Mein Herz für Klassiker

Ich, London und die Verwandlung in American Werewolf

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Regisseur John Landis dürfte Musikbegeisterten vor allem durch seine Blues Brothers-Filme bekannt sein, sowie durch zahlreiche Comedy-Klassiker der 1980er, darunter Die Glücksritter, Spione wie wir und Der Prinz aus Zamunda. Einer seiner besten Filme wird wohl aber auf ewig American Werewolf von 1981 bleiben. Warum dem so ist? Das will ich euch gerne verraten.

Warum ich American Werewolf mein Herz schenke


Meine Liebe für handgemachte Effekte habe ich ja bereits in dem einen oder anderen Herz für Klassiker zum Ausdruck gebracht, und die 1980er können durchaus als die Blütezeit dieser Kunst gesehen werden. Filme wie Die Fliege von David Cronenberg, Hellraiser - Das Tor zur Hölle von Clive Barker oder Das Ding aus einer anderen Welt von John Carpenter glänzen mit ihren Effekten, und Landis' Film steht dem in nichts nach. Neben den tollen Effekten bietet der Film, typische für die Filmographie des Regisseurs, außerdem eine gehörige Portion Humor, sowie eine durchaus ernste und dramatische Seite und ist damit wesentlich vielschichtiger als der typische 08/15-Horrorfilm. Intelligent werden die verschiedenen Komponenten zu einem stimmigen Gesamtwerk, welches zu keiner Sekunde langweilt, ineinandergefügt. Somit fällt der Film auch weniger stark aus den 80er Jahre-Werken von Landis heraus, da seine Handschrift in jeder Szene zu spüren ist. Er nimmt die Thematik und das Leid des jungen Mannes, der unfreiwillig zur Bestie wird, ernst und zeigt die Konsequenzen, aber er verliert dabei nie seinen Sinn für Humor. Ähnlich war es bereits im Vorgängerfilm Blues Brothers. Er nahm die Figuren auf die Schippe, verlor dabei aber nie den Respekt vor ihnen, sondern machte sie damit nur noch liebenswerter und trug sie näher an die Herzen der Zuschauer heran.

Warum auch andere American Werewolf lieben werden


Der Film beginnt in einem nordenglischen Hochmoor, wo die beiden amerikanischen Studenten David (David Naughton) und Jack (Griffin Dunne) sich auf ihrer Reise durch Europa des Nachts verlaufen. In einer schäbigen Dorfkneipe bereits mit kryptischen Warnungen in die Nacht entlassen und verunsichert, hören sie Wolfsgeheul und werden schließlich von einer Bestie angefallen. Jack stirbt, doch David überlebt und wird daraufhin in ein Krankenhaus in London überwiesen. Dort plagen ihn Visionen seines grausam entstellten Freundes, der ihm sagt, dass er jetzt ein Werwolf sei und sich deshalb töten müsse. Außerdem erscheinen ihm immer wieder kuriose Gestalten in SS-Uniformen, die in seinen Alpträumen seine komplette Familie auslöschen. Trotz all dieser Widrigkeiten verliebt er sich in die Krankenschwester Alex (Jenny Agutter) und wohnt vorerst bei ihr. Doch der untote Jack scheint recht gehabt zu haben, denn beim nächsten Vollmond verwandelt sich David in eine haarige Bestie und zieht eine Blutspur durch ganz London. Die Situation spitzt sich zu. Schließlich mündet alles in einen Großeinsatz der Polizei, die David des Nachts auf dem berühmten Piccadilly Circus stellen will, und das Chaos bricht aus.

Warum American Werewolf einzigartig ist


Es ist beeindruckend zu sehen, wie mühelos Humor, explizite Gewalt und traurige Momente ineinander verwoben werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient die bereits oft besprochene Verwandlungsszene, in der David sich das erste Mal in einen Werwolf verwandelt. Eine Meisterleistung des Effektehandwerks. Alles passiert on screen, direkt vor den Augen der Zuschauer. Wir sehen, wie sich Davids Körper unter seinen Schreien krümmt und windet, während seine Extremitäten sich dehnen, die Haare sprießen und er langsam zu einem Hund der Hölle wird. Ein auf Film gebannter Alptraum und so bis zur Perfektion durchkomponiert, dass er noch heute nichts von seiner Intensität verloren hat. Kein CGI, und zweieinhalb Minuten lang keine Atempause für die Zuschauer. Unterlegt mit den sanften Klängen von Sam Cooks Blue Moon, welche einen krassen Kontrast zu den Bildern herstellen und der Szene eine gewisse Komik einbringen. Maskenbildner Rick Baker setzte sich mit dieser Szene ein Denkmal und erhielt als erster den Oscar für das Beste Make-up, einer Kategorie, die 1981 neu geschaffen wurde. Pop-Ikone Michael Jackson war von dem, was er in dem Film sah, derart begeistert, dass er Landis und Baker für sein Musikvideo Thriller anheuerte, welches heute ebenfalls als ein Klassiker in der Geschichte der Musikvideos gilt. Alleine die Anfangsszene, in der Jackson sich ebenfalls in einen Werwolf verwandelt, ist eine deutliche Reminiszenz an den American Werewolf.

Warum American Werewolf die Jahrzehnte überdauern wird


Atmosphäre, schauspielerische Leistung und Effekte sind toll, und die Regie von John Landis, sowie der Soundtrack (dessen Titel alle etwas mit dem Mond zu tun haben), machen den Film zu einem besonderen Horrorhappen. Es gab viele Werwolf-Filme in den 80ern (Wolfen, Ein Werwolf beißt sich durch, Das Tier), doch Landis und sein Werwolf aus Amerika schwimmen ganz oben auf der Welle mit. Wer sich bisher noch nicht mit dem Film vertraut gemacht hat, oder an sich Schwierigkeiten mit Monsterfilmen hat, dem sei American Werewolf wärmstens ans Herz gelegt. Ein guter Horror-/Monsterfilm, wie wir ihn heutzutage leider nicht mehr häufig zu Gesicht bekommen. Ein Klassiker durch und durch, mit einem haarigen und blutrünstigen Herzen. Eine echte Perle eben.



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