Once Upon a Time in Hollywood: Das ist der beste Brad Pitt seit langer Zeit

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Once Upon a Time in Hollywood mit Brad Pitt
18.08.2019 - 08:55 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Quentin Tarantino hat schon viele ikonischen Figuren erschaffen und liefert mit Once Upon Time in Hollywood wieder ab. Brad Pitt als Stuntman stiehlt aber allen die Show.

Eines von vielen Talenten Quentin Tarantinos ist die Besetzung seiner Filme mit genau den richtigen Darstellern. Wenn er sich Stars wie Samuel L. Jackson oder Leonardo DiCaprio ins Boot holt, dann nicht etwa (nur), weil sie aufgrund ihres Namens versprechen, den jeweiligen Film kommerziell erfolgreich zu machen. In erster Linie machen sie ihn besser - darauf läuft es bei jedem Tarantino hinaus.

So beeindruckend wie Brad Pitt in Once Upon a Time ... in Hollywood hat der Regisseur allerdings schon lange keinen Schauspieler mehr in Szene gesetzt. In einem Film, der unter dem Gewicht seiner vielen Stars auch leicht hätte zusammenbrechen können, blüht Pitt nach einer schwierigen Karriere-Phase endlich wieder richtig auf. Achtung, Spoiler zu Once Upon a Time in Hollywood!

Brad Pitt in Once Upon a Time in Hollywood: Ein Glücksfall für uns alle

Once Upon a Time in Hollywood
  • Tarantino macht schamlos Gebrauch von Pitts Star-Power, oberflächlich ist die Figur des Stuntman Cliff Booth deshalb aber keineswegs.
  • Ganz beiläufig erweist sich der Charakter als die ultimative Brad Pitt-Rolle.
  • Die Sympathien, die wir für Cliff empfinden, sind aber trügerisch - und damit wird er erst so richtig interessant.

Cliff Booth: Der coolste Brad Pitt aller Zeiten

Es ist schon bemerkenswert, wie gut sich Cliff Booth und der von Leonardo DiCaprio verkörperte Rick Dalton ergänzen, obwohl die beiden nicht viele gemeinsame Szenen in Once Upon a Time in Hollywood haben. Der eine - ein gefeierter TV-Darsteller - bangt nach zu vielen ähnlichen Rollen um seine Daseinsberechtigung im Fernsehen, der andere braucht den großen Ruhm gar nicht.

Müsste ich Cliff Booth mit einem Satz beschreiben, würde ich sagen: Er ist ein Lebenskünstler. Als Daltons Stuntdouble hält er den Kopf hin, während sein Kollege später den Applaus erntet. Neid kennt er deswegen aber nicht, vielmehr spielt er für Dalton auch noch den Privatchauffeur. Zurechtgerückt werden die Verhältnisse dann, wenn Booth der Martial-Arts-Legende Bruce Lee am Filmset zeigt, wo der Hammer hängt.

Kommt Booth abends nach Hause, warten auf ihn nur sein Hund und sein Fernseher, was uns Pitt federleicht als den ultimativen Lebensentwurf verkauft. Macht ihm eine hübsche junge Frau am Straßenrand schöne Augen, bleibt er nicht zwingend stehen, wenn er mit dem Auto gerade in die andere Richtung unterwegs ist. Er vertraut darauf, dass eine zweite oder dritte Gelegenheit schon kommt (und das tut sie auch). Wie wird man so lässig?

Was die Stahlkraft der Figur betrifft, wirkt Cliff Booth wie die entspannte Version von Tyler Durden, die nicht in jeder Sekunde ausstellt, wie cool sie ist. Wir glauben es ihm auch so. Booth muss das System nicht stürzen, gleichwohl auch er darin kaum Platz findet. Genügsamkeit erweist sich in Once Upon a Time in Hollywood als Schlüssel zum Glück.

Brad Pitt und das Dilemma eines Superstars

Brad Pitt in Fight Club

Brad Pitt ist mit jeder Faser seines Körpers ein Star, aber gerade das hat es in der Vergangenheit mitunter schwierig gemacht, ihn richtig einzusetzen. Von Filmen wie Mexican, Herz aus Stahl, By the Sea oder dem Netflix-Flop War Machine blieb zum Beispiel nicht viel haften - ganz zu schweigen von der Romanze Rendezvous mit Joe Black, die Pitt unumwunden auf sein makelloses Gesicht reduzierte und sein Aussehen so zum Problem werden ließ.

Dabei ist Pitt durchaus zu Höherem berufen. Ein altes Klischee besagt, dass die anspruchsvollen Rollen in Hollywood den kantigen Typen (und eben nicht den "Schönlingen") vorbehalten sind, aber immer wieder stemmte sich der mittlerweile 55-Jährige dagegen. Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, Aus der Mitte entspringt ein Fluss oder Moneyball werden (gemessen an Fight Club) vergleichsweise oft übersehen, irgendwann jedoch sind es hoffentlich jene Filme, durch die wir uns an Brad Pitt erinnern.

Quentin Tarantino holt alles aus Brad Pitt heraus

Inmitten des beschriebenen Dilemmas ist nun Quentin Tarantino mit Once Upon a Time in Hollywood das Kunststück gelungen, alle Vorzüge von Brad Pitt in einen Film zu quetschen. Die spaßigen Szenen mit dem Hund beispielsweise sind dank seines Charismas reine Selbstläufer, die Krone verdient sich Pitt hingegen in Dialogen mit Bruce Dern oder Margaret Qualley, die durch die Schauspieler mit wertvollem Subtext gefüllt wollen werden.

Ganz so einfach dürfen wir es uns mit Cliff Booth ohnehin nicht machen. An mehreren Stellen deutet der Film an, unser Protagonist könnte seine eigene Frau ermordet haben, ohne jedoch eine abschließende Antwort auf die Frage zu liefern.

Akzeptieren wir Booth trotz dieser misslichen Leerstelle als Held von Tarantinos Geschichte oder lassen wir am Ende die Zweifel am Charakter des Kriegsveteranen überwiegen? An dieser Stelle bleibt der Zuschauer ganz sich selbst überlassen, womit uns Once Upon a Time in Hollywood das größtmögliche Geschenk macht - also das größte nach Brad Pitt.

Hat euch Brad Pitt in Once Upon a Time in Hollywood auch überzeugt?

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