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Hollywoods Liebe zur amerikanischen Neuauflage

Oldboy/Oldboy
© 3L/ Universal Pictures International Germany GmbH
Oldboy/Oldboy

Mit Oldboy von Spike Lee kommt in dieser Woche die amerikanische Neuauflage des gleichnamigen, südkoreanischen Hits von Chan-wook Park in die Kinos und reiht sich damit nahtlos in die Liste der außer-amerikanischen Filme ein, die durch ein großes Hollywoodstudio eine US-Frischzellenkur erhalten. Doch warum scheint Hollywood so erpicht darauf zu sein, Lizenzen von nicht-amerikanischen Produktionen einzukaufen, um diese dann durch eigene Produktionen erneut auf die Leinwand zu bringen? Ist es einfacher, etwas Vertrautes an das Massenpublikum zu bringen, als das mysteriöse Neue und Unbekannte? Geht Hollywood davon aus, dass ein schon erfolgreicher Film automatisch auch als aufgehübschte Hollywood-Version Erfolg verbuchen kann? Kurz: Warum legt Hollywood immer wieder Filme neu auf? Ich wage einen kleiner Versuch, Antworten darauf zu finden, ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Die Produktion
Wenn wir uns Filmproduktionen außerhalb der Traumfabrik anschauen, fällt immer wieder auf, dass sich einige Produktionen in den letzten Jahren vermehrt am amerikanischen Stil orientieren und sich ganz gezielt Elemente aus einer langen Hollywood-Filmtradition herauspicken. Die Werke nähern sich teilweise großen, amerikanischen Produktion an, wodurch es auch für Hollywoodstudios attraktiver wird, eben genau diese Filme noch einmal mit größerem Budget aufzupeppen. Fred Cavayé, seines Zeichens Drehbuchautor und Regisseur von Ohne Schuld, der von Paul Haggis unter dem Titel 72 Stunden – The Next Three Days neu aufgelegt wurde, sagt: “Die Ironie ist, dass wir amerikanisch-geprägte Filme machen, die sie dann noch einmal umsetzen.”

Die Produktionen nähern sich zwar auf den unterschiedlichsten Ebenen immer weiter an, doch lenkt ein amerikanisches Remake eines schon erfolgreichen Films die Aufmerksamkeit glücklicherweise immer öfter auf das Original, was für den Regisseur und die Verantwortlichen nur von Vorteil sein kann. Paco Plaza, der am Drehbuch zum spanischen Horrorfilm [REC] mitschrieb und Co-Regie führte, sieht ein Remake sogar als eine Art Belohnung: „Dies ist ein Zeichen der Anerkennung. Und es verstärkt die Popularität des Originals, also ich kann mich überhaupt nicht beschweren.“ Er muss es wissen, fand sein Horrorstreifen doch unter dem Titel Quarantäne von Regisseur John Erick Dowdle den Weg in die amerikanischen Kinosäle. Oft wird von den Verantwortlichen viel Wert darauf gelegt, dass es sich dabei bei Weitem nicht nur um eine bloße Neuauflage eines erfolgreichen Übersee-Films handle, sondern es die eigene Interpretation des Ausgangsstoffes sei. David Fincher, der mit Verblendung die schwedische Bestseller-Verfilmung neu auf die Leinwand brachte, wurde nicht müde zu betonen, dass es sich dabei nicht um ein bloßes Remake handle, sondern es vielmehr eine parallele Adaption des Romans von Stieg Larsson sei.

Die Sicherheit
Doch bei allen noblen Ansätzen und diversen Ausflüchten, erleichtert ein schon in Übersee erfolgreich gelaufener Film die Entscheidung des Studios, ihn noch einmal umzusetzen und damit einen gewissen Erfolg einzufahren, doch erheblich. Es ist diese finanzielle Sicherheit, die die Studios reizt, ist dies doch um Welten einfacher, als selbst etwas zu wagen oder sich durch das zwanzigste, schlechte Skript zu kämpfen. Dabei schmerzt es auch nicht, dass die zu adaptierenden Stoffe womöglich Sex, Gewalt und Drama beinhalten, wirkt dies auf amerikanisches Publikum doch angenehm frisch und unverbraucht. Anstatt mit Mut ausgestattet eine eigene Adaption zu wagen, wird anscheinend lieber Anderen der Vortritt gelassen, um im Anschluss die Hollywood-Produktion als eigene Interpretation zu verkaufen. Dieses Vorgehen minimiert die Chance auf einen Flop schon von vornherein, denn was außerhalb den Grenzen gut funktionierte, kann mit bekannten Schauspielern, größerem Budget und edler Produktion ja kaum noch schief gehen, oder?

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