Zum Geburtstag von Tina Fey

Des Fernsehens gute Fey

Geburtstagskind Tina Fey
© Universal Pictures
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Was die gute Fee für Cinderella war, ist Tina Fey für das Fernsehen. Steile Hypothese, ich weiß. Aber lasst mich doch bitte versuchen, es euch zu erklären, dann können wir darüber diskutieren. Deal?

Tina Wer?

Wir schreiben das Jahr 1997. Tina Fey ist Mitglied der Improvisationsgruppe Second City, zu der auch Adam McKay gehört. McKay ist zu dieser Zeit der Headautor der berühmten Sketchshow Saturday Night Live. Die Show wurde übrigens gerade 40 Jahre alt. Von Tina Feys komödiantischem Talent beeindruckt schafft McKay es, die damals 27-Jährige für die Samstagabend-Sendung als Autorin zu engagieren. Schon zwei Jahre später wird sie selbst zum Headautor von SNL und sorgt dafür, dass die Sendung nicht ihren Biss verliert. Dazu muss ich wohl sagen, dass SNL auf dem großen Network-Sender NBC läuft, welches zu den Big Five, also den staatlichen Sendern gehört. Diese sind nicht dafür bekannt, den Humor neu zu erfinden. Im Gegenteil: Es scheint, dass alle zehn Jahre das Sitcom-Archiv von vorne aufgerollt wird. Unter Tina Fey erlebt SNL in den Jahren von 1999 bis 2006 frischen Humor, der sich etwas wagt, und förderte in der Zeit heutige Comedy- und Schauspielgrößen wie Bill Hader (Trainwreck), Will Forte (Nebraska) und ihre heute sehr gute Freundin Amy Poehler (Parks and Recreation).

Der feine Unterschied zwischen Palin und Fey

Obwohl sie sich 2006 aus dem Saturday Night Live-Team verabschiedete, sorgte ein Auftritt aus dem Jahre 2008 in der Show dafür, dass sie auch außerhalb der USA große Bekanntheit erreichte. In einem Eröffnungssketch parodiert sie die Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin. Zuvor wurde ihr schon öfter eine äußerliche Ähnlichkeit zur Republikanerin attestiert, aber erst ihre Tochter brachte sie dazu, diese auch für das Comedy-Format zu verkörpern. Im Gespräch mit Talkmaster Conan O'Brien erzählt sie, dass ihre Tochter zwischen ihr und Palin keinen Unterschied entdecken konnte. Nach ihrem Auftritt war die Show weltweit und vor allem deutschlandweit so medial präsent wie lange nicht mehr. Fey hat dem "verschmuddelten" amerikanischen Fernsehen damit einen Anstrich verpasst, der selbst das Selbstbewusstsein der deutschen Fernsehschaffenden einmal kurz erschüttern ließ. Eine hübsche neue Prinzessin namens SNL betrat den Ballsaal und niemand hat erkannt, dass es einfach nur ein damals 33-jähriges Putzmädchen in einem schmucken neuen Kleid war.

Hinter den Kulissen

Zu diesem Zeitpunkt hat Tina Fey sich schon auf die zweite Stufe der guten Feen hochgearbeitet. Sie ist sozusagen die gute Fee der guten Feen geworden. Mit 30 Rock schuf sie nicht nur die perfekte Plattform, um Alec Baldwin in seiner besten Rolle zu zeigen, sie präsentierte uns allen auch die überspitzte Variante ihres alten Jobs. Was für Wahnsinnige stecken eigentlich hinter einer wöchentlichen Comedyshow? Wie kommt jemand auf die Ideen für Sketche über den Präsidenten? Und vor allem: Was ist der Kitt, der alles zusammen hält? Eine Antwort haben wir in sieben Staffeln nicht wirklich bekommen, aber eine Vorstellung davon. Fey presst das Fernsehen aus wie eine überreife Zitrone und zaubert aus ihrem Saft auf eine seltsame Art auch noch einen guten Pinot Grigio. Wie auch immer sie das geschafft hat. Nachdem alle 138 Folgen der mit Preisen überhäuften Show (sechs Golden Globes, 16 Emmy Awards, zwölf SAG Awards, ...) gesehen wurden, meint jeder Zuschauer, das Fernsehen etwas besser durchschaut zu haben. Dann ist es jedoch Fey selbst, die uns wieder an dieser Sicherheit zweifeln lässt...

Oscarverleihung kann jeder

Drei Jahre in Folge schreibt und moderiert Tina Fey zusammen mit Amy Poehler die Golden Globe Awards und beweist allen, dass amerikanische Preisverleihung alles andere als eingestaubt und nach Maß ablaufen müssen. Zusammen schaffen sie es, mit klug geschriebenen Gags selbst die Fünf-Sekunden-Verzögerung zu überlisten und kalauern über Bill Cosbys sexuelle Neigungen und das fluchend drohende Nordkorea. Vielleicht sitzt nicht jeder Witz perfekt, muss er aber auch nicht. Denn vor dem Fernseher reißen wir kurz überrascht die Augen auf und sind verwundert darüber, dass die beiden Damen das wirklich gerade gesagt haben. Ich bin ein bisschen traurig, dass sie das Zepter für die nächste Verleihung abgeben.

Der Wahnsinn der Tina Fey ist heutzutage weiterhin ungebremst. Die nächste Show steht schon bereit. Ihr nächstes Aschenputtel ist eine junge Dame namens Kimmy Schmidt. Kimmy Schmidt hat zusammen mit ihren Sekten-Schwestern 15 Jahre in einem Keller verbracht, da sie dachten, dass draußen die Apokalypse wütet. Die Serie Unbreakable Kimmy Schmidt selbst war ein paar Monate im Schrank von NBC eingeschlossen und wurde dann vom Online-Streamingdienst Netflix übernommen. Große Lobeshymnen bezeichnen die Sendung als bisher beste Sitcom auf dem Streaming-Markt. Eine zweite Staffel ist bestellt.

Bibbidi-Bobbidi-Boo!

Tina Fey hat die Komik nicht neu erfunden. Sie hat sie aber vorzeigbar gemacht. Der Humor der Tina Fey ist etwas, womit Amerikaner gerne angeben, denn es ist eine Art Witz, der Lücken aufzeigt, der niemanden verletzt und der immer von Tina Fey selbst ausgeht. Über andere dürfen wir nur lachen, wenn wir erst sie zur Witzfigur erklärt haben. Und dann ist alles möglich, dann darf das amerikanische Fernsehen im schönsten Kleid des Disney-Kleiderschranks auf allen Bällen dieser Welt tanzen.

Alles Gute, Tina Fey!

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