, dass den Gesetzgebern nur in letzter Sekunde ausgeredet werden konnte auf FSK18-DVDs ein “Jugendgefährdende Filme können Amokläufe auslösen” zu drucken.

Was bleibt, ist – neben vielen anderen Ärgerlichkeiten des neuen und alten Jugendschutzgesetzes – mal wieder Aktionismus, der eifrig vorgibt, die lieben Kleinen vor allem Bösen beschützen zu wollen, während gleichzeitig nichts getan wird, um an Schulen und in anderen Bildungseinrichtungen die tatsächliche Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Eltern zu erhöhen. Denn das würde Geld kosten und könnte nicht einfach auf dem Rücken der erwachsenen Bürger abgewälzt werden.

Ich werde meine Konsequenzen daraus ziehen und zukünftig noch mehr DVDs als jetzt schon im Ausland bestellen. Eine Alternative, die leider nicht alle DVD-Fans haben, falls sie auf die deutsche Tonspur angewiesen sind.

Mehr Infos zu den neuen Kennzeichnungen

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