Game of Thrones: Folge 4 ist die dümmste seit Jahren

Game of Thrones: Die Letzten der Starks
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Game of Thrones: Die Letzten der Starks
Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Die neuste Erkenntnis dieser Game of Thrones-Folge: In der langen Nacht starben nicht nur Tausende Soldaten, offenbar wurden auch ein paar Punkte des Intelligenzquotienten der Serie geköpft. In der 4. Folge der 8. Staffel opfern die Autoren dem Gewaltmarsch zum Serienfinale ihren letzten Rest "seriösen" Storytellings. Es bleibt der Spaß an melodramatischen Intrigen. Und was für einer das ist!

Die Dummheit obsiegt nämlich in Die Letzten der Starks (The Last of the Starks), wenn Daenerys (Emilia Clarke) die Gefahr einer gegnerischen Flotte "vergisst", nur weil die Autoren den Krieg der wahnsinnigen Königinnen befeuern wollen.

Plump wurde schon in den Staffeln nach den verdörrten Bücherquellen erzählt, aber selten so unverhohlen wie hier. Schauen wir uns diese ebenso dumme wie unterhaltsame Folge mal genauer an.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse der Game of Thrones-Folge:

  • Die größte Flotte der Geschichte kann sich hinter einem Felsen verstecken.
  • Varys plant den Putsch gegen Daenerys. Tyrion weiß Bescheid.
  • Game of Thrones zettelt die Schlacht der wahnsinnigen Königinnen an, während Tormund dem treuen Geist hoffentlich viele Streicheleinheiten gibt.

Die 8. Staffel zeigt uns eine der peinlichsten Szenen der Serie

Die Letzten der Starks ist eine in sich gespaltene Episode von Game of Thrones. Auf der einen Seite haben wir die geduldig erzählte Bestandsaufnahme nach der Schlacht. Der Nachtkönig wurde besiegt, die Opfer werden betrauert und das neu geschenkte Leben mit Wein getauft.

Diese Atmosphäre eines Leichenschmauses macht die stärkere erste Hälfte der Episode aus. Sie findet sich im Schnitt von brennenden Leibern zu warmen Kronleuchtern in der großen Halle von Winterfell. Hier gibt sich die von David Benioff und D.B. Weiss geschriebene Episode als stimmige Weiterentwicklung. Auf der anderen Seite des qualitativen Grabens steht der Kater danach.

Zunächst wird der Attentats-Plot um Bronn (Jerome Flynn) in einer peinlichen Szene abgefertigt. Er taucht auf, erpresst seine Zielpersonen (Tyrion und Jaime) und verschwindet wieder, so schnell und unmotiviert, als wüssten die Autoren selbst nicht, warum er diesen Auftrag erhalten hat.

Glücklicherweise bleibt keine Zeit zum Nachdenken, da Daenerys' Flotte nach Drachenstein saust. Euron (Pilou Asbæk) mausert sich zum Drachentöter und schafft, was einer Armee von Untoten nicht gelang. Wie sich die größte Flotte der Welt dort unbemerkt versteckt, wird ebenso wenig beantwortet wie die Frage, warum Daenerys nach zwei Niederlagen gegen Euron nicht mit ihm rechnet.

Game of Thrones und Daenerys geben sich der Dummheit hin

Hier scheinen die Autoren zugunsten des vorangetriebenen Plots und überraschender Tode mit einem Schulterzucken zu antworten - ein Schulterzucken, das wir aus der 7. Staffel zu gut kennen.

Die Ungereimtheiten häufen sich durch die Off-Screen-Entführung von Missandei (Nathalie Emmanuel) und gipfeln in der Konfrontation vor den Toren Königsmunds. Nach der wuchtig inszenierten Kriegsnacht präsentieren uns die Macher eine unansehnliche Brache mit der Ausstrahlungskraft eines Supermarkt-Parkplatzes.

Cersei (Lena Headey) lässt ihren kleinen Bruder Tyrion (Peter Dinklage) jedenfalls gehen, weil dieser an ihre Kinderliebe appelliert. An die Kinderliebe einer Cersei wohlgemerkt, die den Tod von Tommen hingenommen, die einen Attentäter auf die Fersen ihrer Brüder geschickt und die vereinigten Lebenden hintergangen hat. Missandei wird geköpft, weil Daenerys mit allen Mitteln isoliert werden muss. Tyrion lebt, weil ... ja, warum eigentlich?

Diese Folge zeugt von einer Überforderung; weil die Vorlage fehlt, weil die Zeit fehlt und vielleicht auch das Interesse an den Details zwischen den großen Bildern. All das würde mich bedeutend mehr stören, würde diese Folge von Game of Thrones nicht so viel Spaß machen.

Folge 4 der 8. Staffel macht trotzdem richtig Spaß

Mit verletzten Gefühlen und melodramatischen Intrigen begeistert diese Episode von Game of Thrones. Sobald der Wein in Winterfell fließt, ergeht sich die Kamera in vielsagenden Blicken, die über das Schicksal von Kontinenten entscheiden können.

Wie Daenerys von den Nordmännern isoliert wird, bereitet einen fast schon sadistischen Genuss - gerade weil Dany sich so redlich bemüht. Versucht sie sich mit der Ernennung Gendrys zum Lord einzuschmeicheln, wird sie sofort auf ihren Außenseiter-Platz verwiesen.

Auf dem frostigen Boden Winterfells tritt Danys Tragödie zu Tage, welche mit den Toden von Viserion, der Dothraki und Jorahs vorbereitet und mit Rhaegal und Missandei später vorangetrieben wird.

Nachdem sie Stadt um Stadt befreit hat, wird ihr im Norden plötzlich die Liebe verweigert. Ein unbekanntes Gefühl. Varys (Conleth Hill) beobachtet das. "Inkompetenz sollte nicht mit blinder Loyalität belohnt werden", erklärte er sinngemäß seiner Herrscherin in Staffel 7. Als Dany sich in die Irrationalität hineinsteigert, denkt er laut über einen Putsch nach.

Allen "dummen" Entscheidungen in Die Letzten der Starks zum Trotz gehört eine fantastische Szene schließlich zwei Schlaumeiern. Varys spielt endlich wieder eine Rolle und spricht aus, was sich schon mit den Kreuzigungen auf Essos andeutete. Dass nämlich Dany an den Menschen weit weniger gelegen ist als an ihrem Thronanspruch, und mit Jon womöglich ein besserer Herrscher existiert.

GoT-Snacks für Zwischendurch:

  • "Vomiting is not celebrating." Wahre Worte von Jon.
  • Wir sind uns alle einig, dass Jaime Cersei töten will, oder?
  • "I've never slept with a knight before." (Jaime)

Ausgehend von ihrem Gesichtsausdruck am Ende dieser Folge ist Dany eine reale Gefahr für die Einwohner von Königsmund. Tyrion reagiert mit Stark'scher Sturheit. Er hängt wider besseres Wissen an seinen Idealen und vielleicht auch an seiner Liebe zur Drachenmutter.

Game of Thrones holt in dieser Folge mehr Spannung aus dem Spiel von Schärfe und Unschärfe, aus Blickwechseln und Beobachtungen heraus als aus der riesigen Computer-Flotte.

Was, wenn Daenerys' sozialrevolutionäre Welle erlahmt? Was bliebe von Dany, würde man ihr das Ziel nehmen? Nur die blinde Feuersbrunst? Am Anfang der Folge fallen ihre Tränen auf das Gesicht des toten Jorah, am Ende stirbt ihre engste Freundin. Wenn Dany in ihre Zukunft blicken will, sollte sie auf Cersei schauen: auf eine Mutter, die Kind für Kind verloren hat, bis ihr nichts mehr blieb als Hass.

Der Dreiäugige Rabe sagt den entscheidenden Satz der GoT-Folge

Wenn Jon (Kit Harington) in die Zukunft blicken will, lohnt ein Rewatch von Staffel 1 von Game of Thrones. Diese Folge steckt voller Anspielungen. Da gibt es eine verhängnisvolle Reise in den Süden. Tyrion wird eins übergezogen, um eine Schlacht zu überspringen, und im Finale fällt ein Kopf.

Jon hat die Wahl, Sansa (Sophie Turner) und Arya (Maisie Williams) von seinem Geheimnis zu erzählen, und entscheidet sich dafür. So wie Ned Stark einst mit Cersei Lannister über ihre Inzest-Kinder sprach. Ihr erinnert euch sicher an die Konsequenzen. Selbst Ned brachte es allerdings fertig, das dunkeläugige Geheimnis zu wahren, welches das Reich zerreißen könnte.

Wenn uns der enttäuschende Umgang mit dem Dreiäugigen Raben (Isaac Hempstead-Wright) in dieser Staffel etwas lehrt, dann dass das Schicksal in den Händen jedes Einzelnen liegt. Niemand wird dazu verdammt böse zu sein, niemand wird als Prinz, der verheißen wurde geboren. Jeder kann dem Nachtkönig das Messer in den Bauch stoßen.

Trotzdem verhalten sich viele Figuren so, als wären ihr Wege vorgeschrieben. Als müsse Jaimes Weg geradewegs am Glück mit Brienne vorbeiführen, als müsse Tyrion seiner Herrscherin Daenerys folgen und Sansa sich ihr verwehren. Als wäre Daenerys' Weg zum Thron der Sieben Königreiche vorbestimmt, selbst wenn sie dafür über Tausende verkohlte Leichen wandern muss.

Zitat der Folge:
Tyrion: "I don't think a cock is a true qualification, as I'm sure you'd agree."
Varys: "Cocks are important, I’m afraid."

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