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Serienmörder in Filmen: Aileen Wuornos - Morden für den Feminismus?

Charlize Theron in Monster
© EMS
Charlize Theron in Monster
20.08.2019 - 09:00 Uhr
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Die Geschichte ist voll von männlichen Serienkillern, von weiblichen hört man hingegen nur selten etwas. Aileen Wuornos war eine der wenigen Vertreterinnen, deren Taten nach ihrem Tod auch filmisch verarbeitet wurden. Dabei ist bis heute unklar, ob sie selbst Täter oder Opfer war.

Update: Die Artikelreihe zu "Serienkiller & Filmgeschichte" haben wir bereits vor sechs Jahren veröffentlichen. Die ist gerade hochaktuell, denn Quentin Tarantino erzählt in Once Upon a Time ... in Hollywood seine eigene Geschichte über den Mörder Charles Manson. Zudem geht es in der Netflix-Serie Mindhunter, deren 2. Staffel gerade gestartet ist, ebenfalls um Serienmörder und deren menschliche Abgründe.

Die 1956 in Rochester, Michigan geborene Aileen Wuornos hatte keine besonders glückliche Kindheit. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt waren ihre Eltern bereits geschieden. Ihren Vater Leo Arthur Pittman lernte sie wegen seiner häufigen Gefängnisaufenthalte nie kennen. Dieser saß damals unter anderem wegen versuchten Mordes und der Vergewaltigung an einem siebenjährigen Mädchen ein und beging 1969 schließlich Selbstmord im Gefängnis.

Als Aileen gerade mal vier Jahre alt war, wurde sie von ihrer Mutter verlassen und zusammen mit ihrem Bruder von den Großeltern adoptiert. Mit 14 Jahren hatte Wuornos Sex mit ihrem eigenen Bruder und brachte neun Monate später ein gesundes Kind zur Welt, das sie ebenfalls zur Adoption freigab. Ab 1974 fiel die junge Frau erstmals durch kleinere Straftaten auf, darunter Trunkenheit am Steuer, Ruhestörung und Vandalismus.

Zwei Jahre später lernte sie einen mehr als 40 Jahre älteren Yachtclub-Präsidenten kennen und heiratete ihn noch im selben Jahr. Ihre Aggressivität und Gewaltbereitschaft bekam sie jedoch trotzdem nicht in den Griff und wurde immer wieder durch Schlägereien und Körperverletzung straffällig. Nachdem sie ihren eigenen Mann mit dessen Gehstock verprügelt hatte, reichte dieser nach nur wenigen Monaten Ehe die Scheidung ein.

Das Mordmotiv der Serienmörderin: Männerhass

1986 lernte sie ihre lesbische Geliebte Tyria Moore kennen. Da sie ihr Einkommen hauptsächlich mit Straßenprostitution bestritt und dabei angeblich auch für das Wohlergehen Moores aufkommen musste, traf sie im November 1989 schließlich auf ihr erstes Mordopfer: Richard Mallory war ein verurteilter Vergewaltiger, den Wuornos mit mehreren Schüssen hinrichtete.

Die folgenden fünf Morde zwischen Mai und November 1990 folgten einem ähnlichen Prinzip. Wuornos ließ sich als Straßenprostituierte von ihren Freiern aufgabeln, fuhr mit ihnen an einsame Orte, erschoss ihre Opfer und raubte sie anschließend aus. Außerdem wird davon ausgegangen, dass Wuornos noch einen siebten Mord an dem vermissten Peter Siems begangen haben soll, allerdings wurde dessen Leiche bis heute nie gefunden.

Am 9. Januar 1991 wurde Wuornos schließlich aufgrund einer erdrückenden Beweislast in einer Biker Bar in Florida verhaftet, die anschließend übrigens mit dem Spruch „Cold Beer and Killer Women“ zu einer Touristenattraktion wurde. Ihre ehemalige Lebensgefährtin Tyria Moore kooperierte daraufhin mit der Polizei und ließ eine Überwachung ihrer Telefonate mit Wuornos zu.

In diesen Gesprächen gestand Aileen die Morde gegenüber ihrer Freundin und konnte schließlich dingfest gemacht werden. Während ihrer Haftzeit machte Aileen Wuornos gegenüber der Polizei und der Presse widersprüchliche Aussagen zu ihren Taten, die sich zwischen kaltblütig geplanten Morden einerseits und Notwehr andererseits bewegten.

Die Serienmörderin hatte laut eigenen Angaben bis zur ihrer Verhaftung mit 250.000 Männern geschlafen (was eindeutig übertrieben ist; bei circa 20 Jahren Prostitution ergibt das 34 Männer pro Tag), von denen ihr zufolge viele gewaltbereit waren und sie misshandelten. Ihr Prozess wurde von einem lautstarken Medienecho begleitet, bei der viele Feministinnen die Verurteilung Wuornos als einen weiteren Siegeszug des Patriarchats bezüglich der sexuellen Ausbeutung von Frauen einstuften. Am 9. Oktober 2002 wurde sie durch eine tödliche Injektion hingerichtet.

Aileen Wuornos kehrt nicht nur im Film zurück

Die Serienmörderin saß gerade mal ein Jahr in der Todeszelle, als mit Jean Smart in der Hauptrolle ein Fernsehfilm produziert wurde, der in Deutschland unter dem reißerischen Titel Auf dem Todesstrich vermarktet wurde.

1993 drehte der Regisseur Nick Broomfield, der sich übrigens auch die Nirvana-Doku Kurt & Courtney auf die Fahne schreiben kann, eine Dokumentation mit dem Titel Aileen Wuornos: The Selling of a Serial Killer und knüpfte nach ihrem Tod im Jahre 2003 mit der Fortsetzung Aileen: Leben und Tod einer Serienmörderin daran an.

Aileen Wuornos: The Selling of a Serial Killer

Die bekannteste Verfilmung ist und bleibt jedoch Monster mit Charlize Theron, die für ihre Darstellung der Mörderin einen Oscar und einen Golden Globe gewann. Der Film bleibt sehr nah an seiner Protagonistin und zeigt sowohl Wuornos‘ cholerische und gewalttätige Seite, als auch eine andere zerbrechlichere, empfindsame Facette - was eine Einordnung der einstigen Serienmörderin als Täter oder Opfer innerhalb ihrer kriminellen und menschenunwürdigen Lebensumstände nahezu unmöglich macht.

Ganz anders dagegen erzählt eine eigens für Wuornos geschriebene und 2001 unter ihrem Namen uraufgeführte Oper die Geschichte einer Frau, die nicht als Mörderin geboren wurde, sondern mit ihren Taten nur ihre gewalttätige und sexuell demütigende Umwelt spiegelte.

Mons

Die abschließende filmische Referenz zu Aileen Wuornos klingt zugegeben etwas seltsam. Die letzten Worte der verurteilten Serienmörderin sollen gewesen sein: „I’d just like to say I’m sailing with the Rock, and I’ll be back. Like Independence Day with Jesus, June 6, like the movie, big mothership and all. I’ll be back." Neben den religiösen Anspielungen in diesem kryptischen Zitat scheint sie mit der Rede von einem Mutterschiff auch auf Roland Emmerichs Independence Day von 1996 zu verweisen, allerdings galt Wuornos zum Zeitpunkt ihrer Hinrichtung als geistig verwirrt und kann alles Mögliche mit dieser Aussage gemeint haben.

Dennoch gibt es Menschen, die an das Weiterleben von Aileen Wuornos‘ unruhigem Geist glauben: Al Bulling, der Besitzer von Wuornos‘ einstiger Lieblingsbar, behauptet, dass unmittelbar 30 Minuten nach ihrer Hinrichtung plötzlich das Inventar aus den Regalen fiel, Möbelstücke sich bewegten und der Fernseher verrückt spielte. Es sind wohl genau jene Mythen, die das Weiterleben von einstigen Serienmördern in den Köpfen der Menschen garantieren.

Seht ihr noch andere filmische Verbindungen zum Fall Aileen Wuornos?

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