Bond 25 - Warum Cary Fukunaga ein großartiger Ersatz für Danny Boyle ist

James Bond - Spectre
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Die Produktionsgeschichte von Bond 25 hat inzwischen mehr unerwartete Wendungen hinter sich als so manch vorheriger Film der Agentenreihe, die seit 1962 die Kinolandschaft aufmischt. Seit dem letzten Bond sind inzwischen drei Jahre vergangen, eine überraschend lange Zeit, bedenken wir die Frequenz, mit der uns aktuell die großen Franchises in Hollywood ihre Fortsetzungen, Ableger und Vorgeschichten vorlegen. Mit Danny Boyle als Regisseur sollte Daniel Craig erst 2019 zum fünften und voraussichtlich letzten Mal in die Rolle des Agenten im Geheimdienst Ihrer Majestät schlüpfen. Geplant sei ein denkwürdiger Abschluss, es wurde sogar über James Bonds Tod spekuliert. Vor rund einem Monat trennten sich allerdings die Wege von Boyle und den Produzenten, während die entsprechende Kartei im MI6-Archiv um den Abschnitt "kreative Differenzen" erweitert wurde. Nun übernimmt Cary Fukunaga das inszenatorische Ruder.

Cary Fukunaga, der unerwartete großartige Ersatz für Danny Boyle

Die Ankündigung von Cary Fukunaga als Bond 25-Regisseur kommt durchaus überraschend, immerhin gehörte sein Name nicht zu den vielversprechenden Favoriten, die jüngst die Runde machten. Da wären etwa etablierte Filmemacher wie Jean-Marc Vallée (Big Little Lies) und Edgar Wright (Baby Driver) gewesen, die trotz eines gewissen Bekanntheitsgrades mit ihrer Arbeit im vergangenen Jahr noch einmal besonders auf sich aufmerksam machten. Dazu gesellten sich nach Boyles Ausscheiden auch weniger bekannte Gesichter. Bart Layton, der mit seiner Imposter-Doku das Kino aufrüttelte, und S.J. Clarkson, erprobt als TV-Regisseurin namhafter Serien und aktuell bei Star Trek 4 an Bord, wären die letzten Spitzenreiter gewesen, mit denen sich das Produzenten-Duo Barbara Broccoli und Michael G. Wilson zwar auf aufregende Stimmen, aber unerfahrene Blockbuster-Regisseure eingelassen hätte. Cary Fukunaga bildet nun einen Kompromiss.

Am ehesten lässt sich sein Profil mit dem von Jean-Marc Vallée abgleichen, haben doch beide Filmemacher sorgfältig eine eigene Handschrift entwickelt, während ihre Werke spielend zwischen Kino und Fernsehen schwankten, ohne sich die Änderung des Mediums anmerken zu lassen. Big Little Lies und zuletzt auch seine zweite HBO-Serie, Sharp Objects, schließen unmittelbar an den Stil an, den Jean-Marc Vallée mit seinen vorhergegangenen Filmen Dallas Buyers Club, Wild und Demolition etabliert hat. Ebenso probiert Cary Fukunaga die verschiedenen Möglichkeiten aus, die heutzutage mit bewegten Bildern möglich sind, völlig unabhängig davon, ob er seine Serie bei einem Kabelsender wie HBO oder einen Kinofilm mit Streaming-Gigant Netflix entwickelt. Das Medium spielt für ihn sowieso nur eine zweitrangige Rolle. Stattdessen gilt sein gesamter Fokus einer Inszenierung, die uns Zuschauer mit ihrer hypnotisierenden Kraft verschlingt.

Cary Fukunagas Filme besitzen eine unheimliche Sogkraft

Cary Fukunagas Filme entführen in genauso faszinierende wie abschreckende Welten. Der Sog seiner Bilder ist unglaublich und kam nach zwei Kurzfilmen in seinem Kinodebüt Sin Nombre zum ersten Mal so richtig zum Ausdruck, als er einen mexikanischen Alltag voll von Bandenkriminalität, Gewalt und Armut schilderte, während die lateinamerikanischen Protagonisten versuchten, die Grenze von Mexiko in die USA zu überqueren. Auch in der eigenwilligen Charlotte Brontë-Adaption Jane Eyre findet er einen düsteren Abgrund, der fesselt und nicht mehr loslässt, von der einnehmenden Inszenierung der ersten True Detective-Staffel ganz zu schweigen. Das Flimmern der Hitze im dort porträtierten Louisiana fängt Fukunaga genauso effektiv ein wie den Schweiß auf der Stirn von Matthew McConaughey, der vom drohenden Wahnsinn kündet. Dazu braucht es gar nicht mal eine Plansequenz - aus diesen Bildern gibt es auch so kein Entkommen.

Mit einem ausgeprägten Bewusstsein für die Wirkung seiner 35mm-Aufnahmen schleust uns Cary Fukunaga durch brennende Welten, die nicht er loslassen, und fängt selbst im digital gedrehten Beasts of No Nation eine mitreißende Bewegung ein, wie sie bei einem Bond-Film nur willkommen sein kann. Cary Fukunagas Bewegungen zeichnen sich allerdings keineswegs durch aufdringliche Action aus, vielmehr stehen sie für die gebündelte Kraft all dessen, das er mit seiner Kamera einfängt. Wenn Idris Elba als Anführer der Rebelleneinheit eine Gruppe von Kindersoldaten beschwört, ins Gefecht zu ziehen, imitiert Cary Fukunaga diese Geste mit seinen filmischen Mitteln. Damit liefert er uns Zuschauer unmittelbar dem gezeigten Geschehen aus - diese geballte Energie ist dermaßen ansteckend, dass kaum Zeit bleibt, den erschreckenden Moment zu hinterfragen. Beasts of No Nation bewegt sich damit auf einem ambivalenten Pfad. Für einen Bond ist diese Energie jedoch wie geschaffen.

Bond 25 hat den richtigen Regisseur, um die Relevanz der Reihe zu beweisen

Die Bond-Reihe hat eine reiche Tradition von atemberaubenden Actionszenen und waghalsigen Stunts. In einer Zeit, in der Tom Cruise mit seinen Mission: Impossible-Filmen dieses Gütesiegel für sich in Anspruch nimmt, steht James Bond vor der Herausforderung, weiterhin relevant zu bleiben und die Marke für eine weitere Dekade in Stellung zu bringen. Wenngleich Bond 25 das Ende der Craig-Ära markiert, dürfte ein Nachfolger - oder eine Nachfolgerin - nicht allzu lange auf sich warten lassen. Es gibt nur wenige Franchises, die dermaßen oft der Zeit getrotzt und sich neu erfunden haben. Nachdem Sam Mendes zuletzt mit James Bond 007 - Spectre einen versöhnlichen Schluss zwischen nostalgischen Erinnerungen und der radikalen Modernität von Daniel Craigs Bond gefunden hat, leuchtete die Wahl von Danny Boyle als Regisseur ein, um das Finale in ein explosives, unberechenbares Spektakel zu verwandeln, wie wir es selbst in über 50 Jahren Franchise-Geschichte noch nicht gesehen haben.

Cary Fukunaga präsentiert sich auf den ersten Blick als weniger stilwütig, auf den zweiten offenbart er sich dafür als Regisseur, der seine eigene Handschrift selbst dann durchsetzen kann, wenn er sich in ein bestehendes System eingliedern muss, woran Boyle offenbar scheiterte. Das dürfte vor allem im Zusammenspiel mit den Bond-erfahrenen Drehbuchautoren Neal Purvis und Robert Wade entscheidend sein, die das bisherige Skript von Boyle und John Hodge hinter sich zurücklassen und noch einmal neu ansetzen. Schon im Rahmen von True Detective hat Cary Fukunaga bewiesen, dass er mit einer lauten Autorenstimme wie Nic Pizzolatto arbeiten kann, womöglich dieser Stimme durch die Interpretation mit seiner Inszenierung erst zur wahren Größe verhilft. Wir dürfen also mehr als gespannt sein, wie er Daniel Craigs letzten Auftritt als James Bond in bewegte Bilder gießt. Vielleicht erwartet uns mit Bond 25 nochmal ein verblüffender Ausreißer wie Marc Forsters unterschätzter Quantum Trost.

Was glaubt ihr, wie Cary Fukunagas Bond 25 aussehen wird?

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