Mission: Impossible 6 - Wie Henry Cavill dank einer Toilette zum Witcher wurde

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Henry Cavill mit Schnurrbart in Mission: Impossible 6 - Fallout
01.06.2020 - 17:00 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Bevor Mission: Impossible 6 - Fallout ins Kino kam, erlebte Henry Cavill mehrere finanzielle Enttäuschungen. Dass er trotzdem als Witcher auserwählt wurde, hat er unter anderem einer Toilette zu verdanken.

Zunächst einmal hat Henry Cavill die Rolle des Geralt von Riva in Netflix' Fantasy-Serie The Witcher vor allem einer Person zu verdanken: sich selbst. Cavill hat vor dem Casting eine leidenschaftliche Initiativbewerbung umgesetzt, wie sie selbst in Hollywood selten ist. Doch eine Toilette war ihm dabei behilflich.

Tom Cruise mag für Mission: Impossible 6 - Fallout einen gefährlichen Halo Jump auf sich genommen haben, doch am meisten Aufsehen erregte Cavill umringt von Sanitärkeramik. Heute Abend läuft Mission: Impossible 6 um 20:15 Uhr bei ProSieben, was ein willkommener Anlass dafür ist, die filmgeschichtliche oder zumindest filmografiegeschichtliche Bedeutung dieses Örtchens im Leben von Henry Cavill zu würdigen.

Vor The Witcher: Ein strauchelnder Superman

Bevor Henry Cavills August Walker die Spiegelbude in einer Pariser Disco betrat, fiel Cavills jüngeres Schaffen durch Enttäuschungen auf. Auserwählt aus dem Dunstkreis des Serienwesens, wurde Cavill im Januar 2011 für Man of Steel als Superman gecastet.

Der positiven Aufnahme seiner Darstellung zum Trotz, stand Cavill von da an im Schatten des bröckelnden DC Extended Universe. Seine unverkennbare Chemie mit Amy Adams wurde von dem endlosen Großstadt-Boxduell zermalmt. Ihm bereits im nächsten Film einen weiteren DC-Titan zur Seite zur Seite stellen, zeugte nicht gerade von finanziellem Vertrauen.

Schaut euch den Badezimmer-Kampf mit Henry Cavill und Tom Cruise in Mission: Impossible 6 an:

Mission Impossible 6 Fallout - Clip 02 Badezimmer Kampf (Deutsch) HD
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Dass man den Ultimate Cut von Batman v Superman: Dawn of Justice schauen musste, um Cavills Rolle in dem Sequel erst wertschätzen zu können, war ebenfalls kaum hilfreich. Ausgerechnet mit Superman wurde im DCEU verfahren, als sei er in seiner strahlenden Pracht etwas peinlich. "Je düsterer die Umgebung, desto besser", schien die strategische Eindämmung dieser Superhelden-Ikone zu befehlen. Das Justice League-Debakel bildete den traurigen Tiefpunkt einer scheiternden Superhelden-Laufbahn.

Als Beinahe-Sargnägel dieser Leading Man-Karriere erwiesen sich Cavills Versuche, außerhalb von DC Fuß zu fassen. In kleineren Filmen wie The Cold Light of Day fehlte ihm die Strahlkraft, größere wie Codename U.N.C.L.E. gingen an der Kasse unter. Oberflächliche Beobachter hätten Henry Cavills Karriere mit der von Avatar-Darsteller Sam Worthington verwechseln können.

Nur wer genau hinschaute, konnte sehen, dass Cavill in U.N.C.L.E. ein überzeugendes Bond-Vorsprechen gab und sein Superman in einer anderen DC-Ära geradewegs in unsere Herzen geflogen wäre.

Prädestiniert für die Hauptrolle eines der wichtigsten Serien-Franchises der letzten Jahre war Cavill angesichts seiner Erfolgsbilanz keineswegs. Und dann kam die Toilette.

Henry Cavill in Mission: Impossible 6 - Die Brechstange

Henry Cavills Auftritt in der Mission: Impossible-Reihe hätte ebenso verblassen können wie jener von Jeremy Renner (dessen Ersatz er ist) in den Filmen davor. Tom Cruise ist schließlich kein Star, den man zum Aufpäbbeln der zukünftigen Konkurrenz nutzt. Er zieht die Scheinwerfer auf sich, während seine Umgebung eingeht. Cavill hat in dem Film von Christopher McQuarrie allerdings den gewaltigen Vorteil, dass sein August Walker sich klar von Ethan Hunt (Cruise) abhebt.

Tom Cruise und Henry Cavill

Er ist die Brechstange. Schlüpft Ethan Hunt mit schlauen Plänen durchs winzigste Nadelöhr, bahnt sich Walker mit der Kreissäge den Weg. Er bleibt gleichzeitig Henry Cavill, also auf natürliche Weise charmant, und einige Level über dem klassischen Muskelprotz an der Seite eines Hans Gruber. Walker funktioniert zu diesem Zeitpunkt in Cavills Laufbahn als erhellender Testlauf für Geralt von Riva, obwohl die Figuren charakterlich nicht viel gemeinsam haben (Geralt mit Walkers Bart wäre allerdings eine Augenweide).

Walker erweitert das Figurenkaliber des strauchelnden Superman nämlich auch in physischer Hinsicht. Schon im Promo-Material für den Mission: Impossible-Film wurde der Badezimmer-Kampf prominent geteasert. Nach dem Halo Jump, in dem sich Hunt als fähiger erweist, infiltrieren die beiden einen Pariser Club auf der Suche nach Terrorist Lark. Im Badezimmer werden sie fündig.

Fallout oder: Wie man seinen Bizeps nachlädt

Pissoirs, Spiegel und die sonstige Inneneinrichtung gehen daraufhin zu Bruch und multiplizieren die Wirkung der Action-Choreografie. Die wird dank des Production Designs in einer fast monochromen, weil klinisch weißen Umgebung ausgeführt. Das Badezimmer wirkt angemessen edel für die kommende Auseinandersetzung zwischen schwarzen und grauen Anzügen. Die Körper schälen sich vor dem Hintergrund klar heraus, das brachiale Gekloppe lockt die basalen Instinkte unter der geschniegelten Oberfläche hervor. Wo sich ungehindert entladen, wenn nicht in der Toilette?

Henry Cavill in Mission: Impossible 6

Sofort viral ging Cavill selbst, wie er in einem Gif seine Bizepse gewissermaßen "nachlädt". Neben dem eleganten Ethan Hunt kündigt sich hier eine rohe Präsenz an, die in Hemd und Krawatte eingezwängt wirkt. Die Schlägerei im Badezimmer formt unser Bild von Walker im Vergleich zu Hunt, was für den weiteren Verlauf der Handlung trügerisch wird. In erster Linie verkaufte sie aber Henry Cavill als markigen Action-Helden und als eines Highlights des Films, bevor er überhaupt im Kino anlief.

Superman ist schließlich nicht die Rolle, mit der man zum Action-Recken aufsteigt. So unbesiegbar der Mann aus Stahl wirkt, so edel, erhaben und abhängig von Spezialeffekten wirkt er auch. Selbiges gilt für Cavill im unterschätzten Flop Krieg der Götter. Darin unterscheiden sich seine früheren Figuren von wortkargen Machern wie Geralt von Riva oder August Walker. Mission: Impossible 6 - Fallout wurde Henry Cavills erster Blockbuster-Erfolg außerhalb des DCEU. Er spielte 100 Millionen Dollar mehr ein als der wesentlich teurere Justice League. Und er bewies welch Unterhaltungswert es haben kann, wenn sich Henry Cavill die Hände schmutzig macht.

Henry Cavills Weg zum Witcher-Casting

Wenige Tage nach dem Kinostart von Fallout äußerte Cavill gegenüber IGN (YouTube ) seinen Wunsch, Geralt von Riva in der kommenden Netflix-Adaption von The Witcher zu spielen. Es war eine späte Station in Cavills langwierigem Bemühen, sich bei Showrunnerin Lauren Schmidt Hissrich ins Gespräch zu bringen. Monatelang hatte er seine Agenten um ein Meeting mit Schmidt Hissrich bedrängt. "Er war wirklich nervig", erklärte die Witcher-Macherin gegenüber Vulture  im Zuge der Comic-Con 2019 in San Diego.

Henry Cavill als Geralt von Riva in The Witcher

Nach dem Treffen schaute sich das Team der Netflix-Serie trotzdem 206 andere Schauspieler an, bevor die Wahl irgendwann auf Cavill fiel. Der Freizeit-Gamer hatte die Bewerbung da schon in die Öffentlichkeit gebracht. Fan-Art verlieh ihm die weiße Mähne des Hexers. Ausgehend von Clark Kent ist der Brite noch schwer vorstellbar in der Rolle des harten Monsterjägers. In der Pariser Toilette hingegen fehlt eigentlich nur ein Schwert und eine Kikimora. Die Fantasie zeichnet sich fast von selbst. Ende Juli 2018 feierte Mission: Impossible 6 Weltpremiere. Im September wurde er zum Witcher.

Podcast für Action-Fans: Lohnt sich Extraction bei Netflix?

In dieser Minifolge unseres Podcasts Streamgestöber nehmen wir den Netflix-Actionfilm Tyler Rake: Extraction unter die Lupe und diskutieren, für wen er sich lohnt.

Andrea fragt Actionfan Jenny über die Highlights des Films, die Actionszenen und den Grat der Brutalität aus. Dabei kommen auch mehrere Action- und Kriegsfilme zur Sprache, die ihr euch nach Tyler Rake vormerken könnt.

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