Meine glorreichen Sieben

7 Comedy-Götter, die Jenny Lachanfälle bescheren

09.02.2012 - 09:00 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Meine glorreichen Sieben der Komödien-Götter
© moviepilot
Meine glorreichen Sieben der Komödien-Götter
Die hohe Kunst der Komödie wird gern unterschätzt. Es gibt einige Schauspieler, die das richtige Timing an den Tag legen, doch nur wenige Künstler haben das Genre für mich so geprägt wie die Folgenden.

Komödianten werden nicht nur bei großen Filmpreisen immer wieder aufs Neue verschmäht. Vielleicht nehmen wir die Tatsache, dass ein Künstler uns zum Lachen bringt, als selbstverständlich hin. Doch wer sich schon einmal durch einen unlustigen Streifen mühen musste, wird ahnen, wie schwer es in Wirklichkeit ist, eine gute Komödie zu Stande zu bringen. Meine glorreichen Sieben huldigen deswegen heute denjenigen Komikern und Komödienschöpfern, die mich, meinen Humor und meine Vorstellung von einer guten Komödie am meisten geprägt haben. Zur Eingrenzung besteht die Liste nur aus Künstlern, die sich auch im Kino hervorgetan haben.

Auf den hinteren Rängen drängeln sich ebenfalls talentierte Herrschaften wie Rowan Atkinson, Steve Coogan, Sacha Baron Cohen und Mike Myers. Aber genug des Vorgeplänkels, volle Fahrt voraus:

Buster Keaton, der deadpan-Komiker par excellence
Die Frage ‘Chaplin oder Keaton?’ scheidet regelmäßig die Geister der Cineasten, doch bei mir fiel die Wahl immer eindeutig aus. Wie Buster Keaton seine spektakulären visuellen Einfälle in Der General und anderen Werken mit seiner unermüdlichen Durchhaltekraft verbindet, hat schon eine existentialistische Größe. Keatons Filme kommen nicht als Message Movies daher, doch über unser Dasein hat das großartig melancholische stone face dennoch so einiges zu berichten. Dass er das mit zeitlosen und universal verständlichen Gags erreicht, verhilft ihm problemlos in diese Liste.

Marx Brothers, die Könige des blühenden Blödsinns
Ja, die Marx Brothers bestehen bekanntlich aus mehr als einer Person, doch wie eine weitere Gruppe in dieser Liste, erreichen die einzelnen Mitglieder der Truppe ihre Höchstleistung erst im Verbund mit den Geschwistern. Chico, Harpo und Groucho wirken mit ihren blitzschnellen absurden Spitzen heute so modern wie eh und je. Ihre Satire auf reiche Snobs (Animal Crackers) oder die internationale Politik (Die Marx Brothers im Krieg) wirkt dabei nicht anklagend, sondern (Enten)federleicht und in den Wortwitzen so absurd, dass etwas wahres dran sein muss. An visuellen Gags mangelt es zudem nicht, es sei nur an die Spiegelszene in Die Marx Brothers im Krieg erinnert.

Mel Brooks, der Meister der Filmparodie
Wenn es um subtile Witze geht, ist Mel Brooks nicht meine erste Wahl. Doch seinen Filmparodien konnte bis in die 90er hinein niemand das Wasser reichen, ja, nicht einmal das Team Zucker/Abrahams/Zucker (Die nackte Kanone). Schon in seiner ersten Regiearbeit Frühling für Hitler aus dem Jahr 1968 bewies er ein Händchen für die Überzeichnung der middlebrow-Kultur, in diesem Falle des Treibens am Broadway. Unvergessen sind die Szenen des Nazi-Musicals, das todernst ganz im Stil von Busby Berkeley gehalten ist. Mit Spaceballs, Der Wilde Wilde Westen, Frankenstein Junior und schließlich Robin Hood – Helden in Strumpfhosen ist es ihm teilweise sogar gelungen, Parodien zu drehen, die besser sind als die Originale.

Vicco von Bülow, Chronist der preussischen (Un)Befindlichkeit
Wie über Loriot schreiben, ohne ausgetretenen Feuilleton-Pfaden zu folgen? Gar nicht. Aber da hier trotzdem etwas stehen muss: Für mich war und ist Loriot der beste deutsche Filmkomiker überhaupt. In seinem Vermögen, klassischen Slapstick mit der Ruhe und Verspieltheit eines Tati zu inszenieren und seine Rollen gleichzeitig so typisch preussisch in Fettnäpfchen treten zu lassen, bleibt Vicco von Bülow eine Singularität in der deutschen Komödienlandschaft. Seine TV-Shows nehmen das zeitgenössische Geschehen teils so aberwitzig aufs Korn wie die Pythons, ohne den spezifischen Mief deutscher Bürgerlichkeit zu aufzugeben. Seine beiden Filme Pappa ante Portas und Ödipussi stehen diesen Sketchen in nichts nach.

Monty Python, die Upper Class-Surrealisten schlechthin
Monty Python haben den britischen Humor nicht aus dem Stand revolutioniert. Doch mit Hilfe von Einflüssen wie Spike Milligan und der Music Hall-Tradition, lassen sie in ihren Filmen und ihrer Serie Unterhaltungsformen der Mittel- und Unterschicht auf die britische Hochkultur der Marke Oxbridge treffen und haben an der entstehenden sillyness einen Heidenspaß. Monty Python-Filme sind ein Fest für Freunde des surrealistisch bis dadaistischen Humors, der stets fest verankert ist in der akademischen Herkunft der britischen Pythons. Die Ritter der Kokosnuß ist beispielsweise sehr wohl anzumerken, dass Terry Jones ein ausgebildeter Historiker ist.

Jacques Tati, der französische Perfektionist
Die Lächerlichkeit des Alltäglichen ist das Metier des französischen Regisseurs und Schauspielers Jacques Tati. So verwandelt er einen einfachen Ferienaufenthalt in Die Ferien des Monsieur Hulot in eine präzise inszenierte Studie der Eigenheiten diverser Hotelbewohner. Dabei geht er immer von einer absolut kontrolliert wirkenden Ordnung aus, die durch Kleinigkeiten und vor allem durch seinen sympathisch schusseligen Monsieur Hulot Schritt für Schritt aus den Fugen gerät. Seine Filme, insbesondere das Meisterwerk Playtime – Tatis herrliche Zeiten, gleichen einem bekannten Motiv der Chaostheorie und Monsieur Hulot ist der Flügel schlagende Schmetterling.

Peter Sellers, das exzentrische Chamäleon
Peter Sellers hat zwar nur einmal Regie geführt und diese Arbeit kann getrost vergessen werden. Als großer Schreiber hat er sich ebenfalls nicht hervorgetan, sondern zeigt sich in seiner Leistung oft stark abhängig von der Qualität seiner Regisseure. Dafür mutiert er in der Radiosendung The Goon Show und besonders in seiner Kinokarriere zum komödiantischen Chamäleon schlechthin. Sein Metier ist die Improvisation. Ein unglaubliches Gespür für das richtige Timing zeichnet ihn aus und vor der Kamera scheint er manchmal in einen Trance-artigen Zustand komödiantischer Höchstleistung zu versinken (siehe Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben). Masken, Akzenten und Stimmen verbergen ihn in den Filmen oft bis zur Unkenntlichkeit, doch seine perfekte Körperbeherrschung entlarvt ihn dann doch. Als guter Schauspieler hat er sich außerdem bewiesen und nicht zuletzt deswegen bleibt der Mann, der Inspektor Clouseau das Leben einhauchte, für mich der Größte unter den Komödianten.

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