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Mein Herz für Klassiker

Ich, Romero und niedriges Budget in Die Nacht der Lebenden Toten

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Die Nacht der lebenden Toten
05.05.2015 - 09:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Wenige Filme können von sich behaupten ein ganzes Genre definiert zu haben. George A. Romeros Zombie-Klassiker Die Nacht der Lebenden Toten ist die Mutter aller modernen Zombiefilme. Warum dieser untote Schinken auch heute noch schmeckt, erzähle ich euch jetzt.

Ein Ausflug auf den Friedhof wird für die Geschwister Barbara (Judith O'Dea) und Johnny (Russell Streiner) zum Alptraum. Die Toten erheben sich aus ihren Gräbern und nur Barbara kann ihnen entkommen. Alleine flüchtet sie in ein scheinbar leer stehendes Landhaus. Doch lange bleibt sie dort nicht alleine. Neben weiteren Untoten gesellen sich auch andere Überlebende zu ihr und der Kampf ums Überleben beginnt. Doch nicht nur die auferstandenen Toten sind eine Bedrohung. Auch innerhalb der Gruppe gibt es Spannungen. Werden die Lebenden es schaffen sich zur Wehr zu setzen, oder spalten die Unstimmigkeiten die Gruppe und spielen damit den Untoten in die fauligen Hände?

Warum ich Die Nacht der lebenden Toten mein Herz schenke

Die Nacht der lebenden Toten war nicht mein erster Zombiefilm, aber er hat mich trotzdem beeindruckt. Auch wenn er mich mit 16 Jahren nicht mehr so umgeblasen hat wie einst sein Publikum im Jahr 1968, so wird einem beim Schauen dieses Films doch die Tragweite bewusst, die er gehabt haben muss. Bevor George A. Romero den Untoten schuf wie wir ihn heute kennen, war dieser nämlich eher im Voodoo zu Hause und fraß auch noch keine Menschen, sondern war eher ein Werkzeug der Lebenden. In Klassikern wie White Zombie etwa sehen wir noch einen ganz anderen Zombie. Schaut man sich Die Nacht der lebenden Toten an, entfaltet sich vor einem die Blaupause für alles, was danach kam. Einige Besonderheiten der Zombies sind hier jedoch zu beobachten. Zombies werden nicht Zombies genannt. Es sind lediglich die Untoten. Außerdem scheinen sie eine rudimentäre Intelligenz zu besitzen, nutzen sie doch Steine und ähnliches um Schaden anzurichten bzw. schaffen es gar mit ihren Händen Türen zu öffnen.

Warum auch andere Die Nacht der lebenden Toten lieben werden

Wer Zombies liebt muss Die Nacht der lebenden Toten sowieso sehen. Ansonsten darf der Mitgliedsausweis für den I Love Zombies-Club gleich wieder am Eingang abgegeben werden. Aber auch für alle anderen spreche ich hiermit ein klare Anschauempfehlung aus. Der Filme wurde oft besprochen, damals verflucht, heute gefeiert und immer wieder zitiert. Als schmuddliger B-Movie aus den Autokinos schaffte er es in die Geschichtsbücher der Horrorfilme und darüber hinaus. Der Film bietet für seine Zeit einige explizite Szenen und traut sich auf lustige oder romantische Untertöne komplett zu verzichten. Alles was der Zuschauer zu sehen bekommt ist eine Gruppe von Menschen, die ums Überleben kämpft, in einer Welt die am Rande des Kollaps zu stehen scheint. [Achtung: Mini-Spoiler voraus] Zudem wird auf ein klassisches Happy End verzichtet. Niemand kann in dieser Welt mehr gewinnen. Der Hauptdarsteller und einzige Überlebende Ben (Duane Jones) wird schließlich wie nebenbei vom marodierenden Mob erschossen und verbrannt. Ein zynisches und böses Ende, haben wir doch die letzten 90 Minuten mit ihm und den anderen gefiebert und für kurze Zeit sogar gehofft, der Mob würde ihn retten. Aber nicht in Romeros Welt.

Warum Die Nacht der lebenden Toten einzigartig ist

Der Status als Pionier seines Genres macht den Film allein schon zu etwas Besonderem. Er liefert außerdem einmal mehr den Beweis, dass es kein Budget braucht um einen Meilenstein zu schaffen. Mit nur knappen 114.000 US-Dollar und einer ganzen Menge Kreativität hoben Romero und sein Team den Zombiefilm auf ein neues Level des Schreckens. Knappe 10 Jahre später, im Jahr 1978, schaffte Kultregisseur John Carpenter mit seinem Film Halloween - Die Nacht des Grauens etwas ähnliches für das Genre des Slasherfilms. Natürlich sehen einige Effekte heute nicht mehr zeitgemäß aus und auch ein paar der Darsteller sieht man ihren Mangel an schauspielerischem Talent an, doch das alles lässt sich verschmerzen, wenn man auf die Seele des Films guckt. Romero besaß kein Geld für richtige Darsteller und musste mit Freunden und Bekannten arbeiten. Auch dem Mythos um den angeblichen Kommentar zur Rassentrennung widersprach er und führte die Besetzung von Hauptfigur Ben mit dem farbigen Duane Jones lediglich darauf zurück, dass dieser eben der talentierteste von allen war. Aber das stört nicht wirklich, sieht man dem Film doch an, dass hier ein paar Leute einfach richtig Lust hatten ihre Vision umzusetzen und das mit viel Liebe und so gut wie möglich. Manchmal mach das einen Film besser als es jedes Budget und jede Effektschmiede es je könnten.

Warum Die Nacht der lebenden Toten die Jahrzehnte überdauern wird

Die Nacht der lebenden Toten genießt Kultstatus und wurde, nachdem sich die aufgeschreckten Gemüter seit den 1960ern wieder beruhigt hatten, auch kulturell anerkannt und gewürdigt. Er ist ein Teil der Popkultur geworden und selbst wenn es einige nicht wissen, so atmet doch jeder Zombiefilm der modernen Zeit ein wenig den faulenden Atem dieses Klassikers. Wer den Ursprung des modernen Zombies sucht, voilà und bitteschön, da hat er ihn auf dem blutigen Silbertablett. Ganz ohne Voodoo und Liebesgeschichte oder komische Einlagen. Ernst, brutal und hoffnungslos. Wer wissen will, woher die Zombies kommen, der muss zurück in die 60er, der muss Die Nacht der lebenden Toten sehen.

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