Serienmörder in Filmen: John Wayne Gacy, der Killer-Clown

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Update: Die Artikelreihe zu "Serienkiller & Filmgeschichte" haben wir bereits vor sechs Jahren veröffentlichen. Die ist gerade hochaktuell, denn Quentin Tarantino erzählt in Once Upon a Time ... in Hollywood seine eigene Geschichte über den Mörder Charles Manson. Zudem geht es in der Netflix-Serie Mindhunter, deren 2. Staffel gerade gestartet ist, ebenfalls um Serienmörder und deren menschliche Abgründe.

John Wayne Gacy war ein freundlicher Mensch, ein ehrgeiziger Geschäftsmann und ein netter Onkel für seine Familie. Als seine Schwester Karen an Weihnachten 1978 von der Polizei erfuhr, dass ihr geliebter und loyaler Bruder über Jahre hinweg das Doppelleben eines Serienmörders führte, brach ihre heile Welt in sich zusammen. Dabei hatte es vorher schon genügend Anzeichen für Gacys abgründige Seite gegeben, die aber niemand - so scheint es - erkennen wollte.

Gacy wuchs ab 1942 in der Nähe von Chicago auf und war zusammen mit seiner Schwester den regelmäßigen Gewaltausbrüchen seines alkoholkranken Vaters ausgeliefert, der ihn für sein Interesse an vermeintlich weiblichen Tätigkeiten wie Kochen und Gartenarbeit häufig verprügelte und demütigte.

Seit seinem 18. Lebensjahr engagierte er sich in Chicago innerhalb der Kommunalpolitik, arbeitete in Verbänden zur Förderung von Jugendlichen und machte einen Abschluss an der Business School. Als seine Nichte 1965 geboren wurde, begann er, sich bei öffentlichen Auftritten und Familienfeiern als Pogo der Clown zu verkleiden und sicherte sich damit weiterhin Anerkennung und Beliebtheit.

Nachdem Gacy 1966 geheiratet hatte und zum Manager eines Restaurants aufgestiegen war, folgte zwei Jahre später der erste kriminelle Zwischenfall: 1968 wurde er der Vergewaltigung eines männlichen Teenagers für schuldig befunden und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Während des Verfahrens ging seine Ehe in die Brüche.

Doch nachdem Gacy nach gerade mal zwei Jahren Haft wegen guter Führung entlassen wurde, fand er schnell eine neue Frau, mit deren Kindern aus erster Ehe er bald ein Eigenheim bezog. John Wayne Gacy war ein Vorzeige-Ex-Knacki, der seine Bewährungsauflagen tadellos erfüllte und sich mit einer eigenen Handwerksfirma nach seiner Entlassung erfolgreich selbstständig machte.

Wortwörtlich zu viele Leichen im Keller

Doch unter der Oberfläche brodelte es: Als seine Frau und seine Stiefkinder am 2. Januar 1972 für ein paar Tage zu Verwandten fuhren, entführte Gacy den 16-jährigen Timothy McCoy, erstach ihn in seinem Haus mit einem Küchenmesser und verscharrte die Leiche

anschließend unter seinem Keller. Es sollten nochmals drei Jahre vergehen, bis Gacy wieder zuschlug, doch ab da kannte das Morden für den Serienmörder kein Halten mehr.

Im Zeitraum von 1975 bis 1978 entführte und ermordete Gacy weitere 32 Menschen. Obwohl seine Familie von dem immer schlimmer werdenden Gestank in seinem Haus Notiz nahm und obwohl zwischen 1977 und 1978 zwei junge Männer bei der Polizei auftauchten, die angaben, von Gacy misshandelt worden zu sein, kam es aus Mangel an Beweisen nicht zu einer Verhaftung.

Erst als am 11. Dezember 1978 der 15-jährige Robert Piest verschwand, unmittelbar nachdem er mit Gacy gesprochen hatte, war der Mann mit der Clownsmaske eindeutig zu weit gegangen. Im Haus des Serienmörders fanden die Ermittler zunächst Kleidung, Schmuck, Ausweise und persönliche Gegenstände von vermissten Personen, doch nachdem Gacy ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte, offenbarte sich erst der groteske Friedhof, den er über die Jahre unter seinem Haus angelegt hatte.

28 Leichen fand die Polizei auf Gacys Grundstück, die im Keller, unter der Garage oder im Garten vergraben waren. Die letzten fünf Leichen hatte er in einen naheliegenden Fluss geworfen. Die Opfer waren alle männlich und zwischen 15 und 21 Jahre alt. Da viele von ihnen von Zuhause ausgerissen waren oder sich prostituierten, ist die Identität von acht Leichen bis heute ungeklärt.

Bei der Verhandlung im Februar 1980 plädierte Gacy auf Schuldunfähigkeit durch Geisteskrankheit, erhielt vom Gericht jedoch keine Gnade. Er bekam 21 Mal lebenslänglich und wurde von zwölf Geschworenen zur Todesstrafe verurteilt, was ihm einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde einbrachte. 1994 wurde er mit einer Injektion hingerichtet.

Der Killer-Clown wird zum Film-Mythos

Wer jetzt gedacht hat, dass John Wayne Gacy die ideale Steilvorlage für Es von Stephen King und die gleichnamige Verfilmung mit Tim Curry als Pennywise war, liegt leider falsch. Auch wenn der 1986 erschienene Roman in das passende Zeitfenster fällt, hat Stephen King einen Zusammenhang zwischen der Horrorfigur und dem tatsächlichen Serienmörder nie bestätigt. Allerdings gibt es ein Foto von Gacy, das kurz vor seinem Tod aufgenommen wurde und auf welchem er ein selbstgemaltes Bild von einem Clown in der Hand hält, das den Titel „Pennywise the Clown“ trägt.

Noch während Gacy auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartete, wurde 1992 die zweiteilige Fernsehproduktion Jagt den Killer von Eric Till ausgestrahlt, die die Geschichte des Serienkillers aus Ermittlersicht nacherzählt. Einen weiteren Blick auf das Leben des Massenmörders liefert außerdem das Biopic Gacy aus dem Jahre von 2003 mit Mark Holton und Adam Baldwin, das allerdings eine weitgehend freie Erzählweise anstrebte und deshalb historisch und biografisch fehlerhaft ist.

Die Verfilmung Dear Mr. Gacy von 2010 widmet sich hingegen der Zeit nach seiner Verhaftung und bezieht sich dabei auf eine wahre Begebenheit: Während seiner Haftzeit wurde Gacy von einem jungen Kriminologie-Studenten namens Jason Moss kontaktiert, der eine Abschlussarbeit über Serienmörder schreiben wollte. Moss versetzte sich für seine Recherchen absichtlich in die Rolle eines stereotypen Opfers, um so mehr über Gacys Innenwelt zu erfahren. Die Gründe für Moss‘ Suizid im Jahre 2006 sind bis heute ungeklärt.

2010 kam neben der Horrorkomödie Dahmer VS Gacy, über die wir schon in der letzten Serienkiller-Ausgabe berichtet hatten, außerdem der Horrorfilm Paranormal Investigations 2 – Gacy House von Anthony Fankhauser auf den Markt. Als Copycat-Film der Paranormal Activity-Reihe dreht es sich hier um eine Gruppe von Forschern, die nach Gacys Tod in dessen Haus gehen, um dort nach paranormalen Aktivitäten zu suchen und um Séancen mit dem einstigen Serienmörder abzuhalten.

Wer regelmäßig South Park schaut, weiß vermutlich, dass John Wayne Gacy 2006 auch einen Auftritt in der Kultserie hatte: Zusammen mit Jeffrey Dahmer und Ted Bundy bildete er hier das Slapstick-Trio The Three Stooges - der Name ist übrigens einer wirklichen Komikertruppe entlehnt, die zwischen 1920 und 1970 erfolgreich und mit wechselnder Besetzung viele Comedy-Kurzfilme drehte und für ihren brutalen Körperhumor bekannt war.

Doch die amerikanische Serienlandschaft bietet noch eine weitere Referenz, denn das Joliet Correctional Center, in dem Gacy inhaftiert war, diente später als Drehort für Prison Break. Einige Szenen für den in der Serie einsitzenden Lincoln wurden sogar tatsächlich in der Zelle gedreht, in der John Wayne Gacy auf seinen Tod wartete. Bevor Gacy 1994 hingerichtet wurde, sollen seine letzten Worte übrigens „Kiss my ass“ gewesen sein.

Seht ihr noch andere filmische Verbindungen zum Fall John Wayne Gacy?
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