Jonah Hill - Auf dem Sprung zum Leading Man
TheSundanceKid (Peter Correll), Veröffentlicht am 31.05.2012, 08:50
Jonah Hill in Moneyball
© Columbia Pictures
Jonah Hill ist zur Zeit in aller Munde. Ob auf Grund seines humoristischen Talents, zuletzt bewiesen in der erfolgreichen Komödie 21 Jump Street, mit seinem Durchbruch als ernstzunehmender Darsteller in Die Kunst zu gewinnen – Moneyball oder in den Boulevardblättern mit seinem enormen Diäterfolg. Aus dem dicklichen High School-Looser ist ein angehender Hollywoodstar geworden. Dass dieser Weg keineswegs selbstverständlich ist und nicht genug wertgeschätzt werden kann, beweisen einige Schauspielkollegen. Die Darsteller aus American Pie – Wie ein heißer Apfelkuchen sind so etwas wie die großen Brüder des Jonah Hill. Waren sie die High School-Helden der frühen Zweitausender, übernahm Jonah Hill deren Zepter aus Billigbier und ewiger Jungfräulichkeit in den späteren Jahren dieser Dekade.
Vor nicht allzu langer Zeit haben wir die Karrieren der American Pie-Darsteller beleuchtet und die Bilanz war mehr als dürftig. Deswegen wollen wir heute analysieren, wieso die Karriere von Jonah Hill erfolgreicher verlaufen ist. Davon, dass Talent eine Grundvorraussetzung für den Durchbruch ist, gehen wir aus. Seine Vielseitigkeit hat der Schauspieler, der später in das Fach des Regisseurs und Filmemachers wechseln will, auch als Drehbuchautor bewiesen. Stattdessen wollen wir eher auf Jonah Hills Karriereentscheidungen eingehen. Welche guten Entscheidungen hat er getroffen, welche Fehler, die vergleichbare Darsteller gemacht haben, vermieden?
Eine entscheidene Eigenschaft auf seinem Weg zum Hollywoodstar scheint ungewöhnlich: Es ist seine Vorsicht. Es tat Jonah Hill gut, dass er nicht sofort und mit aller Gewalt das Image des dicklichen Loosers ablegen wollte. Immerhin ist er dafür bekannt und beliebt. Hier hat er vielleicht etwas cleverer agiert als sein mehrmaliger Leinwandkollege Seth Rogen, mit dem er in Jungfrau (40), männlich, sucht …, Superbad oder Wie das Leben so spielt vor der Kamera stand. Seth Rogen hat nicht nur ein ähnliches Image wie Jonah Hill, sondern ebenfalls stark an Gewicht abgenommen. Dann musste es allerdings gleich eine Rolle als klassischer Leading Man und Actionsstar im, immerhin noch humoristischen, The Green Hornet sein. Der Film floppte, die Entscheidung erwies sich womöglich als etwas voreilig. Auch gegenüber einem weiter Kollegen hat Jonah Hill – aus einem anderen Grund – die Nase vorn. Michael Cera, sein kongenialer Partner aus Superbad, hat den Versuch, sich vom Teenie-Metier zu lösen, wie Youth in Revolt, Year One – Aller Anfang ist schwer oder Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt zeigen, noch nicht wirklich gestartet. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Beiden ist der Durchbruch als ernste Darsteller zuzutrauen – nur momentan ist Jonah Hill ihnen voraus.
Das lag auch an seinen cleveren, vielleicht auch glücklichen Entscheidungen. Jonah Hill hatte es mit Durchbruch und Imagewechsel nicht sonderlich eilig, das zeigen auch Filme wie Männertrip und Bad Sitter, in denen er sein altes Klientel bedient. Trotzdem hat er einen schleichenden Durchbruch vollzogen, den er vor allem mit der Rolle in Moneyball vorangetrieben hat. Im Film spielt er Peter Brand, einen jungen College-Absolventen und Computerfreak, der das Scouting im Baseball durch ein revolutionäres Statistiksystem ersetzt. Mit der Rolle wich er nicht radikal, sondern nur ein wenig von seinem alten Image ab. Und anstatt als Leading Man die Verantwortung für den Film zu tragen, konnte er als Ko-Star an der Seite von Brad Pitt wachsen. Moneyball brachte ihm sogar eine Oscarnominierung ein.
Mit 21 Jump Street setzt Jonah Hill nun konsequent seinen Weg fort. Anstatt eines erfahrenen, hat er nun mit Channing Tatum einen ebenbürtigen, talentierten Ko-Star an seiner Seite. Die Verantwortung im Vergleich zu Moneyball ist also leicht gestiegen. Auch inhaltlich symbolisert 21 Jump Street geradezu Jonah Hills Wandlung. Er spielt den ehemaligen High School-Looser Schmidt, der als Undercovercop wieder in die Schule muss. Doch diesmal ist er cool und wird ernst genommen. Auch die Rolle des Schmidt verleugnet somit die Vergangenheit des Schaupspielers nicht – löst ihn aber gleichzeitig von alten Klischees und zeigt, dass er mehr kann. Die Kontinuität zu Jonah Hills Karriere ist kein Zufall – er hat am Drehbuch zu 21 Jump Street mitgearbeitet.
Und was macht der Mann der kleinen (Fort-)Schritte als nächstes? In The Watch – Nachbarn der 3. Art wird er mit mehreren Ko-Stars (unter anderem Ben Stiller und Vince Vaughn) zusammenarbeiten. Er wird Verantwortung tragen und dazulernen. Und geht er diesen Weg konsequent weiter, dann dürften wir ihn bald als Leading Man auf großem Hollywoodparkett – vielleicht sogar zu eigenem Drehbuch? – zu sehen bekommen.
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Kommentare
über Jonah Hill - Auf dem Sprung zum Leading Man
GeorgeBailey Fri, 01 Jun 2012 16:54:46 -0000
Kommentar löschenMag Jonah Hill, und ich hoffe dass wir ihn von nun an auch in mehreren Dramen sehen. Bin schon gespannt auf seine Performance neben DiCaprio in "The Wolf of Wall Street" von Scorsese.
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FilmFreeza Fri, 01 Jun 2012 12:08:54 -0000
Kommentar löschenGelungener Artikel! Hill muss einfach schauen, dass er nach Moneyball jetzt noch Mal in ein, zwei Filmen mitspielt, die eben auch nicht ins Komödien-Genre passen. Die Fähigkeiten für diesen Wandel sind zweifelsohne vorhanden.
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brainchild Fri, 01 Jun 2012 11:11:51 -0000
Kommentar löschenGut geschrieben, aber schon ziemlich überinterpretiert. Hills Sprung zum Leading-Man ist für mich ebenso wenig abzusehen wie der zum Charakterdarsteller. Diese Entwicklung mehr oder weniger nur von seiner Rolle in 'Moneyball' abzuleiten, wo ja lediglich das Genre etwas ernsthafter war, ist nicht gerade seriös. Zumal man Jonah Hill anhand seiner neuesten Filme auch attestieren könnte, dass er in seiner Paraderolle stecken zu bleiben droht.
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DerMarvin Fri, 01 Jun 2012 09:01:47 -0000
Kommentar löschen"Bad Sitter" werte ich jetzt einfach mal als ausrutscher für eine sympathischen Typen. ;)
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Mein Senf Fri, 01 Jun 2012 08:16:34 -0000
Kommentar löschenEin gelungener Artikel, der sich ernsthaft mit der Karriere von Jonah Hill auseinandersetzt und dabei quasi nebenbei Ungeheuerlichkeiten einfließen lässt, das Channing Tatum so etwas wie Talent besitzen könnte. Diese wohlplatzierte Spitze wird bei bei der obligatorischen Internetmainstreamfraktion jedenfalls die gewünschte Wirkung entfalten. Gefällt mir.
Ich mag Jonah Hill und schätze ebenfalls die von dir beobachtete "Politik der kleinen Schritte". Als Comedian hat er ein gutes Gagtiming und beherrscht die Palette von subtil komisch bis Auf-Die-Fresse-Humor. Dabei verfällt er trotz seiner Leibesfülle nicht der Versuchung, sie auf naheliegende Körperkomik zu beschränken. Zudem versucht er nicht auf Biegen und Brechen Rollen zu spielen, die nicht seinen Stärken entsprechen. Die Palette von schüchternes ("Cyrus", "Männertrip", "21 Jump Street") bis extrovertiertes Moppelchen ("S.H.I.T.", "Megamind", "Superbad") beherrscht er perfekt. Ob eine schauspielerische Entwicklung nun zwangsläufig bedeuten muss, dass man in den ernsthaften Sektor drängt, sei mal dahingestellt. Ich glaube, er wird in erster Linie immer Comedian bleiben. Und dazu gehört eben auch, dass er sich ab und an im ernsthaftes Fach versucht. Da unterscheidet er sich nicht großartig von anderen Kollegen wir Ben Stiller, Robin Williams und Jim Carrey. Ist wohl so eine Art Portfolio-Erweiterung auch für eigene Ego. Im Gegensatz zu diesen genannten Akteure hat Jonah Hill allerdings das Problem mit seiner Physis, die es ihm fast unmöglich macht, sich zukünftig als Leading Man zu etablieren. Entweder ist er dick oder klein (bzw. beides). Er wird imho eher auf den Typ moppeliger Sidekick bzw. zweite Hauptrolle abboniert sein und nur gelegentlich (wie in "Bad Sitter") aus diesem Schema ausbrechen können.
Seine ersten Writercredits hat er sich bereits in "Allen Gregory" verdient, mit seinem kreativen Input zu "21 Jump Street" hat er bewiesen, dass seine Ideen als Autor auch Kinoformat haben. Insofern traue ich ihm durchaus auch eine Karriere abseits der Kamera zu.
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Joeyjoejoe17 Fri, 01 Jun 2012 06:21:46 -0000
Kommentar löschen"Davon, dass Talent eine Grundvorraussetzung für den Durchbruch ist, gehen wir aus."
Man beachte solche Vollnulpen wie Channing Tatum. Null Talent, null Ausdruckskraft, aber trotzdem sehr erfolgreich und hat den Durchbruch zum Kassenmagneten geschafft (ihr berichtetet ;) ).
Zu solchen unverdienten Geldmachern zähle ich auch Jonah Hill. Er hat mich mit keiner seiner Rollen auch nur ansatzweise mal davon überzeugen können, dass er talentiert oder gar vielseitig wäre. In "Moneyball" hat er wie immer gespielt - den dicklichen, sympathisch sein wollenden Losertypen. Nur diesmal in keiner Komödie, sondern in einem Soprtfilm - dass dieser blanke Genrewechsel wirklich zu einer Oscarnominierung gereicht hat, zeugt vom qualitativen Verfall dieser Verleihung, besonders wenn man bedenkt, dass dadurch eine Nominierung für Leistung zeigende Schauspieler wie Albert Brooks in "Drive", oder John Lithgow in "Prevolution" ausgeblieben ist.
In flachen Komödien wie "21 Jump Street" ist Jonah besser aufgehoben als in ernsten Filmen, denn dort wirkt er wenigstens nicht fehl platziert (wie Tatum im übrigen auch).
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LynchFan1706 Fri, 01 Jun 2012 06:47:57 -0000
Antwort löschenHast du "Cyrus" gesehen? Da spielt er den "dicklichen, UNsympathischen Losertypen" und das überzeugt, denn so empfinde ich ihn auch: als talentlosen Unsympath!
FilmFreeza Fri, 01 Jun 2012 12:06:58 -0000
Antwort löschenMuss ich dir radikal widersprechen. Tatum für mich in "21 Jump Street" genauso genial, aber auch in "der Adler der neunten Legion" fand ich ihn stark. Jonah Hill war in Moneyball Klasse, kann man mir sagen was man will. Hat das Zeug dazu, diesen Wandel zu vollziehen.
Joeyjoejoe17 Fri, 01 Jun 2012 14:27:41 -0000
Antwort löschenDiese Diskussion hatten wir doch schon öfters. Du scheinst bei dem Kerl Talent zu sehen was mir (und vielen anderen) verborgen bleibt.
Und Tatum war nicht genial, der hat nur mit seiner Talentlosigkeit in den Film gepasst, das sind zwei paar Stiefel :P
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Mir hat er noch nie gefallen und ich würde gerne auf ihn in Zukunft verzichten.
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