Warum die FSK reformiert werden muss

Saw 7: Auch für Volljährige erteilte die FSK keine Freigabe der Originalfassung
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moviepilot Team
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Meint es gut mit den Menschen.

Manchmal gilt es die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, kurz FSK, gegen Kritik zu verteidigen. Alterskennzeichnungen für Filme und dazugehörige Medienträger versteht die in Selbstverwaltung geführte Einrichtung – obgleich immer wieder Gegenteiliges behauptet wird – ausdrücklich nicht als pädagogische Empfehlungen, sondern weitgehend verbindliche Untergrenzen, die nach § 14 Abs. 1 JuSchG eine Freigabe geeigneter Programme für Kinder und Jugendliche regeln sollen. Kinofreunde bringen die GmbH oft mit Zensur in Verbindung, für die sie tatsächlich gewisse Voraussetzungen schafft. Andererseits ist sie weder für eine Kürzung von Filmen noch deren Indizierung oder Beschlagnahmung zuständig – über Werbeverbote und Vertriebseinschränkungen bestimmt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), die Beurteilung strafrechtlicher Relevanz und damit Kriminalisierung von Kunstwerken hingegen ist Sache der Gerichte. Den Jugendschutz stellt die FSK lediglich durch ihre Erteilung von Altersfreigaben für Filme und entsprechende Datenträger sicher. Ihre Entscheidungen werden von unterschiedlichen Gremien mit ehrenamtlichen Prüfern, Jugendschutzsachverständigen sowie Vertretern der Kirche und Filmwirtschaft gefällt.

So weit, so nachvollziehbar (auch wenn die strukturelle und personelle Zusammensetzung der Ausschüsse relativ bezeichnend ist). Vielen Menschen erscheinen die auf Grundlage allgemeiner Kriterien und dadurch mit großem Ermessensspielraum zustande kommenden Prüfungsergebnisse jedoch willkürlich, besonders an wahlweise zu laschen oder zu harten FSK-Freigaben wird gern Kritik geübt. Mit ihrem empörten "Filmtest" verstieg sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vor einigen Jahren in Beispiele für ersteres, zahlreiche schon ab 12 Jahren freigegebene Filme, so das scheinbar qualifizierte Urteil der Redaktion, seien gar nicht für 12-Jährige geeignet. Der Artikel rief besorgte Stimmen auf den Plan, von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bis zur allseits beliebten Erika Steinbach war die Politik entsetzt über die "F.A.S.-Untersuchung" und forderte Nachbesserungen. Anlassgebunden werden solche Diskussionen in regelmäßigen Abständen geführt, 1993 bildete die medienwirksame Debatte um die angeblich zu niedrige Freigabe von Jurassic Park einen vorläufigen Höhepunkt. Gewöhnlicherweise ist mit ihnen die Forderung nach feingliedrigeren FSK-Abstufungen verbunden, zwischen einer Freigabe ab 6 und 12 Jahren etwa sei der Abstand zu groß, heißt es.

Problematischer als ihre in einzelnen Fällen vielleicht diskutable Spruchpraxis sind allerdings die Bedingungen der "freiwilligen Selbstkontrolle", auf deren "Freiwilligkeit" sich alle großen Berufsverbände der deutschen Film-, Fernseh- und Videowirtschaft durch die Veröffentlichung von ausschließlich FSK-geprüften Titeln geeinigt haben. Ihr Dachverband, die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), sieht als Mutterunternehmen der FSK (auf die es inhaltlich allzu spürbar keinerlei Druck ausübt) eine historische Verantwortung für diese Selbstverpflichtung. Verständliches Ziel der 1949 errichteten FSK war eine Filmkontrolle in eigener Verwaltung, um staatliche Einflussnahme und mögliche "Politisierung" (Zitat FSK-Initiator Horst von Hartlieb in diesem ÖRR-Relikt) gar nicht erst zuzulassen – über die Legitimität von Kunst dürfe, anders als im Nationalsozialismus, keine Regierungsorganisation entscheiden. Im Kern eine richtige und wichtige Idee, würde nicht die Selbstverpflichtung dabei zur Selbstbeschränkung gerinnen: Wenn die FSK sogar eine Freigabe ab 18 Jahren ablehnt, wird der betreffende Film von seinen Verleihern freigabetauglich zurechtgestutzt, da nur geprüfte Titel ins Kino und den regulären Handel gelangen.

Obwohl (unabhängige) Verleiher einen Film also nicht zur Prüfung vorlegen müssen, bedeutet die Veröffentlichung ohne FSK-Siegel für ihn das wirtschaftliche Aus. Kinos und Händlern ist es zwar erlaubt, Erwachsenen auch ungeprüfte Filme vorzuführen bzw. anzubieten, doch müssen sie dafür das rechtliche Risiko strafrechtlicher Konsequenzen tragen, wenn Gerichte nach einer Anzeige zur Auffassung gelangen, dass diese Filme "schwer jugendgefährdend" sind und nicht beworben oder gezeigt werden dürfen (überregionale Bekanntheit erlangte das Münchner Werkstattkino, wo ungeprüfte Filme wie Nekromantik 2 quasi aus dem Saal heraus beschlagnahmt wurden). Die "Freiwilligkeit" der FSK-Freigabe hat demnach keinen praktischen Wert, von ihr sind kommerzieller Erfolg eines Films und die rechtliche Sicherheit der für seinen Vertrieb verantwortlichen Organe abhängig. Anhand bekannter Beispiele des "unterschlagenen Kinos" (Zombies, Kettensägen und Gedärm) zeigt sich, dass die FSK nicht nur im Sinne des Jugend-, sondern offenbar auch des Erwachsenenschutzes agiert: Gleichwohl sie mit der höchsten Freigabe ihren Auftrag erfüllen würde, bestimmte Filme als ungeeignet für Kinder und Jugendliche zu bewerten, verweigert sie häufig selbst diese Kennzeichnung.

Nun ist es allerdings die Aufgabe der FSK, passende Alterseinstufungen vorzunehmen, und im Falle einer mutmaßlichen Jugendgefährdung wäre diese Einstufung mit dem Prädikat "nur für Erwachsene" problemlos möglich. Unabhängig davon, wie abscheulich Prüfer Hostel: Part II, Alexandre Ajas Maniac oder Saw 7 - Vollendung finden mögen, müssten sie diese Filme eigentlich ohne Beanstandung in der ungekürzten Fassung zumindest ab 18 Jahren freigeben, alles andere wäre eine Kompetenzüberschreitung und Erwachsenenbevormundung. Erfolgreich FSK-geprüft wurden von den genannten Titeln hingegen nur Rumpfversionen, die eingereichten Originale erhielten eine Ablehnung und landeten später auf dem Index (zwei von ihnen sind mittlerweile sogar nach § 131 Abs. 1 StGB bundesweit beschlagnahmt). Der Grund für die hier unverhältnismäßig bzw. falsch wirkende Auslegung der eigenen Kriterien ist mit Sicherheit die seit 2003 gültige Kennzeichnung "keine Jugendfreigabe" (früher "nicht freigegeben unter 18 Jahren"), welche – sofern einmal vergeben – die BPjM daran hindert, entsprechende Filme auf die Liste der jugendgefährdenden Medien zu setzen. Für die Vergabe des Siegels darf bei Kinofassungen nur eine "leichte Jugendgefährdung" vorliegen, im Heimkinosektor überhaupt keine.

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