Ben Mendelsohn in Ready Player One: Hollywoods neuer Lieblingsschurke

Ready Player One mit Ben Mendelsohn
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You want it darker, we kill the flame.

In vielen Geschichten ist der Bösewicht die schillerndste Figur und das viel beschworene Zünglein an der Waage. Durch ihn erlangt der Held als solcher überhaupt erst Bedeutung, denn damit etwas gerettet werden kann, muss es zunächst in Gefahr sein. Obwohl Schurken in Filmen wie auch überall sonst regelmäßig nicht als Sympathieträger für das Publikum angelegt sind, versprühen die besten von ihnen doch eine dunkle Faszination und es gibt Darsteller, die es genießen, auf der großen Leinwand richtig fies zu sein. Zu ihnen zählt Ben Mendelsohn, der sich in Interviews (wie etwa mit CNN) diebisch darüber freut, für nichts von dem belangt werden zu können, was er vor der Kamera tut. Bis vor nicht allzu langer Zeit machte der Australier überwiegend in Indie-Produktionen auf sich aufmerksam, nun hat er auch im Blockbuster-Kino einen festen Platz gefunden. Hier sorgt er vornehmlich als Unruhestifter für Furore. Sei es wie zuletzt in Ready Player One, als charismatischer Neuzugang der Star Wars-Reihe oder demnächst in Captain Marvel und dem nächsten Robin Hood: Für Ben Mendelsohn ist offenbar keine Antagonisten-Rolle zu groß.

Ben Mendelsohn und der Spaß an der Herausforderung

Ein besonderer Reiz der Literaturverfilmung Ready Player One liegt darin, dass der Film zum einen eine visuell opulent aufbereitete dystopische Welt erbaut, anderseits aber auf klassische Erzählmechanismen zurückgreift. So gilt es hier für die Hauptfigur Wade Owen Watts, in einem Virtual Reality-Videospiel ein Easter Egg zu finden. Damit ist ihm eine Mission zugeteilt, bei deren Erfüllung sich notwendigerweise gewisse Schwierigkeiten ergeben. Verirrt sich ein Bösewicht in diesen Kosmos, wird die Frage nach seiner Beschaffenheit umso dringender: Darf er (in welche Richtung auch immer) übertrieben sein? Soll ihm ein verstecktes Grinsen auf den Lippen liegen? Wie viel Menschlichkeit verträgt er? Ben Mendelsohn als größenwahnsinniger Unternehmer Nolan Sorrento löst all diese Probleme auf einmal.

Nolan Sorrento möchte die Kontrolle über das virtuelle 1980er Jahre-Universum OASIS erlangen und ist bereit, zu leisten, was immer dafür nötig sein mag. In einer der besten Szenen aus Ready Player One etwa versucht er, den talentierten Gamer Watts auf seine Seite zu ziehen, indem er gute Absichten vorspiegelt und sein vorgebliches Wissen über Popkultur demonstriert - in Wahrheit lässt er sich die nötigen Fakten von Mitarbeitern über einen Knopf im Ohr durchstellen. Er mag kein übermächtiges Genie sein, aber er weiß, wie er ans Ziel kommt. Die Spannung bleibt dadurch aufrecht erhalten. Fällt die charmante Masche in sich zusammen, erleben wir Sorrento schließlich von seiner schlechtgelauten Seite, was den Unterhaltungsfaktor der Sequenz nur weiter befeuert. Mendelsohn nämlich trägt mit seinen markanten Ohren und seinen blitzenden blauen Augen eine unterschwellige Schelmenhaftigkeit in die Rolle hinein, die schnell deutlich werden lässt, warum er den inoffiziellen Titel des neuen Go-To-Bösewicht Hollywoods trägt.

Ben Mendelsohn ist auch derjenige, der bedenkenlos angeheuert werden kann, wenn es darum geht, einen Schurken mit Leben zu füllen, der zerstört, einfach, weil er es kann. Dies beweist der Moment aus Rogue One: A Star Wars Story, als der von Mendelsohn verkörperte Orson Krennic zu Demonstrationszwecken den Wüstenmond Jedha durch den Todesstern zerstören lässt. Wahrscheinlich kein anderer Schauspieler hätte die auf das vernichtende Spektakel gerichteten schlichten Worte "Oh. It's beautiful." (auf Deutsch: "Das ist wunderschön.") mit dem selben kindlichen (und in diesem Kontext sehr verstörenden) Staunen versehen.

Ben Mendelsohn und die tausend Facetten des Bösen

Die Karriere von Ben Mendelsohn verlief bis hierhin ebenso erstaunlich wie konsequent. Der Durchbruch gelang ihm 2010 als gefährlich unberechenbarer Krimineller in Königreich des Verbrechens und damit relativ spät, denn damals war er bereits 26 Jahre als Darsteller aktiv gewesen. Es folgten unter anderem Engagements in The Dark Knight Rises und The Place Beyond the Pines - speziell unter der Regie von Derek Cianfrance stahl er für manche Kritiker nicht nur einzelne Szenen, sondern den gesamten Film, und das angesichts so namhafter Co-Stars wie Ryan Gosling und Bradley Cooper. Jener Trend setzte sich mit der Serie Bloodline fort. Hier mimte Mendelsohn einen verlorenen Sohn auf gesetzlosen Abwegen, dessen Versuche, sich seiner wohlhabenden, vermeintlichen Bilderbuchfamilie wieder anzunähern, zum Scheitern verurteilt sind. Mit fettigen Haaren und Zigarette im Mundwinkel findet Mendelsohn hier wohl zum Höhepunkt seiner tragischen Antihelden-Rollen, die sich jetzt im Blockbuster-Kino gewissermaßen eine Stufe publikumswirksamer fortsetzen. Abseits dessen tauchte er durch seine Beteiligung in dem Churchill-Biopic Die dunkelste Stunde auch noch in den Dunstkreis der Oscars ein.

Wie nur wenigen seiner Kollegen jedenfalls gelingt ihm der Spagat zwischen Großproduktionen und Indiefilmen, wobei die Belebung von, sagen wir, schwierigen Charakteren wie ein dunkelroter Faden in Ben Mendelsohns Schaffen erhalten bleibt. Und doch ist beispielsweise seine mutige Darbietung in der Theateradaption Una und Ray kaum bis überhaupt nicht mit der des verschlagenen Nolan Sorrento aus Ready Player One vergleichbar. Nicht zuletzt nach seinem Ausflug in das Herz der Sternensaga zeigte Mendelsohn bei Steven Spielberg, dass er auf Abruf den klassischen Bösewicht abrufen kann ohne sich zu wiederholen. Folgerichtig warten weitere große Aufgaben. Der Trailer zu Robin Hood etwa verrät eigentlich schon jetzt, dass der Film zumindest kein Schurkenproblem haben wird. Vielleicht ist Ben Mendelsohn, wenn die Kino-Neuauflage 2019 erscheint, ja nicht nur der Sheriff von Nottingham, sondern endgültig auch der König des Typecasting.

Ready Player One mit Ben Mendelsohn ist ab dem 06.09.2018 auf DVD- und Blu-ray erhältlich.

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