Serienkiller & Filmgeschichte - Teil 4

Der Killer-Clown wird zum Film-Mythos

Der Killer-Clown wird zum Film-Mythos
Wer jetzt gedacht hat, dass John Wayne Gacy die ideale Steilvorlage für Es von Stephen King und die gleichnamige Verfilmung mit Tim Curry als Pennywise war, liegt leider falsch. Auch wenn der 1986 erschienene Roman in das passende Zeitfenster fällt, hat Stephen King einen Zusammenhang zwischen der Horrorfigur und dem tatsächlichen Serienkiller nie bestätigt. Allerdings gibt es ein Foto von Gacy, das kurz vor seinem Tod aufgenommen wurde und auf welchem er ein selbstgemaltes Bild von einem Clown in der Hand hält, das den Titel „Pennywise the Clown“ trägt.

Noch während Gacy auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartete, wurde 1992 die zweiteilige Fernsehproduktion To Catch A Killer von Eric Till ausgestrahlt, die die Geschichte des Serienkillers aus Ermittlersicht nacherzählt. Einen weiteren Blick auf das Leben des Massenmörders liefert außerdem das Biopic Gacy aus dem Jahre von 2003 mit Mark Holton und Adam Baldwin, das allerdings eine weitgehend freie Erzählweise anstrebte und deshalb historisch und biografisch fehlerhaft ist.

Die Verfilmung Dear Mr. Gacy von 2010 widmet sich hingegen der Zeit nach seiner Verhaftung und bezieht sich dabei auf eine wahre Begebenheit: Während seiner Haftzeit wurde Gacy von einem jungen Kriminologie-Studenten namens Jason Moss kontaktiert, der eine Abschlussarbeit über Serienkiller schreiben wollte. Moss versetzte sich für seine Recherchen absichtlich in die Rolle eines stereotypen Opfers, um so mehr über Gacys Innenwelt zu erfahren. Die Gründe für Moss‘ Suizid im Jahre 2006 sind bis heute ungeklärt. 2010 kam neben der Horrorkomödie Dahmer VS Gacy, über die wir schon in der letzten Serienkiller-Ausgabe berichtet hatten, außerdem der Horrorfilm Paranormal Investigations 2 – Gacy House von Anthony Fankhauser auf den Markt. Als Copycat-Film der Paranormal Activity-Reihe dreht es sich hier um eine Gruppe von Forschern, die nach Gacys Tod in dessen Haus gehen, um dort nach paranormalen Aktivitäten zu suchen und um Séancen mit dem einstigen Serienkiller abzuhalten.

Wer regelmäßig South Park schaut, weiß vermutlich, dass John Wayne Gacy 2006 auch einen Auftritt in der Kultserie hatte: Zusammen mit Jeffrey Dahmer und Ted Bundy bildete er hier das Slapstick-Trio The Three Stooges – der Name ist übrigens einer wirklichen Komikertruppe entlehnt, die zwischen 1920 und 1970 erfolgreich und mit wechselnder Besetzung viele Comedy-Kurzfilme drehte und für ihren brutalen Körperhumor bekannt war. Doch die amerikanische Serienlandschaft bietet noch eine weitere Referenz, denn das Joliet Correctional Center, in dem Gacy inhaftiert war, diente später als Drehort für Prison Break. Einige Szenen für den in der Serie einsitzenden Lincoln wurden sogar tatsächlich in der Zelle gedreht, in der John Wayne Gacy auf seinen Tod wartete. Bevor Gacy 1994 hingerichtet wurde, sollen seine letzten Worte übrigens „Kiss my ass“ gewesen sein.

Im letzten Teil der Reihe wird es zur Abwechslung mal um das schöne Geschlecht unter den Serienkillern gehen. Fällt euch da jemand ein?


Alina Impe ist eine Ex-Praktikantin bei moviepilot, studiert Filmwissenschaft im Master in Berlin und schreibt regelmäßig Festivalberichte und Filmkritiken für berliner-filmfestivals.

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