Egal ob Dwayne Johnson als Black Adam oder Homelander: Nichts ist langweiliger als ein ‘böser’ Superman

Henry Cavill als SupermanWarner
19.10.2022 - 08:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Immer häufiger werden uns düstere Anti-Versionen von Superman präsentiert. Das ist nicht nur langweilig, es passt auch nicht in unsere Welt. Superman muss zurück zu seinen Wurzeln.

Superman ist beliebter denn je. Okay, falsch. Die böse Version von Superman ist beliebter denn je. Egal, ob als böse Reinkarnation (Henry Cavill) in Zack Snyder’s Justice League, als Homelander (Antony Starr) in der Amazon-Serie The Boys oder ganz aktuell als Black Adam (Dwayne Johnson) im Kino: Wir sind umzingelt von Anti-Supermen, den vermeintlich spannenderen Gegenentwürfen zu klassischen Superhelden. Anstatt die eigenen Superkräfte für das Gute einzusetzen, die Welt zu beschützen oder Katzen aus Bäumen zu retten , tun diese Antihelden und Superbösewichte das genaue Gegenteil. Das ist allerdings vor allem eins: langweilig. Und muss dringend aufhören.

Von Injustice, über The Boys bis Black Adam: Böse Superhelden übernehmen langsam aber sicher Comic-Adaptionen

Natürlich gibt es auch heute noch Superheld:innen, die primär Gutes tun. Parallel werden wir allerdings seit fast zehn Jahren mit moralisch schwierigen Antihelden und Anti-Supermännern überschüttet.

Zack Snyder's Justice League - Trailer 3 (English) HD
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Sogar Superman selbst kommt nicht drumherum, als böse Dekonstruktion durch seine eigenen Filme, Comics und Videospiele morden zu müssen. Angefangen beim Prügelspiel Injustice im Jahr 2013, bei dem der Tod seiner geliebten Lois Lane sämtliche Synapsen des Kryptoniers durchbrennen ließ. Die gleichnamige Comic-Reihe griff diese Prämisse auf und erzählte sie weiter. Im gleichen Jahr zeigte Man of Steel mit Henry Cavill statt einem strahlend-optimistischen Superman einen von Christopher Nolan inspirierten Zweifler, der im Zweifelsfall das Genick seines Gegenspielers bricht. In Zack Snyder's Justice League von 2021 durfte der böse Superman dann endgültig durchdrehen – inklusive schwarzem Kostüm.

Aber auch ohne Superman-Lizenz gibt es jede Menge böse Versionen: Indiefilme wie Brightburn - Son of Darkness oder TV-Serien wie The Boys sind nicht müde, uns immer wieder daran zu erinnern, wie furchtbar gruselig doch ein böser Superman ausfallen würde. Klar ist Homelander ein vielschichtiger Charakter und einer der faszinierendsten Bösewichte der letzten Jahre – die Superman-Parallelen sind allerdings das Langweiligste an ihm. Und mit Black Adam hat das DC-Filmuniversum nun direkt den nächsten gottgleichen Schurken in der Kino-Pipeline, der nach jahrhundertelanger Gefangenschaft seinen Rachegefühlen freien Lauf lässt.

Aber warum überhaupt dieser ätzende Trend zum bösen (meist männlichen) Superhelden?

Machen böse “Supermänner” wie Homelander wirklich noch Spaß, wenn echte Despoten Kriege anzetteln?

Die Grundidee eines bösen Superman klingt zunächst interessant und ehrlich gesagt auch ziemlich realistisch. Was wäre wohl, wenn der stärkste Mensch der Welt, der unverwundbar ist, fliegen kann und einen Hitzeblick besitzt, keinen moralischen Kompass besitzt? Wie würde die Version eines Superman aussehen, der über der Welt steht und die Menschheit nicht beschützen, sondern beherrschen will?

Wie Serien und Filme diese Fragen beantworten, ist allerdings nur selten kreativ oder spannend. Die bösen Varianten funktionieren meist nur, weil wir das Original kennen, aus dessen Schatten sie nie hervortreten. Statt echter Charaktertiefe gibt es kurzweilige Schockmomente. Das ist – bis auf wenige Ausnahmen – eindimensional, eintönig und schlussendlich langweilig. Der böse Supermann kann erst dann wirkliche Symbolkraft und erzählerische Tiefe gewinnen, wenn er sich dem echten Man of Steel stellen muss. Superman hat bei seinem inneren Kampf mit sich selbst in Superman 3 bereits die beste Version dieser Geschichte  geliefert. Und das bereits im Jahr 1983!

Außerdem: Wer in einer Welt von Despoten lebt, die mitten in Europa Angriffskriege anzetteln, oder Superreichen, die andere zur Gewinnmaximierung ausbeuten, weiß sowieso schon ziemlich genau, was passiert, wenn mächtige Menschen ihre Macht für sich und ihre eigenen Zwecke einsetzen. Gegen die Realität kann das fiktive Abbild des übermächtigen Bösen sowieso nur verlieren.

Das Beste an Superman war immer, dass er “gut” ist – und DC muss endlich zu seinen Wurzeln zurückfinden

Supermans Reiz als Comicfigur und Superheld auf der Leinwand ist seit jeher, dass er “gut” ist. Seine Herkunft als Alien, seine übermenschlichen Kräfte als ultimative Power-Fantasy zweier jüdischer Jungs zu Zeiten des Nationalsozialismus, sein unendlicher Optimismus und Humanismus sind bewusst “unrealistisch”. Superman war schon immer ein Symbol für eine bessere Welt und damit ein dringend notwendiger Gegenentwurf zur deutlich härteren Realität. Das dürfte auch der Grund für seinen enormen Erfolg und damit die Begründung des modernen Superheld:innen-Mythos in der Popkultur sein.

Black Adam - Trailer 2 (Deutsch) HD
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Auch wenn die DC-Chefetage das anders zu sehen scheint: Hauptkonkurrent Marvel beweist mit Captain America seit Jahren, wie erfolgreich übermächtige und trotzdem optimistische und herzensgute Superheld:innen an der Kinokasse sein können. Comics wie die Rebirth-Reihe oder TV-Umsetzungen wie Superman & Lois zeigen eindrucksvoll, dass auch der echte Superman nichts von seinem Charme verloren hat.

Was wir brauchen, ist also ein waschechter Superman-Film mit zeitgemäßem Budget, der sich traut, auf Antihelden-Momente und moralische Grau- bis Schwarzstufen zu verzichten. Ein Film, der beweist, dass es nicht langweilig ist, das Richtige zu tun und Hoffnung auf eine bessere Welt zu bieten.

Ausgerechnet Black Adam könnte hier Abhilfe schaffen. Dwayne Johnson sprach sich bereits mehrfach  für ein Aufeinandertreffen seines Charakters mit Superman aus. Wenn wir von Superman 3 eine Sache gelernt haben, dann das: Dieses Aufeinandertreffen macht nur Sinn, wenn der böse “Superman” Black Adam auf den guten Man of Steel trifft. Meine Daumen sind gedrückt.

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Was findet ihr spannender: Die gute oder die böse Variante von Superman?

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