Komödienraub

Französisch für Anfänger in Hollywood

Dinner für Spinner
© Paramount Pictures
Dinner für Spinner

Drehbuchautoren haben es wirklich nicht einfach. Die Ideen sprießen nicht immer so, wie sie sich das gerne wünschen. Davon können gerade Hollywoods Schreiberlinge ein Lied singen. Komödien sind sowieso ein ganz heikles Thema, denn es heißt in Filmkreisen ja nicht umsonst, dass die schwierigste Herausforderung eines Films darin besteht, das Publikum zum Lachen zu bringen. Wie gut, denken sich da die kreativarmen Köpfe in Hollywood, dass es in anderen Ländern auch Komödien gibt. Die lassen sich doch prima verarbeiten und für den Zuschauer im eigenen Land umpeppeln. Wenn sie im Ursprungsland bereits erfolgreich waren – umso besser, aber auch das ist keine zwingende Voraussetzung. Hauptsache, die eigene Kreativität wird nicht unnötig gefordert. So oder ähnlich dürften wohl auch David Guion und Michael Handelman gedacht haben, die Autoren von Dinner für Spinner, die sich für ihre Komödie beim gleichnamigen französischen Vorbild Dinner für Spinner bedient haben. Damit folgen sie einer langen Tradition, denn Komödien aus Frankreich erfreuen sich in Sachen Remakes in Hollywood einer großen Beliebtheit, wie ein Blick auf vergangene Werke beweist.

Musterbeispiel eines guten Remakes: True Lies – Wahre Lügen
Über James Cameron dürfen wir zwar geteilter Meinung sein, aber hier hat er alles richtig gemacht. Arnold Schwarzenegger macht das, was er am besten kann: Für krachende Action und coole Unterhaltung sorgen, immer von einem Augenzwickern begleitet. Die hervorragende Harmonie mit Jamie Lee Curtis tut ihr übriges. Gegen dieses Hollywood-Feuerwerk kommt das Original Der Joker und der Jackpot von Claude Zidi leider nicht an, obwohl es eigentlich genau der selbe Film ist – Szene für Szene, Dialog für Dialog. Aber eins fehlt nunmal: Action-Arnie.

Vom Straßenflitzer zur lahmen Ente: New York Taxi
Was haben sich Tim Story und seine drei Schreiberlinge nur dabei gedacht? Das Quartett nahm sich das aus der Feder von Luc Besson stammende Actionkomödienhighlight Taxi vor und verwurstete die Geschichte über den rasenden Taxifahrer Daniel in einem lieblosen Remake nach Hollywood-Schema F: Uninspirierte Darsteller, naive Gags und sinnlose Verfolgungsjagden. Eine Gisele Bündchen im Mini-Rock macht nun mal noch keinen guten Film aus.

Amis geraten in Schwulitäten: The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel
Eigentlich tun wir Mike Nichols unrecht, wenn wir seine Komödie aus dem Jahr 1996 als Remake bezeichnen, denn sie basiert wie sein Vorgänger Ein Käfig voller Narren lediglich auf dem gleichen Bühnenstück von Jean Poiret. Dennoch drängt sich ein Vergleich aufgrund des haargenau selben Plots natürlich auf, und was sollen wir sagen: Robin Williams und Gene Hackman erreichen zwar nicht den Charme ihrer Vorgänger Ugo Tognazzi und Michel Serrault, aber für eine solide und sogar preisgekrönte Leistung reicht es allemal.

Die Schande des Mafiafilms: Oscar – Vom Regen in die Traufe
Was kommt dabei heraus, wenn ein Filmemacher ein komödiantisches Naturtalent durch einen Actionstar ersetzt? Eine Komödie, die sich vergeblich darum bemüht, gnadenlos witzig zu sein. Wo das Original Oscar noch mit einem Louis de Funès in Höchstform punktete, versagte Sylvester Stallone als Karikatur eines Mafiabosses auf ganzer Linie und bescherte John Landis einen vorläufigen Karrieretiefpunkt mit drei Nominierungen für die Goldene Himbeere. Sorry Sly, aber nicht umsonst heißt es so schön: “Schuster, bleib bei deinen Leisten!”

Franzosen in Hollywood: Daddy Cool und Just Visiting
Gleiche Darsteller, anderes Produktionsland: Welcher Sinn steckt hinter der Prozedur, den gleichen Film mit den gleichen Schauspielern in einem anderen Land nochmal zu drehen? Wir wissen es nicht, aber wir mussten es ertragen – und das gleich zwei Mal. Gérard Depardieu durfte nach Mein Vater der Held einige Jahre später erneut den coolen Papa geben, während Jean Reno und Christian Clavier fast ein Jahrzehnt nach der Komödie Die Besucher als mittelalterliche Tölpel wieder die Neuzeit aufmischten. Wiederholungstäter werden schon vom Gesetz nicht gebilligt, in der Filmwelt erst recht nicht.

Vater sein dagegen sehr: Noch drei Männer, noch ein Baby, Ein Vater zuviel, Nine Months und Aus dem Dschungel in den Dschungel
Hollywood holt sich scheinbar gerne Tipps aus Frankreich, wenn es um die schwierige Aufgabe der Vaterschaft geht. Unzählige Male dienten französische Komödien, die sich rund um das Thema der Erzeugerproblematik drehten, als Vorbild für ein US-Remake. So kamen Drei Männer und ein Baby und Zwei irre Spaßvögel ebenso in den Genuss eines amerikanischen Makeovers wie Neun Monate und Little Indian. Woran dieses Phänomen festzumachen ist, können wir uns nicht wirklich erklären. Sind französische Papas solche Musterväter, oder ist das alles nur ein unglaublicher Zufall? Mysteriös…

Der kommende Streich: Welcome to the Sticks
Das Ende der Fahnenstange ist natürlich noch lange nicht erreicht. Selbstverständlich darf auch das enorme Erfolgspotential des größten Komödienhits der französischen Kinogeschichte in den USA nicht ungenutzt bleiben. Bereits vor über zwei Jahren erwarb Will Smith die Rechte am Erfolgsfilms Willkommen bei den Sch’tis von Dany Boon, der seinen Humor in erster Linie aus dem lokalen Sprachwitz und dem eigentümlichen Akzent der französischen Provinzler zog. Wie Hollywood diese Eigenarten ins Amerikanische übertragen will, wissen wir nicht – aber sie werden es tun, denn sich eine eigenständige Idee zu überlegen, wäre auch viel zu anstrengend. Wir fühlen mit ihnen.

Wie beurteilt ihr die amerikanischen Komödien, die ihre Inspiration aus unserem Nachbarland zogen? Top oder Flop? Fallen euch noch weitere als die oben genannten ein?

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