Good Omens ist die perfekte Erholung nach dem Game of Thrones-Wahnsinn

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Good Omens
31.05.2019 - 09:30 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Game of Thrones regiert die Serienwelt, die Avengers das Kino und überall erschlägt uns der Bombast. Good Omens bietet genau die Abwechslung, nach der ihr euch sehnt.

Epische Schlachten zwischen Gut und Böse, Heldenschicksale, kurz: Game of Thrones: Derzeit kommen wir am bombastischen Blockbuster-Format einfach nicht vorbei. Noch dazu fluten so viele neue Serien den Markt, dass es unmöglich ist, all die angehäuften Episoden zu gucken. Wer sich von diesem Irrsinn erholen will, dem sei hiermit Amazon Primes Good Omens wärmstens empfohlen. Denn diese Romanadaption bietet euch die perfekte Atempause.

Good Omens dreht sich um das größte aller Themen - im kleinstmöglichen Rahmen

Schauwerte und das Grandeur, enttäuschte Fan-Theoretiker und großes Kino anstelle von sinnvoller Charakterentwicklung: Das war die 8. Staffel Game of Thrones. Alles Probleme, mit denen sich Good Omens nicht herumschlagen muss.

Ein Engel und ein Dämon: Das kleine Zentrum von Good Omens.

Dabei dreht sich die Handlung des Romans, der vor etwa 30 Jahren durch die Fusion der Genies von Neil Gaiman und Terry Pratchett entstand, um das vielleicht größte Thema überhaupt: Die Apokalypse. Doch wie es den zwei unendlich eigensinnigen Briten entspricht, wird der Weltuntergang hier mit einer steifen Prise Humor genommen.

Good Omens ignoriert das Blockbuster-Gefühl und konzentriert sich auf die kleinen Dinge: Auf die augenscheinlich unwichtigen Fehler, die so passieren können, wenn man einen Weltuntergang plant. Auf einzelne Schicksale sturer Querköpfe und einfacher Kinder. Auf einen Engel und einen Dämonen von mittlerem Rang, die die Erde retten wollen, einfach, weil sie diesen Ort doch inzwischen recht liebgewonnen haben.

Aziraphale und Crowley müssen die Welt retten - wo sonst gibt es Eiscreme?

Alles wird auf unverwechselbare, fast schon beruhigende und vollkommen unaufgeregte Weise erzählt. Klar, Armageddon steht uns ins Haus, aber das ist noch lange kein Grund, seinen Humor zu verlieren. Der satirische Umgang mit dem Ende aller Tage ist zugleich ein knallhart ehrlicher Blick auf die menschliche Natur und noch dazu schlicht und ergreifend verflixt witzig. Und verblüffend weit vom übertriebenen Bombast entfernt.

Good Omens ist ein wahres Herzensprojekt

Was viele womöglich nicht wissen: Good Omens läuft aus gutem Grund nicht Gefahr, ein charakterloses Hochglanz-Fließbandprodukt zu werden. Good Omens ist die Erfüllung eines Versprechens unter Freunden. Wie Neil Gaiman unter anderem gegenüber dem Guardian  erklärte, scheiterte eine Adaption des Romans mehrfach, bis Gaiman schließlich Pratchett versprach, sich einfach selbst darum zu kümmern. Der unerwartete Tod Pratchetts 2015 machte aus diesem Versprechen die Erfüllung eines letzten Wunsches.

Good Omens ist vor allem ein Toast auf Terry Pratchett.

Gaiman arbeitete hart daran, diesen Wunsch so gut es nur ging zu erfüllen. Er schrieb das Drehbuch und fungierte als Showrunner. Good Omens bleibt sich also treu, ohne sich bei irgendwem für seine Merkwürdigkeit zu entschuldigen. Dank dieser Entscheidung dürfte übrigens ein guter Teil des Budgets für die Rechte an Queen-Songs draufgegangen sein.

Noch dazu hat die Serie zwar jede Menge Stars im Rücken (Benedict Cumberbatch, Frances McDormand, Jon Hamm). Doch die Besetzung wurde nicht allein aufgrund der Attraktivität von Namen und Gesichtern festgelegt, sondern von Gaiman handverlesen und oft persönlich mobilisiert. David Tennant beispielsweise war Gaimans erste und einzige Wahl für Dämon Crowley. Viele Stars sind nicht etwa dabei, um sich zu verkaufen, sondern aus Liebe zu diesem britischen Kulturgut - dem Roman und seinem Autorengespann.

Auch mit von der Partie: Jon Hamm als Gabriel.

Good Omens kann nicht unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen

Das vielleicht größte Problem für Game of Thrones war die Tatsache, dass den Autoren D.B. Weiss und David Benioff ab einem gewissen Punkt die Vorlagen-Romane ausgingen. Zwar stand ihnen George R.R. Martin in beratender Funktion zur Seite, doch so ganz klappte es dann doch nicht mit dem befriedigenden Abschluss. Wieder ein Problem, das Good Omens einfach nicht hat.

Good Omens ist keine tausende Seiten lange Saga, es passt im Taschenbuchformat selbst in Jackentaschen. Die Adaption ist eine Mini-Serie, was absolut ideal ist für diese Länge. Eine kleine Staffel, wie es der BBC ähnlich sieht, die hierfür mit Amazon Prime zusammenarbeitete.

Ein ganz besonderer Orden, der an der Apokalypse beteiligt ist.

Die Gefahr, den Stoff doch noch auf eine zweite Staffel auszuwalzen, dürfte ebenfalls kaum bestehen: Die Geschichte ist rund und abgeschlossen, und ohne Terry Pratchett scheint es mehr als unwahrscheinlich, dass Neil Gaiman jemals eine Fortsetzung schreiben könnte oder wollte. So kann Good Omens gar nicht unter selbst aufgebautem Druck zusammenbrechen, wie es Game of Thrones letztendlich passiert ist.

Good Omens wird euch einen geistigen und geistreichen Urlaub geben

Mit all dem Engagement und Herzblut, das in Good Omens steckt, erwartet uns hier ein Projekt, wie wir es schon lange nicht mehr hatten. Ein Neil Gaiman kann sich problemlos mit einem George R. R. Martin messen, doch die Dimension des Projekts wurde bewusst im richtigen, kleinen Rahmen gehalten.

Michael Sheen als Aziraphale und David Tennant als Crowley

Good Omens soll nicht soundso viele Rekorde sprengen und soundso viele Fan-Theorien hervorbringen. Gaiman schuf diese Adaption für Terry Pratchett und eine Fan-Gemeinde, die stets geschlossen hinter ihm stand. Das Grundgefühl bei der Arbeit an der Amazon-Serie formulierte Gaiman dem Guardian gegenüber so:

[Manchmal] erschafft man etwas, das man so sehr liebt, dass es einem wirklich völlig egal ist, was irgendjemand anders darüber denkt.

Wenn aus dem fertigen Produkt Good Omens genau diese Überzeugung spricht, erwartet uns ein geistiger Urlaub, so witzig und clever, wie es zurzeit nur wenige Serien sind. Ab dem heutigen 31.05.2019 könnt ihr euch auf Amazon Prime eure wohlverdiente Auszeit mit Good Omens nehmen.


Als Grundlage für diesen Serien-Check dienten die ersten zwei Episoden.

Werdet ihr euch Good Omens anschauen?

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