Game of Thrones: Das Schicksal von Jaime und Cersei ist das Beste an Staffel 8

Jaime und Cersei Lannister aus Game of Thrones
© HBO
Jaime und Cersei Lannister aus Game of Thrones
Moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
folgen
du folgst
entfolgen
Junior Redakteurin bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Serien, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.

Achtung, massive Spoiler zur 8. Staffel von Game of Thrones: Game of Thrones nähert sich dem Ende, was auch an den Charakteren nicht spurlos vorbeigehen darf. So erleben in der 5. Episode Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Cersei Lannister (Lena Headey) einen letzten tragischen Moment in Zweisamkeit. Das auf sehr abgründige Weise schönste Liebespaar der Serie verabschiedet sich.

Mit den beiden sterben in Game of Thrones nach langer Zeit mal wieder echte Hauptfiguren, aber nicht nur das macht das Ableben der zwei Lannisters besonders. Nachdem die Showrunner mit Staffel 8 bislang maßlos enttäuscht haben, spendieren sie der gemeinsamen Geschichte von Jaime und Cersei nicht weniger als das wohl bestmögliches Ende wie direkt aus einer großen Blockbuster-Romanze.

Warum das Ende von Cersei und Jaime so fantastisch ist

  • Jaime und Cersei haben einander im Leben und im Tod verdient
  • Mit dem Ende ihrer Geschichte unterlaufen die Macher radikal die Erwartungen
  • Ausgerechnet Game of Thrones lässt uns wieder an die Macht der Liebe glauben

Jaime und Cersei können von ihrer Liebe nicht geheilt werden

Um Jaimes seltsames Verhalten in dieser sowie der vergangenen Game of Thrones-Folge Die Letzten der Starks zu verstehen, müssen wir uns vor allem eines bewusst machen: Die Zuneigung zwischen seiner Schwester und ihm ist schicksalhaft und irrational. Niemand kann sich erklären, warum der eigentlich geläuterte Jaime einfach nicht über die grausame Königin hinwegkommt.

Eben diese Absolutheit aber macht die Beziehung zum funkelnden Diamanten im Herzen der Serie. So oft haben uns die Macher gelehrt, dass das Gute in diesem Universum nicht dauerhaft und erst recht nicht unkorrumpiert bestehen kann, das Böse sich aber auch nicht selbst genügen. Inmitten dieser nihilistischen Tristesse platzieren sie nun eine Bombe, die alles mit sich fortreißt.

Plötzlich nämlich ist es sogar dieser dunkle Ort, an dem wir erkennen müssen, dass Liebe in all ihren widersprüchlichen und manchmal auch dubiosen Ausprägungen wirklich existiert. Nur hier eben besonders extrem, weil es nun einmal Westeros ist. (Wir erinnern uns: Zuletzt wollte Cersei Jaime noch von Bronn umbringen lassen und ganz nebenbei sind beide ja, ähem, Geschwister.)

Game of Thrones erteilt dem Fan-Service dieses Mal eine Absage

Dass zumindest Cersei die 8. Staffel der Serie nicht überleben würde, darüber bestand unter Game of Thrones-Anhängern weitgehend Einigkeit. Über die potentielle Art ihres Todes hingegen waren diverse Theorien im Umlauf, die die Stimmung vorab weiter anheizten. Würde Jaime sie töten? Arya? Oder doch Tyrion?

Am Ende kam alles ganz anders. Die Königin stirbt - unter den Umständen denkbar "gewöhnlich" - auf die selbe Weise wie viele Zivilisten in Königsmund: durch ein einstürzendes Gebäude, begraben unter den Trümmern ihrer Macht. Zuvor durchläuft sie die bekannten Stadien der Trauer, vom Leugnen ihrer Niederlage bis hin zur Akzeptanz ihres unmittelbar bevorstehenden Todes in Jaimes Armen.

In gewisser Weise erfüllt sich damit sehr wohl die berühmte Valonqar-Theorie auf Grundlage der Romanvorlage, wonach eines Tages Cerseis kleiner Bruder seine Hände um ihren Hals legt und daraufhin ihr Tod eintritt. Wir hatten die Prophezeiung lediglich zu wörtlich genommen und so den Sinn ganz falsch erfasst. Sandor und Gregor Clegane sind es vielmehr, die in der Episode aus und für den Hass sterben - Cersei und Jaime bilden den warmen Gegenpol.

Cersei Lannister ist auch nur ein Mensch

In Die Glocken nehmen wir Cersei vielleicht zum allerersten (und zugleich letzten) Mal so richtig als Mensch aus Fleisch und Blut wahr. Als jemand, der verletzlich ist, Angst vor dem Tod hat und aufrichtig lieben kann. Das mag irritieren, denn weder Cerseis Beziehung zu Jaime noch die Hingabe an ihre Kinder wurde in Game of Thrones zuvor je mit Sentiment aufgeladen.

Automatisch unglaubwürdig macht es die finalen Momente zwischen Jaime und ihr aber nicht. Im Gegenteil bricht in einer Extremsituation all das aus Cersei heraus, was schon immer da war, jedoch unter einem dichten Schleier der Kälte ein kümmerliches Dasein fristete. Kaum ein Charakter aus Game of Thrones war bzw. ist nur gut oder nur böse - warum sollte die Serie durch Cersei mit der Tradition brechen?

Jaime und Cersei, nichts anderes spielt eine Rolle

Jaime und Cersei sind Zwillinge, er wurde wenige Momente nach ihr geboren. Nun verlassen sie diese Welt zusammen, was absolut Sinn ergibt, weil sich ein Kreis schließt. Am Ende des Tages hatten die Geschwister zu Lebzeiten vor allem einander. Sie mussten den Tod ihrer drei Kinder verkraften, fühlten den selben Schmerz.

Dass Jaimes Liaison mit Brienne auf Winterfell nicht von Dauer sein konnte, versteht sich demnach beinahe von selbst. Seine spontaner Trip zurück nach Königsmund vor dem verheerenden Angriff Daenerys' war eine Entscheidung, bei deren Entstehung sein Verstand nichts zu melden hatte. "Nichts anderes spielt eine Rolle, nur du und ich", versichert er Cersei in der finalen Szene der beiden. Ehrlichere und ergreifendere Worte wurden in Game of Thrones selten gesprochen.

Wie habt ihr das Ende von Jaime und Cersei in Game of Thrones aufgenommen?

Moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
folgen
du folgst
entfolgen
Junior Redakteurin bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Serien, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.
Deine Meinung zum Artikel Game of Thrones: Das Schicksal von Jaime und Cersei ist das Beste an Staffel 8
Jetzt digital und ab 28. Juni auf DVD & Blu-ray!Flucht aus Leningrad
Dd60b33cbe4546e8b064bfe55bf83d34