Nach How I Met Your Mother: Jason Segel erfindet sich endlich neu

Dispatches from ElsewhereAbspielen
© AMC
Dispatches from Elsewhere
29.02.2020 - 12:00 UhrVor 19 Tagen aktualisiert
0
3
Vor sechs Jahren ging How I Met Your Mother zu Ende. Seitdem versuchen sich die Stars der Serie, neu zu erfinden. Mit Dispatches from Elsewhere gelingt Jason Segel dabei ein großer Sprung.

Es ist nicht einfach, sich nach dem Ende einer langlebigen Serie als Schauspieler neu zu etablieren, erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine extrem beliebte Serie wie How I Met Your Mother handelt. Jeder, der die letzten Jahre popkulturtechnisch nicht komplett hinterm Berg verbracht hat, weiß zum Beispiel, wer Marshall Eriksen ist. Doch was macht eigentlich der Schauspieler der Figur, Jason Segel?

Für die Schauspieler einer erfolgreichen Serie folgt die größte Prüfung mit dem Ende jener Geschichte, die sie berühmt gemacht hat. Jason Segel positionierte sich schon recht früh als Allround-Talent, nicht nur vor der Kamera, sondern auch dahinter. Als Drehbuchautor entwickelte er etwa Die Muppets und Sex Tape, in denen er auch als Hauptdarsteller zu sehen war. So richtig konnte er bisher aber nicht nochmal durchstarten.

Auftritt: Dispatches from Elsewhere.

Die wichtigsten Fakten zu Dispatches from Elsewhere

  • Dispatches from Elsewhere basiert auf der Dokumentation The Institute aus dem Jahr 2013, die von dem Jejune Institue erzählt.
  • Besagtes Jejune Institute ist der Mittelpunkt eines Alternate Reality Games, das in San Francisco angesiedelt ist.
  • Jason Segel fungiert nicht nur als Schöpfer der Serie, sondern tritt ebenfalls als Hauptdarsteller, Produzent, Drehbuchautor und Regisseur auf.
Dispatches from Elsewhere

Jason Segel hat folglich seine gesamte Schaffenskraft in Dispatches from Elsewhere investiert. Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit und das Resultat eines gewissen kreativen Frusts, den der Schauspieler zuletzt verspürte. Als seine eigene Version von Der Zauberer von Oz stellt er die zehnteilige Serie bei der Weltpremiere der Berlinale vor, während die einzelnen Folgen Die fabelhafte Welt der Amélie als Referenzpunkt nehmen.

Jason Segel erklärt Philadelphia zum Wunderland

Das lässt eine Reise mit fantastischen Elementen erwarten. Zuerst rückt Dispatches from Elsewhere jedoch einen gewissen Octavio (Richard E. Grant) ins Bild, der sich als Leiter des mysteriösen Jejune Instituts und unzuverlässiger Erzähler der Geschichte vorstellt. Dieser nimmt den Kontakt zu dem Informatiker Peter (Jason Segel) auf, der ein eintöniges, trostloses, geradezu verschwendetes Leben in Philadelphia führt.

Routinen dominieren Peters Alltag, auf der Straße gleicht er einem Unsichtbaren. Es wird höchste Zeit, dass er aus diesem Trott herausgerissen wird - und genau das hat sich Octavio zur Aufgabe gemacht. Hals über Kopf stolpert Peter daraufhin in ein Abenteuer voller unerwarteter Begegnungen und Entdeckungen, die ihn nicht nur die Stadt, sondern auch die Menschen um ihn herum mit völlig neuen Augen sehen lassen.

Dispatches from Elsewhere

In der aufgeweckten, aber ähnlich sehnsuchtsvollen Simone (Eve Lindley) findet Peter bald eine Weggefährtin, die ihn auf diesem unerwarteten Abenteuer begleitet. Später stoßen weiteren Figuren wie Janice (Sally Field) und Fredwynne (André Benjamin) zu den beiden dazu. Letzter vermutet hinter den Ereignissen vor allem eines: Eine riesige Verschwörung, die bis auf die Regierungsebene reicht.

Dispatches from Elsewhere spielt mit den Erwartungen

Doch mit was haben es Peter und Co. hier genau zu tun? Kaum befinden sie sich in den Hallen des Jejune Instituts, säen rote Buchstaben Misstrauen und raten zur Flucht. Ist das alles ein Spiel? Oder doch Realität? Und wenn ja, in welcher Realität befinden wir uns dann? Die ersten zwei Episoden, die auf der Berlinale gezeigt wurden, geben darauf natürlich noch keine Antwort, streuen dafür aber umso mehr Hinweise.

So findet sich Dispatches from Elsewhere abseits der bereits genannten Vorbilder irgendwo zwischen Maniac, Search Party und den Filmen von Charlie Kaufman wieder. Im Prinzip ein kreatives Pulverfass, dessen alleinige Existenz sehr willkommen ist: Jason Segel hat sich hier eine kleine, eigenartige Serie ausgedacht, die erstmal einfach da ist und sich keine Gedanken darüber macht, ob sie gerade in eine Nische passt.

Dispatches from Elsewhere

Trotz klarer Vorbilder macht Jason Segel sein eigenes Ding und schafft eine kleine, verrückte Welt voller geheimnisvoller Zeichen und Symbole, die es zu entschlüsseln gilt. Die übergeordnete Geschichte, die alles zusammenhält, spielt vorerst allerdings keine Rolle. Vielmehr interessiert sich Jason Segel für das Innenleben seiner Figuren und wie diese aufeinandertreffen. Pro Folge steht dabei eine im Vordergrund.

Zwischen nichtssagenden und berührenden Momenten

Während die Serie mit Peter beginnt, der verloren durch die Straßen läuft, von Passanten angerempelt und mit Kaffee überschüttet wird, rückt die zweite Episode Simone in den Vordergrund. Immer wieder kreuzen sich die Wege der Figuren, dazwischen lernen wir mehr über ihre Hintergründe sowie ihre heimlichen Wünsche und Träume kennen. Manchmal ist das ziemlich nichtssagend, dann aber wieder auch berührend.

Über allem schwebt der kryptische Begriff der Göttlichen Nonchalance, der entschlüsselt werden will. Auch wenn Dispatches from Elsewhere weit von den schwindelerregenden Gedankensprüngen eines Charlie Kaufman entfernt ist, erweitert Jason Segel an diesem Punkt das Konzept der Serie geschickt: Nicht nur die Figuren sind dazu aufgefordert, sich auf eine Entdeckungsreise einzulassen, sondern auch wir Zuschauer.

Die 1. Staffel von Dispatches from Elsewhere umfasst insgesamt zehn Episoden, die in den USA ab dem 1. März 2020 auf AMC ausgestrahlt werden. Nach Deutschland kommt die Serie am 8. Mai 2020 via Amazone Prime. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten die ersten zwei Episoden, die auf der Berlinale zu sehen waren.

Werdet ihr euch Dispatches from Elsewhere von Jason Segel anschauen?

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare