Ausraster am Herr der Ringe-Set: Wie Peter Jackson vor 20 Jahren die Fantasy-Trilogie rettete

18.07.2021 - 10:00 Uhr
9
6
Der Herr der Ringe Die zwei Türme - Trailer (Deutsch)
2:56
Der Herr der Ringe war manchmal ein echter KampfAbspielen
© Warner Bros.
Der Herr der Ringe war manchmal ein echter Kampf
Peter Jackson verdanken wir, dass die Herr der Ringe-Trilogie noch heute unvergleichlich ist. Nicht nur, weil er sie als Regisseur inszenierte, sondern auch, weil er sie mit einem Wutanfall rettete.

Die Herr der Ringe-Trilogie ist ein unangefochtenes Fantasy-Meisterwerk, das an Epik kaum zu übertreffen ist. Doch es hätte auch ganz anders kommen können. Zum diesjährigen 20-jährigen Jubiläum des ersten Films erinnerte sich Regisseur Peter Jackson an einen nicht minder epischen Wutanfall. Nur diesem zornigen Ausbruch verdanken wir es wohl, dass die Mittelerde-Reise am Ende so wegweisend wurde.

Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson verlor einmal die Fassung - und zwar im richtigen Moment

Wer die Herr der Ringe-Darsteller:innen in Interviews hört, erhält schnell den Eindruck, dass Peter Jackson am Set ein sehr gelassener Regisseur war. Er erhob nie seine Stimme, trat mit der nötigen Ruhe auf und ließ den Stars viele Freiheiten. Dass ausgerechnet ein Wutausbruch seinerseits der Trilogie zu ihrer heutigen Größe verhalf, ist da umso erstaunlicher.

Peter Jackson beim Dreh der Herr der Ringe-Trilogie

In einem Deadline -Interview sprach Peter Jackson über den entscheidenden Moment: Die Crew steckte zu diesem Zeitpunkt in einem abgelegenen neuseeländischen Steinbruch mitten im anstrengenden Dreh von Helms Klamm (für Der Herr der Ringe: Die zwei Türme).

Das ursprünglich veranschlagte Budget von 60 Mio Dollar pro Film war schon weit überschritten und so wurde Produzent Barrie M. Osborne mit einem speziellen Telefon zum Herr der Ringe-Set geschickt, um Michael Lynne von New Line Cinema mit dem Regisseur zusammenzuschalten. Peter Jackson erinnert sich, wie das Ganze ablief:

Es war eine Zeit, als New Line wegen des Budget mit uns verärgert war. Ich stand mit Viggo [Mortensen] auf der Brüstungsmauer und sah Barrie [Osborne]. Er brauchte 30 Minuten, um zu uns hoch zu kommen [...] und dann sagte er 'Ich hab das Studio am Telefon und muss dich mit Michael Lynn verbinden.' Ich fragte warum und er sagte: 'Oh, er wird drohen, dich zu verklagen und alles zu verkaufen, um den Kostenüberschuss zu decken.'
Der Herr der Ringe: Der Wendepunkt in Helms Klamm
Barrie war nur der Überbringer der Nachricht, aber das war eines der einzigen Male, wo ich wirklich ausrastete. Ich sagte: 'Richte Michael Lynne aus, dass ich diesen verf***ten Film drehe und den besten Job mache, den ich kann. Und ich werde meinen Tag nicht mit einem Telefonat wie diesem unterbrechen!' Also nahm Barrie das Handy, stieg wieder hinab und fuhr davon.

Der Herr der Ringe brauchte sein überzogenes Budget und Peter Jackson wusste es

Am Ende bekam Peter Jackson zusätzliche Millionen bewilligt, der enorme Druck legte sich mit einem neu angesetzten "realistischeren" Budget und die Herr der Ringe-Trilogie wurde ein großer Erfolg. Ende gut, alles gut. Rückblickend war das Projekt trotzdem ein geradezu wahnwitziges Unterfangen:

  • Das Mammut-Werk Der Herr der Ringe wurde in einem Rutsch gedreht.
  • Unmengen an Geld (300 Millionen Dollar) flossen in eine gigantische Produktion, von der nicht klar war, ob der erste Film überhaupt Erfolg haben würde.
  • Inszeniert wurde der als unverfilmbar geltende Herr der Ringe von einem eher unbekannten neuseeländischen Regisseur, der zuvor fast nur kostengünstige Exploitation-Filme gedreht hatte.
Der Herr der Ringe 2: Peter Jacksons kämpferischer Gastauftritt

Mehr als 20 Jahre später zeigt Peter Jackson sich übrigens versöhnlicher und sieht ein, dass die Herr der Ringe-Produzenten auch nur ihren Job machten, indem sie ein Auge auf die explodierenden Kosten hatten: "Ihr Ärger war verständlich. Sie sind nicht die Bösewichte dieser Geschichte. Wir waren die Bösen, weil wir das Budget überschritten."

Trotzdem müssen wir Peter Jackson für seinen Wutausbruch und seine fehlende Angst vor Gerichts-Klagen dankbar sein. Denn wenn er dem Druck nachgegeben hätte, wäre am Ende wohl ein sehr anderer Film dabei herausgekommen. So aber entstand die Film-Trilogie, die wir heute kennen und lieben.

Könnt ihr euch vorstellen, wie ein kostenreduzierter Herr der Ringe ausgesehen hätte, wenn Peter Jackson sich nicht durchgesetzt hätte?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News